Foto: Baywa re

Projekt Barth V

Solarpark in Deutschland kommt ohne Förderung aus

Der Solarpark Barth V wird allein durch den Stromverkauf wirtschaftlich sein. Denn Baywa re plant, mit dem Projekt ohne Einspeisevergütung oder Marktprämie auszukommen.

Jetzt ist es so weit: Auch in Deutschland entsteht ein Solarpark, der komplett ohne Förderung gebaut wird. Der Tübinger Projektierer Baywa re baut die Anlage mit dem Namen Barth V neben vier anderen Solarparks, die schon auf dem Gelände des Ostseeflughafens Stralsund-Barth stehen. Geht er schneller ans Netz als das geplante Projekt von EnBW, wird es der erste förderfreie Solarpark Deutschlands werden.

Dass es irgendwann so weit sein wird und Solarparks auch in Deutschland ohne Förderung möglich sind, war absehbar. Aber bisher ging die Branche davon aus, dass es sich dabei um extrem große Anlagen handelt. Denn je größer der Generator ist, desto preiswerter wird er pro Kilowatt installierter Leistung. Je niedriger die Kosten für die Anlage sind, desto preiswerter kann sie den Strom liefern.

Neue Ära der Ökoenergieerzeugung

Auf diesem Prinzip beruht schon der erste förderfreie Freiflächenanlage, die Baywa re im vergangenen Jahr in Spanien in Betrieb genommen hat. Der Solarpark Don Rodrigo leistet immerhin satte 175 Megawatt. Diese Logik durchbricht Baywa re aber jetzt mit dem Projekt. Denn die Anlage wird vergleichsweise bescheidene 8,8 Megawatt leisten – eine Größe, mit der in der Regel noch in Ausschreibungen um Marktprämien gerungen wird. „Wir sind stolz darauf jetzt auch in Deutschland, mit niedrigeren Einstrahlungswerten, das erste förderfreie Solarprojekt umzusetzen und damit eine neue Ära in der erneuerbaren Energieerzeugung einzuläuten“, sagt Benedikt Ortmann, Geschäftsführer von Baywa re Solar Projects.

Schon vorher mitgedacht

Die Planungen für das gesamte Projekt sind bereits abgeschlossen. Im Juni beginnt der Bau. Um von den Förderungen unabhängig zu sein, muss der Solarpark aber so preiswert wie möglich gebaut werden. Er profitiert dabei von den Vorgängerprojekten am gleichen Standort. So wurden Kabeltrassen und Netzanschluss bereits frühzeitig mitgeplant. Die Kabel für den neuen Park haben die Installateure von Baywa re bereits gleich mit in den Kabelgraben der Anlage Barth III verlegt und die Kosten entsprechend umgelegt. Dazu kommt noch, dass Baywa re mit einem optimierten Planungs- und Systemdesign arbeitet. Außerdem baut das Unternehmen noch zwei weitere Solarparks auf dem Flughafengelände südlich der Kleinstadt im nördlichen Mecklenburg, nur wenige Kilometer von der Ostseeküste entfernt. Da die Tübinger für alle drei neuen Parks eine gemeinsame Finanzierung abgeschlossen haben, konnte sie die Zinssätze und damit diesen Kostenanteil so gering wie möglich halten.

Strom direkt verkaufen

Aber auch auf der Abnahmeseite hat sich einiges getan. So will Baywa re mit einem Industrieunternehmen einen Stromabnahmevertrag (PPA) mit einer Laufzeit über mehrere Jahre abschließen. Die Verhandlungen mit Interessenten laufen derzeit noch. Fest steht aber schon, dass die Vermarktung des Stroms die Baywa-Tochter Clean Energy Sourcing (CLENS) übernimmt.

Die Tübinger sehen diesen Park aber erst als einen Anfang vom Ende der Förderung solcher Anlagen. „Trotz der Realisierung des ersten förderfreien Solarprojektes in Deutschland wird das EEG auch in den nächsten Jahren eine zentrale Rolle für das Gelingen der Energiewende spielen, betont Matthias Taft, Energievorstand der BayWa AG. „Zwar ist in den Bereichen Kleinanlagen und mittelgroße Gewerbeanlagen die Umsetzung von Eigenverbrauchskonzepten ohne Einspeisetarif in einigen Fällen möglich, eine Förderung wird in diesem Segment aber weiterhin notwendig bleiben. Darüber hinaus ist die Förderung von dezentralen Photovoltaiklösungen im Wohnungsbau aus Gründen der Beteiligung breiter Bevölkerungsschichten und der Ermöglichung lastnaher Versorgung wünschenswert und sinnvoll.“

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