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Enercon dreht Flaggschiff-Windturbine für Starkausbeute auch im Süden auf

Enercon bietet die Flaggschiff-Windenergieanlage E-175 künftig mit einem um 5,5 Prozent erhöhten ausgewiesenen Jahresertrag und entsprechend erhöhten Referenzertrag an. Dies soll dank einer nun nachgewiesen besseren als erwarteten Effizienz der Anlage im realen Windfeld möglich sein sowie einer von Enercon vorgenommenen Modernisierung bei Steuerung und Technik der Anlage. Wie das Unternehmen aus Aurich am Donnerstag zunächst in Magdeburg vor Kunden und am Freitag öffentlich per Pressemitteilung informierte, bleibt es für die E-175 dennoch bei der Erzeugungs-Nennleistung von 7,0 Megawatt (MW).

„Grundlage der Anpassung“ ist gemäß der von Enercons Geschäftsführer Udo Bauer bei der Präsentation in Magdeburg genannten Erklärung eine „Auswertung umfangreicher Betriebsdaten aus dem Feld“. Enercon habe zur Markteinführung beim Erzeugungspotenzial der Anlage bewusst „konservativ“ gerechnet. Die im Frühjahr 2025 erstmals als Prototyp installierte Anlage habe „sich im Feld als noch leistungsfähiger erwiesen als ursprünglich veranschlagt“, sagte Bauer. So habe der E-175 EP5 E2 bezeichnete Anlagentyp die „Erwartungen noch einmal weit übertroffen“.

Zusätzlich gelingt die Anlagen-Ertüchtigung durch eine „optimierte und validierte Betriebsstrategien sowie neue technologische Funktionen“. Hinter dem Tech-Sprech dieser Aussage verbergen sich eine angepasste neue Fahrweise über die elektronische und elektrotechnische Steuerung sowie eine verbesserte neue Einzelblattausrichtung im Rotor. Dieses Individual Pitch Control (IPC) ist keine gänzlich neue Technik. IPC lässt die Rotorblattstellung zum Wind beständig so individuell ausrichten, dass jeder einzelne der drehenden Windradflügel je nach erreichter Position im großen Windfeld mit seinen vielen verschiedenen Strömungsverhältnissen den besten Auftrieb erhält. Als bester Auftrieb gilt ein Mix aus möglichst hohem Rotationstempo und begrenzter Lasteinwirkung von materialermüdenden Luftturbulenzen. Die Verbesserung beim IPC hätten die Enercon Entwickler so erreicht, sagt Firmensprecher Alexander Hesse: durch Anpassungen oder Innovationen „in der technischen Gesamtintegration, (im)  Zusammenspiel mit anderen Systemen und der individuellen Performance“.

Gemäß dem noch im August 2025 aktualisierten offiziellen Datenblatt zur Turbine hatten Ingenieure und Vertrieb des Unternehmens die 7,0-MW-Variante der E-175 bei einem guten süddeutschen Standort mit einem Wind im Jahresmittel von 6,5 Meter pro Sekunde zunächst eine Jahreserzeugung von grob gepeilt bis zu 21,5 Gigawattstunden (GWh) angenommen. Mit 5,5 Prozent Mehrerzeugung beliefe sich der als sogenannter AEP ausgewiesene Wert also auf künftig gut 22,5 GWh. Die damit erreichte rechnerische Auslastung entspräche somit möglicherweise bis zu 3.250 Volllaststunden beziehungsweise einem Kapazitätsfaktor von klar über 35 Prozent. Das entspräche einer Auslastung sogar am oberen Rand der aktuell von manchem Windparkprojektierer angenommenen Fähigkeiten moderner Anlagen der 7-MW-Klasse.

Eine andere nachträgliche Höhereinstellung der Ertragsfähigkeit eines Windturbinentyps hatte Enercon bereits beim Vorgängermodell E-160 mit 5,56 MW und für die Anfangsvariante der E-175 mit 6 MW betrieben. Das Modell E-175 EP5 E1, noch mit einem technologisch weniger fortgeschrittenen anderen Generator ausgestattet, hatte Enercon 2022 als Nachfolgemodell für die E-160 angekündigt und dessen Prototyp im August 2024 errichtet. Im September 2025, noch rund ein Jahr später, führte Enercon eine neue Betriebsstrategie der Anlage ein, die 5,0 Prozent Mehrertrag einbringen soll. Hierbei setzt Enercon allerdings auf eine Nennleistungserhöhung auf 6,3 MW. Denn im Unterschied zu der jetzt vorgenommenen technischen Modernisierung hatten die Ostfriesen bei ihrer E1-Variante die Steuerung so eingerichtet, dass sie in geeigneten Windfeldern und bei passender Betriebsstrategie der Betreiber die Leistungsreserven in Generator und Rotor oder Turbinenstruktur mehr ausreizt.