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Betriebsführung heißt: Nichts dem Zufall überlassen

Nicole Weinhold

Weit mehr als die Sicherstellung einer hohen technischen Verfügbarkeit macht heute den wirtschaftlichen Betrieb von Windparks aus. Betreiber stehen vor der Aufgabe, die Anlagen über Jahrzehnte zuverlässig, sicher und effizient zu betreiben – unter zunehmend strengeren regulatorischen Vorgaben und steigendem Kostendruck. Während sich die öffentliche Wahrnehmung häufig auf Erträge, Netzanbindung oder Genehmigungsfragen konzentriert, entscheidet sich der wirtschaftliche Erfolg oft im operativen Betrieb. Hier spielen sowohl die Absicherung der digitalen Infrastruktur als auch eine vorausschauende Instandhaltung der Anlagen eine zentrale Rolle. Mit der Digitalisierung moderner Windenergieanlagen wächst die Bedeutung der Betriebsführung kontinuierlich. Fernüberwachung, Condition Monitoring, Fernwartung und cloudbasierte Auswertung von Betriebsdaten erhöhen zwar die Effizienz, schaffen aber zugleich neue Angriffspunkte für Cyberkriminelle. Parallel dazu bleiben klassische technische Herausforderungen bestehen: Rotorblätter müssen über viele Jahre extremen Belastungen standhalten und Reparaturen müssen entsprechend möglichst schnell durchgeführt werden, um Stillstandszeiten zu minimieren.

Cybersecurity wird Managementaufgabe

Mit der Umsetzung der europäischen NIS2-Richtlinie und den verschärften Anforderungen für Betreiber kritischer Infrastrukturen rückt die Informations- und Betriebssicherheit stärker in den Fokus. Besonders Betreiber größerer Wind- und Solarparks müssen heute nachweisen, dass sie Cyberrisiken systematisch beherrschen und organisatorische sowie technische Schutzmaßnahmen etabliert haben.

Dabei betrifft Cybersecurity längst nicht mehr ausschließlich die klassische IT. Die Anforderungen der EU-Richtlinie NIS2 beziehen ausdrücklich auch die Operational Technology (OT) ein – also die Steuerungs- und Automatisierungstechnik der Anlagen. Genau hier unterscheiden sich Windparks von vielen anderen Industriebetrieben: Die Anlagen sind dezentral verteilt, dauerhaft mit Leitständen verbunden und häufig über Fernzugänge erreichbar. Gleichzeitig muss die Stromproduktion möglichst ohne Unterbrechung gewährleistet werden.

Nach Einschätzung der Pure ISM GmbH besteht die größte Herausforderung häufig nicht darin, völlig neue Sicherheitsmaßnahmen einzuführen. Viele Betreiber verfügen bereits über zahlreiche Einzelmaßnahmen, wissen jedoch nicht, ob diese den heutigen regulatorischen Anforderungen genügen oder wo tatsächlich noch Handlungsbedarf besteht. Deshalb empfiehlt das Unternehmen zunächst eine strukturierte Bestandsaufnahme.

Am Anfang steht eine Reifegradanalyse: Welche Anlagen sind vorhanden? Welche Fernzugriffe existieren? Welche Kommunikationswege werden genutzt? Erst auf dieser Grundlage lassen sich Risiken priorisieren und wirtschaftlich sinnvolle Maßnahmen ableiten.

Netzwerke sauber strukturieren

Eine der wichtigsten technischen Maßnahmen besteht in der konsequenten Trennung unterschiedlicher Netzbereiche. Steuerungssysteme sollten klar von Büro-IT, Internetzugängen oder anderen weniger vertrauenswürdigen Bereichen getrennt werden. Sicherheitszonen, industrielle Firewalls und definierte Kommunikationsregeln verhindern, dass sich Angriffe ungehindert innerhalb der Infrastruktur ausbreiten können.

Besondere Aufmerksamkeit verdienen laut der Firma Phoenix Contact Fernzugriffe. Servicetechniker, Hersteller oder externe Dienstleister benötigen häufig Zugriff auf einzelne Anlagen. Diese Verbindungen müssen durch starke Authentifizierungsverfahren und verschlüsselte Kommunikationswege abgesichert werden. Ungeschützte oder dauerhaft offene Zugänge gelten heute als erhebliches Sicherheitsrisiko.

Ebenso wichtig ist ein strukturiertes Schwachstellen- und Patch-Management. Gerade in der Betriebstechnik lassen sich Softwareupdates nicht beliebig installieren, da jede Änderung Auswirkungen auf die Anlagenverfügbarkeit haben kann. Statt pauschaler Aktualisierungen ist deshalb eine risikoorientierte Bewertung erforderlich, bei der Sicherheitsgewinn und Betriebsrisiko gegeneinander abgewogen werden.

Sicherheit endet nicht bei der IT

Ein häufig unterschätztes Problem liegt in der Zusammenarbeit zwischen IT und OT. Während IT-Abteilungen Sicherheitsupdates möglichst schnell installieren möchten, steht für die Betriebstechnik die kontinuierliche Verfügbarkeit der Anlagen im Vordergrund. Ohne klare Verantwortlichkeiten entstehen leicht Lücken, weil sich niemand für die Abstimmung zwischen beiden Bereichen zuständig fühlt.

Hinzu kommt, dass NIS2 ausdrücklich die Lieferkette berücksichtigt. Betreiber müssen deshalb auch die Sicherheitsmaßnahmen ihrer Dienstleister und Zulieferer in ihre Risikobetrachtung einbeziehen.

