An dieser 2-MW-Turbine soll das neue Verfahren erprobt werden.
Foto: Universität Rostock / János Zierath

Wie lange läuft die Alte noch?

Uni Rostock forscht an Lebensdauerprognose für Turbinen

Neues Verfahren soll helfen, strukturelle Reserven von Windenergieanlagen für den Weiterbetrieb auszunutzen.

Katharina Wolf

Wer nach 20 Jahren EEG-Vergütung seine Windenergieanlage weiterbetreiben will, muss vor allem eines wissen: Wie lange läuft die Mühle noch? Gerade Turbinen aus der Ur- und Frühgeschichte der modernen Windenergienutzung weisen oft Materialreserven auf, die einen längeren, sicheren und wirtschaftlichen Weiterbetrieb ermöglichen. Bisher fehlte zur Ermittlung der Material-Ermüdung im Betrieb allerdings die nötige Messtechnik, um den Verschleiß richtig einschätzen zu können.

Hier setzt ein neues Forschungsprojekt der Universität Rostock ein. DynAWind² soll zur genaueren Lebensdauervorhersage von Windenergieanlagen beitragen. Die Wissenschaftler und Projektpartner W2E Wind to Energy wollen ein elektronisches Überwachungsverfahren entwickeln, das es ermöglicht, diese strukturellen Reserven auszunutzen. Bis 2021 soll es zur Marktreife gebracht werden.

Verfahren wird an Prototypen getestet

Die Universität Rostock besitze mit seinen Lehrstühlen für Strukturmechanik und Technische Mechanik/Dynamik umfangreiche Kompetenzen auf den Gebieten der Ermüdungsfestigkeit und der dynamischen Analyse großer, hoch belasteter Strukturen, heißt es in einer Presseinformation der Hochschule. W2E bringe in das Projekt seine umfassenden Erfahrungen im Entwurf innovativer Windenergieanlagen ein und stelle die Prototypanlage für die geplanten experimentellen Untersuchungen zur Verfügung. Das Langzeitverhalten der aus Verbundwerkstoffen gefertigten Rotorblätter untersucht der Berliner Blattentwickler Windnovation.

Ergebnisse sollen auch die Entwicklung moderner Rotorblätter einfließen

„Für uns als Blattentwickler ist die Kenntnis der tatsächlich auftretenden Beanspruchungen der Rotorblätter von sehr hohem Nutzen für die Verbesserung unserer Auslegungsmethoden“, sagt Dr. Roland Stoer, der Geschäftsführer von Windnovation, „deshalb waren wir sofort Feuer und Flamme für dieses Vorhaben.“ Torsten Schütt, Geschäftsführer von W2E, lobt die enge Zusammenarbeit mit der Universität Rostock als großen Gewinn für die Entwicklung hochmoderner Technologien. So sei Windnovation der erste Windenergieanlagenentwickler, der moderne Inertialmesstechnik auf seinen Anlagen eingesetzt habe. Mit dieser Messtechnik ist es möglich, translatorische und rotatorische Schwingungen der Windenergieanlage um alle drei Raumachsen mit nur einem Sensor zu erfassen.

Das neue Forschungsvorhaben startete am 1. Januar 2019. Das Vorhaben wird durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie bis Ende 2021 mit knapp 1,9 Millionen Euro gefördert. Davon erhält die Universität Rostock mit mehr als einer Million Euro den größten Anteil.

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