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Neue Stromlücke?

Neue Studie: Stromverbrauch steigt massiv durch 5G

Die Digitalisierung treibt den Stromverbrauch hoch, während die Bundesregierung bis 2050 deutliche Einsparungen einplant.

Inhaltsverzeichnis

Katharina Wolf

Sind die Berechnungen für die Umstellung der Energieversorgung auf erneuerbare Energien obsolet? Eine neue Studie der Universität RWTH Aachen prognostiziert einen dramatisch wachsenden Energieverbrauch durch Rechenzentren. Allein die Umstellung auf den Mobilfunkstandard 5G werde den ohnehin stark wachsenden Strombedarf in Rechenzentren um bis zu 3,8 Terawattstunden (TWh) bis zum Jahr 2025 zusätzlich erhöhen. Das wäre laut Auftraggeber Eon genug Strom, um alle 2,5 Millionen Menschen der Städte Köln, Düsseldorf und Dortmund ein Jahr lang zu versorgen.

Stromverbrauch in Deutschland: Tendenz steigend

Der Stromverbrauch in Deutschland beträgt laut Umweltbundesamt (UBA) seit dem Jahr 2001 mehr als 500 TWh. 2017 waren es 520. Für 2018 und 2019 geht der BDEW nach vorläufigen Zahlen und Schätzungen für beide Jahre von je rund 555 TWh aus.

Der Stromverbrauch steigt also schon, obwohl der Sprung durch 5 G noch nicht hinzugekommen ist. Eigentlich plant die Bundesregierung durch Effizienzmaßnahmen den Stromverbrauch bis 2020 auf 472 TWh zu senken. 2050 sollen die Deutschen nur noch 393 TWh verbrauchen.

Kommt jetzt zusätzlicher Bedarf durch Rechenzentren hinzu, droht nicht nur dieses Ziel verfehlt zu werden: An den Prognosen orientieren sich auch die Ziele für den Ausbau erneuerbarer Energien.

5 G macht dem Aufbau neuer dezentraler Rechenzentren erforderlich

Auslöser des Energiehungers sind laut RWTH-Studie die neuen technischen Möglichkeiten für Unternehmen und Verbraucher: Mit 5G bauen sich Unternehmen eigene Mobilfunknetze auf. In intelligenten Fabriken vernetzten sich selbstfahrende Roboter mit Maschinen und tauschen Informationen aus. Das Mobilfunknetz wird so leistungsfähig, dass Filme in Echtzeit und praktisch ohne Download zur Verfügung stehen. Das erfordert laut Studie den Aufbau von vielen kleinen und lokalen Rechenzentren, die vielfach als Zwischenstation zu den zentralen Einheiten fungieren.

Eon-Vorstandsmitglied Karsten Wildberger fordert, den zusätzlichen Energiebedarf von Beginn an klimafreundlich abzudecken. „Bis 2030 werden bis zu 13 Prozent des weltweiten Strombedarfs von Rechenzentren benötigt. Hier brauchen wir eine nachhaltige Energieversorgung.“ Die Technik dafür sei vorhanden.

Intelligente Nutzung von Abwärme

Die RWTH-Studie beschäftigt sich zudem auch mit der entstehenden Abwärme. Derzeit werden 13 Milliarden Kilowattstunden Strom in deutschen Rechenzentren in Wärme umgewandelt – und bislang ungenutzt in die Umgebung abgegeben. Laut Studie nutzen nur 19 Prozent der Rechenzentren einen Teil ihrer Abwärme, zum größten Teil in den eigenen Gebäuden für Heizung und Warmwasser.

Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass bis zum Jahr 2025 bis zu 8 TWh Abwärme zur Verfügung stehen werden. Diese sinnvoll zu nutzen, etwa als Fernwärme für Wohnsiedlungen, dürfte eine der künftigen Herausforderungen sein.

Allerdings: Der mit zunehmender Digitalisierung steigende Energieverbrauch ist nicht allein durch die Einführung des 5G Standards bestimmt, sondern wird auch von einem neuen Online-Nutzerverhalten jedes einzelnen verursacht, heißt es in der Studie.

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