Für einen dauerhaft sicheren Betrieb gewinnt außerdem die kontinuierliche Überwachung der OT-Kommunikation an Bedeutung. Moderne Anomalie-Erkennungssysteme analysieren den Datenverkehr und erkennen ungewöhnliche Kommunikationsmuster frühzeitig. Dadurch lassen sich sowohl Cyberangriffe als auch technische Fehlfunktionen schneller identifizieren und Gegenmaßnahmen einleiten, bevor sie die Anlagenverfügbarkeit beeinträchtigen.

Effizienz entsteht bei der Instandhaltung

Neben der digitalen Sicherheit bleibt die technische Instandhaltung eine der wichtigsten Aufgaben der Betriebsführung. Rotorblätter sind während ihrer gesamten Lebensdauer permanent UV-Strahlung, Niederschlag, Temperaturschwankungen und mechanischer Belastung ausgesetzt. Entsprechend häufig stehen Inspektionen und Reparaturen auf der Agenda der Betreiber.

Im Mittelpunkt stehen dabei meist Zugangstechnik, Wetterfenster und qualifiziertes Personal. Weniger Beachtung findet häufig die Beschichtung der Rotorblätter. Dabei beeinflusst sie nicht nur den langfristigen Oberflächenschutz, sondern auch den gesamten Reparaturablauf.

Die Beschichtung bildet den Abschluss jeder Rotorblattreparatur. Erst wenn dieser Arbeitsschritt abgeschlossen und ausreichend ausgehärtet ist, kann die Anlage wieder ans Netz gehen. Die Wahl des Beschichtungssystems hat deshalb unmittelbaren Einfluss auf Stillstandszeiten, Personalbindung und Planbarkeit.

Zeitgewinn durch vereinfachte Prozesse

Rotorblattreparaturen finden selten unter idealen Bedingungen statt. Wind, Luftfeuchtigkeit, Temperatur und kurze Wetterfenster bestimmen den Arbeitsalltag. Gleichzeitig müssen Lacke exakt angemischt und verarbeitet werden. Fehler beim Mischungsverhältnis oder zusätzliche Lackschichten verlängern die Arbeiten und erhöhen das Risiko kostspieliger Nacharbeiten. Hier setzen moderne Beschichtungssysteme an, die mehrere Prozessschritte zusammenfassen. Nach Angaben der Firma Mankiewicz Coatings aus Hamburg ermöglicht dessen neues Einschichtsystem gegenüber einem klassischen Mehrschichtaufbau eine Zeitersparnis von nahezu einer Stunde. Ein zusätzlicher Lackier- und Ablüftschritt entfällt, gleichzeitig sinken Materialverbrauch, Restmengen und Abfall.

Darüber hinaus erleichtert ein vorkonfektioniertes Zwei-Komponenten-Gebinde die Verarbeitung direkt am Rotorblatt. Da Stammlack und Härter bereits im korrekten Mischungsverhältnis bereitgestellt werden, sinkt das Risiko von Mischfehlern deutlich. Gleichzeitig lässt sich das System bereits ab fünf Grad Celsius verarbeiten, wodurch sich Wartungsfenster im Frühjahr und Herbst besser nutzen lassen.

Verfügbarkeit ganzheitlich betrachten

Für Betreiber ergeben sich daraus wirtschaftliche Vorteile, die über den eigentlichen Materialeinsatz hinausgehen. Kürzere Reparaturzeiten reduzieren Anlagenstillstände, vereinfachen die Einsatzplanung und erhöhen die Auslastung der Serviceteams. Gerade bei großen Windparks mit zahlreichen geplanten Wartungseinsätzen summieren sich solche Effizienzgewinne zu einem relevanten wirtschaftlichen Faktor.

Auch neue Technologien tragen dazu bei, Wartungsprozesse effizienter zu gestalten. So testen Betreiber zunehmend den Einsatz von Transportdrohnen, um Werkzeuge, Ersatzteile oder Verbrauchsmaterialien direkt zu Offshore-Anlagen zu bringen. Dadurch lassen sich Logistikzeiten verkürzen und Wartungseinsätze flexibler organisieren.

Die Betriebsführung moderner Windparks entwickelt sich damit immer stärker zu einer interdisziplinären Aufgabe. Cybersecurity, regulatorische Compliance und technische Instandhaltung greifen ineinander und beeinflussen gemeinsam Verfügbarkeit, Wirtschaftlichkeit und Lebensdauer der Anlagen. Betreiber, die beide Bereiche strategisch zusammenführen, schaffen die Grundlage für einen langfristig sicheren und wirtschaftlichen Anlagenbetrieb.

Mit dem Inkrafttreten der NIS2-Richtlinie hat die Europäische Union einen entscheidenden Schritt zur Harmonisierung der Anforderungen an die Cybersicherheit in ihren Mitgliedstaaten unternommen. Wind- und Solarparkbetreiber müssen nachrüsten.

Foto: Shutterstock / petrmalinak

Mit dem Inkrafttreten der NIS2-Richtlinie hat die Europäische Union einen entscheidenden Schritt zur Harmonisierung der Anforderungen an die Cybersicherheit in ihren Mitgliedstaaten unternommen. Wind- und Solarparkbetreiber müssen nachrüsten.

Wichtige Anforderungen durch NIS2

  • Proaktives Risikomanagement: Unternehmen müssen Cybersicherheitsrisiken entlang ihrer gesamten Wertschöpfungskette identifizieren.
  • Umfassende Meldepflichten: Wesentliche Sicherheitsvorfälle müssen unverzüglich innerhalb strenger Fristen gemeldet werden.
  • Verantwortung der Führungskräfte: Sie sind persönlich für die Einhaltung der Vorschriften verantwortlich, einschließlich regelmäßiger Schulungen zur Cybersicherheit.
  • Möglichkeit schwerwiegender Sanktionen: Verstöße können zu erheblichen Bußgeldern führen, die als Prozentsatz des weltweiten Umsatzes berechnet werden.

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