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Tanken mit dem Solarstrom vom Dach

Ziemlich beste Freunde: Es lohnt sich, Photovoltaik und Elektroauto zu kombinieren.

Inhaltsverzeichnis

Photovoltaikanlagen auf dem Dach sind klimafreundlich und erzeugen inzwischen Strom zu besonders niedrigen Kosten. Kombinieren Hauseigentümer die Solaranlage mit ihrem Elektroauto, können sie noch stärker vom eigenen Ökostrom profitieren. Durch den höheren Eigenverbrauch steigt der Gewinn der Photovoltaikanlage. Stadtwerke sollten diese attraktive Kombination künftig vermehrt für ihre Kundenansprache nutzen. Wichtig dabei ist: Um ausreichend Solarstrom für die elektrischen Geräte im Haushalt sowie für das Laden des Elektro­autos zu haben, sollte die Solaranlage möglichst groß dimensioniert werden.

Für Hauseigentümer lohnt sich eine neue Photovoltaikanlage besonders, wenn sie den Solarstrom selbst verbrauchen und dadurch weniger Strom vom Energieversorger kaufen müssen. Inzwischen ist der Sonnenstrom unschlagbar günstig geworden: Solarstrom vom Dach kostet bei Kleinanlagen unter zehn Kilowatt installierter Leistung aktuell noch etwa 10 bis 12 Cent pro Kilowattstunde. Wer den Photovoltaikstrom für die elektrischen Geräte im Haus nutzt und dafür keinen Netzstrom für netto 25 Cent pro Kilowattstunde kaufen muss, hat folglich einen Vorteil von 13 bis 15 Cent pro Kilowattstunde. Überschuss wird ins Netz eingespeist und trägt zur positiven Rendite bei. Bei größeren Photovoltaiksnlagen sinken die Stromerzeugungskosten übrigens deutlich und der Gewinn pro Kilowattstunde steigt.

E-Auto erhöht lukrativen Eigenverbrauch

Ohne Zusatzaufwand sind je nach Größe der Anlage in der Regel Eigenverbrauchsanteile von 20 bis 30 Prozent möglich. Wer diesen Anteil weiter steigern möchte, bestellt derzeit meist einen Heimakku mit. Wirtschaftlich ist das meist noch nicht. Als Alternative kann man aber auch die Batterie seines Elektroautos nutzen, das man tagsüber mit dem eigenen Ökostrom lädt. Damit kann sich der Eigenverbrauchsanteil auf 40 bis 50 Prozent erhöhen. Wer mit seinem E-Auto zur Arbeit pendelt, kann sein Auto an freien Tagen oder den Wochenenden laden, um dadurch den Eigenverbrauchsanteil zu erhöhen.

Um ausreichend Solarstrom für das Elektroauto zur Verfügung zu haben, sollte die Solaranlage nicht zu klein sein: Für eine Fahrleistung von 20.000 Kilometern benötigt man drei bis vier Kilowatt installierter Photovoltaikleistung. Für den Energiebedarf der weiteren elektrischen Geräte sind noch einmal drei bis vier Kilowatt Leistung erforderlich. Um auch bei weniger optimalen Wetterbedingungen genügend Leistung für alle elektrischen Verbraucher zur Verfügung zu stellen, sollte die Anlage möglichst groß ausgelegt werden. Überschussstrom an sehr sonnigen Tagen speist man dann ins Netz und erhält dafür die Einspeisevergütung. Die zusätzlichen Kilowatt Leistung lohnen sich: Je größer die Anlage, desto geringer sind die Zusatzkosten pro Modul. Entsprechend steigt der Gewinn. Hauseigentümer sollten das Dach möglichst komplett ausnutzen. Als Faustregel gilt: Pro Kilowatt installierter Leistung braucht man rund fünf Quadratmeter Dachfläche.

Günstige Kilometerkosten

Die Fahrtkosten von Elektroautos sind bereits mit Netzstrom günstig. Je nach Größe verbrauchen die Stromer auf 100 Kilometer durchschnittlich 20 Kilowattstunden – bei einem Renault Zoe sind es beispielsweise rund 16 Kilowattstunden, bei dem Tesla Model S 70 rund 21 Kilowattstunden. Bei einem Haushaltsstrompreis von netto 25 Cent pro Kilowattstunde verursacht der Re­nault auf 100 Kilometer daher Fahrtkosten von 4 Euro, der Tesla Fahrtkosten von 5,30 Euro.

Zum Vergleich: Ein mit Benzin betriebenes Auto verursacht durchschnittlich Kosten von 11 Euro. Nutzt man eigenen Solarstrom mit Erzeugungskosten von 12 Cent pro Kilowattstunde, sieht die Sache noch besser aus. Dann sinken die Kosten der gewählten Beispielautos auf rund 1,90 Euro beziehungsweise 2,50 Euro auf 100 Kilometer. Gegenüber Strom aus der Steckdose ergibt sich eine Ersparnis um 50 Prozent.

Die verstärkte Solarnutzung im Auto macht also die Photovoltaikanlage rentabler. Für die Elektromobilisten lohnt es sich auch aus anderen Gründen: Nicht immer finden sie freie Ladesäulen, zudem ist der Strom dort manchmal recht teuer. Bei bis zu zwei Euro pro Kilowattstunde können die Kosten liegen. Mit der eigenen Solaranlage lassen sich solche Situationen reduzieren.

Niedrige Ladeleistung besser für Rendite

Günstig für einen größeren Solarstromanteil im Tank ist eine niedrigere Ladeleistung der Ladestation für das E-Mobil. Liegt diese bei etwa drei bis sechs Kilowatt, ist das optimal. Allerdings sind längere Ladezeiten die Folge. Der Vorteil: Die Photovoltaikanlage kann so einen höheren Anteil der in den Akku gelieferten Energiemenge bereitstellen. Wer dagegen 22 Kilowatt nutzt, braucht zum Laden auch mittags Strom aus dem Netz. Mehr als 22 Kilowatt Leistung sind für den Hausgebrauch übrigens nicht zu empfehlen, da sie den Anschluss überfordern und das unabhängig von der Größe der Solaranlage.

Koppeln Hauseigentümer ihre Photovoltaikanlage mit dem Elektroauto, erhöhen sie den lu­krativen Eigenverbrauch des Solarstroms vom Dach. Das steigert den Gewinn der Photovoltaikanlage: Die verstärkte Solarnutzung im Auto reduziert die Fahrtkosten. Gegenüber Strom aus der Steckdose ergibt sich eine Ersparnis um 50 Prozent. Dieses Argument sollten Stadtwerke künftig verstärkt nutzen, um das Geschäftsfeld Verkauf, Vermietung und Verpachtung von Photovoltaikanlagen zu erschließen oder auszuweiten. Den Stadtwerken bietet das eine große Chance, da sie in ihrer Region als erfahrener und verlässlicher Partner gelten.

Autor: Franz Pöter, Geschäftsführer, Solar Clusters Baden-Würtemberg

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