Foto: FPM-BERLIN - stock.adobe.com

Pkw-Emissionen

SUV und Geländewagen sprengen CO2-Ziele

Neuer Monitoringbericht zeigt wachsende Begeisterung für SUVs und Geländewagen mit hohen CO2-Emissionen in Deutschland.

Inhaltsverzeichnis

Nicole Weinhold

In Deutschland ist trotz Klimaschutzdebatte der Trend zu den verbrauchsstarken SUVs und Geländewagen ungebrochen. Der Anteil von Fahrzeugen mit den besten Effizienzklassen sank 2018 um rund fünf Prozent, während die Anzahl der neu zugelassenen Autos mit insgesamt über 3,4 Millionen auf dem Niveau des Vorjahres blieb. Das hat die Dena in ihrem Monitoringbericht zur Entwicklung der Neuzulassungen CO2-effizienter Pkw im Jahr 2018 festgestellt. Die durchschnittlichen CO2-Emissionen von neuzugelassenen Pkw sind um fast zwei Prozent gestiegen.

Werbung für das Fahrabenteuer

Sieht man sich auf den Websites der Autobauer um, merkt man schnell, dass sich dort in den vergangenen 20 Jahren nichts verändert hat. Nach wie vor wird das Image vom kraftstrotzenden Superwagen für Abenteurer, Rennfahrer und Ranger verkauft. Bis auf Renault wird niemand auf der Startseite mit einem kleinen, sparsamen Elektroauto. Und auch bei Renault kommt gleich auf der zweiten Seite der SUV zum Vorschein. Aber immerhin findet man dort die Schadstoffangaben schnell. Während andere Hersteller ausführlich über die Farbauswahl schwadronieren - und die Emissionen in Gramm pro 100 Kilometer einfach nicht auftauchen. Offensichtlich sind Hersteller und Kunden nicht lernwillig. Die Spritpreise und Steuern spielen ebenfalls in dieser Größenordnung noch keine Rolle. Das muss sich ändern. Erst wenn Kunden sich den Verbrauch anschauen, weil sie bei geschickter Wahl ein paar 100 Euro sparen, werden auch die Hersteller über ihre Fahrzeugflotte nachdenken.

Kraftstoffe in Abhängigkeit ihrer CO2-Intensität besteuern

"Um die Klimaschutzziele im Verkehr zu erreichen, müssen dringend Rahmenbedingungen geschaffen werden, die den Kauf emissionsarmer und emissionsfreier Fahrzeuge attraktiv machen", sagt Andreas Kuhlmann, Vorsitzender der Dena-Geschäftsführung. Gleichzeitig müsse dem Trend nach verbrauchsstarken Fahrzeugen entgegengewirkt werden. Die Koppelung der Dienstwagenbesteuerung und des Privatkaufs von Pkw an deren CO2-Emissionen könne dabei ein wirksamer Schritt sein. "Allerdings sollte dieses System aufkommensneutral, gegebenenfalls durch die Einbeziehung von Bonus-Malus-Regelungen, ausgestaltet werden", so Kuhlmann. "Auch die Kraftstoffe sollten stärker in Abhängigkeit ihrer CO2-Intensität besteuert werden."

Saubere Pkw immer seltener

Im Jahr 2018 gehörten nur 69 Prozent aller neuzugelassenen Pkw einer der grünen Effizienzklassen (A+, A, B) an. 2017 waren es noch 72,8 und 2016 noch 74,4 Prozent. Die Betrachtung der Neuzulassungen nach Segmenten bestätigt den negativen Trend: 2017 hatten die Effizienzklassen A+, A und B noch bei fünf Segmenten einen Anteil von über 80 Prozent. 2018 ist der Anteil im Segment der Großraumvans mit 76 Prozent am höchsten, gefolgt von der Mittelklasse mit 71,9 Prozent und der oberen Mittelklasse mit 71,6 Prozent.

SUVs und Geländewagen am beliebtesten

Zusammen führen die verbrauchsstarken SUVs und Geländewagen wieder die Neuzulassungsstatistik an. SUVs erreichen mit 21 Prozent die höchste Steigerung, Geländewagen nur zwei Prozent. Bei der Kompaktwagenklasse setzt sich der negative Trend mit einem Rückgang um weitere 5,9 Prozent fort.

CO2-Emissionen pro Pkw steigen

Insgesamt verbrauchten neu zugelassene Pkw 2018 nach dem Neuen Europäischen Fahrzyklus (NEFZ) auf 100 Kilometer durchschnittlich 5,7 Liter Benzin bzw. 5,1 Liter Diesel. Damit stiegen die durchschnittlichen CO2-Emissionen der neu zugelassenen Pkw um 1,9 Prozent auf 130,3 g CO2/km. Ein Grund dafür sind die auch hohen Zulassungszahlen von SUVs und Geländewagen, die im Durchschnitt 134,3 g CO2/km bzw. 163,1 g CO2/km emittierten. Die durchschnittlichen CO2-Emissionen der deutschen Neuzulassungen liegen etwa zehn Gramm über dem europäischen Durchschnitt von 120,4 g CO2/km.

Weit entfernt vom EU-2020-Ziel

Im gesamteuropäischen Mix soll im Jahr 2020 ein durchschnittlicher Emissionswert der Neuwagenflotte von 95 g CO2/km erreicht werden. Dies entspräche einem durchschnittlichen Verbrauch von 3,6 Liter Diesel bzw. 4,1 Liter Benzin auf 100 Kilometer. Angesichts der steigenden Beliebtheit emissionsintensiver Fahrzeuge ist dieses Ziel nach Einschätzung der Dena ohne veränderte politische Rahmenbedingungen sowie entsprechender Absatzstrategien der Hersteller kaum zu erreichen.

Der Monitoringbericht "Entwicklung der Neuzulassungen CO2-effizienter Pkw 2018" ist hier verfügbar.

Umweltschutz

Angst vor Klimawandel und Kampf um Feuerwerk

Für 26 Prozent der Deutschen gehört der Klimawandel laut einer Langzeitstudie inzwischen zu den besorgniserregendsten Ereignissen. Was haben Feuerwerke damit zutun?

Berliner Energietage

"Altmaier ist nicht der, der die Energiewende vorantreibt"

Zur Eröffnung der Berliner Energietage erntete Fridays-for-Future-Aktivist Jakob Blasel viel Applaus. Das BMWi überzeugte dagegen kaum.

55 Millionen Fahrzeuge in Deutschland

Biosprit einzige Chance zur CO2-Reduktion im Pkw-Bestand

CO2-Reduktion im Verkehr ist bisher nicht gelungen. E-Mobilität und Wasserstoff sind die Zukunft, Biosprit die Brücke dorthin.

Klimaschutz

Merkel: Unterm Strich CO2-frei bis 2050

Erst war die Bundeskanzlerin dagegen, nun hat Angela Merkel sich doch für das Ziel einer Klimaneutralität Deutschlands bis 2050 ausgesprochen.