Foto: Timbertower

Holz als Baumaterial

Vattenfall setzt auf Holztürme in der Onshore-Windkraft

Vattenfall will für Windkraftanlagen Holztürme einsetzen, um Kosten und CO2 zu sparen. Derweil steht der einzige deutsche Holzturm seit 2013 nahe Hannover.

Inhaltsverzeichnis

Nicole Weinhold

Das Thema an sich ist keine enorme Überraschung mehr: Vattenfall will Holztürme für Windkraftanlagen bauen lassen. Immerhin hatte die Firma Timbertower bereits Ende 2012 eine Vensys Windturbine mit 2,5 Megawatt nahe Hannover mit einem Holzturm ausgestattet - und die Anlage weist bis heute keine Ermüdungserscheinungen auf.

Was ist nun der Antrieb für den Energiekonzern Vattenfall, die Idee wieder hervorzuholen? “Während ihres Lebenszyklus verursachen die bestehenden Windturbinen geringe Mengen an klimaschädlichen Emissionen”, sagt Daniel Gustafsson, der bei Vattenfall für die Entwicklung der Onshore-Windenergieerzeugung in Schweden zuständig ist. “Wir wollen diese Werte nun noch weiter senken. Wir haben erkannt, dass Holztürme ein Teil unserer Lösung zur Reduzierung unseres CO2-Fußabdrucks sein und somit unsere Arbeit ergänzen können, wie wir es beispielsweise bereits mit dem fossilfreien Stahl machen.“

Kohlendioxidemissionen der Herstellung deutlich reduzieren

Etwa ein Viertel der bei der Herstellung der Windenergieanlagen anfallenden Klimaauswirkungen sind laut Vattenfall dem Turm zuzuschreiben, der normalerweise aus Stahl und manchmal aus Beton gefertigt ist. Auch in der Zukunft wird Stahl in vielen Teilen von Windenergieanlagen eingesetzt werden, allerdings könnten Holztürme eine wichtige Ergänzung dazu werden. Durch Bau und Einsatz von Holztürmen lassen sich die Kohlendioxidemissionen der Herstellung deutlich reduzieren, während gleichzeitig das Kohlendioxid, das während des Wachstums des Baums von diesem absorbiert wurde, ebenfalls im Holzturm gespeichert bleibt. Darüber hinaus werde laut dem Energiekonzern zertifiziertes und nachhaltiges Holz verwendet, was unter anderem bedeutet, dass neue Bäume gepflanzt werden.

Senkung der Kosten

Die Firma Modvion und Vattenfall haben eine Absichtserklärung mit dem Ziel unterzeichnet, ein Geschäftsentwicklungsprojekt zur Bewertung der Gebäudetechnologie und der Kommerzialisierung durchzuführen, in dessen Rahmen Holztürme an Vattenfall geliefert werden sollen. Das schwedische Holztechnologie-Unternehmen Modvion entwickelt anspruchsvolle Designs aus laminiertem Holz, der „Kohlefaser der Natur“, für großmaßstäbliche Anwendungen. Holzkonstruktionen ermöglichen radikale Emissionsreduktionen, da emissionsintensive Materialien wie Stahl und Beton ersetzt werden können. Das Portfolio von Vattenfall verfügt über ein offenes Potenzial von 5.000 MW für Onshore-Projekte, die sich in verschiedenen Märkten in der Entwicklung oder im Bauprozess befinden. „Wir glauben, dass der Bau von Holztürmen große Vorteile bringt, nicht nur für das Klima, sondern auch für die Senkung der Kosten von neuen Anlagen für die Stromerzeugung aus erneuerbaren Quellen“, sagt Daniel Gustafsson.

Vorteile von Holztürme

Holztürme haben eine modulare Konstruktion, die vor Ort zusammengebaut wird. Dies modulare Konzept in Verbindung mit dem geringeren Gewicht des Holzes ermöglicht den Bau von höheren Türmen, wobei normale Straßen für den Transport genutzt werden können. Im April hat Modvion in Björkö bei Göteborg den ersten hölzernen Turm, der 30 Meter hoch ist, errichtet. Erst 2022 wird allerdings der erste kommerziell nutzbare Turm gebaut werden.

Timbertower

Und Timbertower? Von der Firma ist nichts mehr zu hören, seit die beiden Gründer Georg Prass und Holger Giebel das Unternehmen 2015 verlassen haben. Neuer geschäftsführender Hauptgesellschafter wurde Edwin Kohl, der zusammen mit Jeroen Haberland das Geschäft leiten sollte. Sie sind auch Geschäftsführer der Impulsus Clean Technologies GmbH, einem Startup aus Saarbrücken, von dem aber auch nichts mehr zu hören ist. Eigentlich sollte es 2015 weitere Holzturmhybride mit Vensys geben. Dazu ist es aber offenbar nicht gekommen. Die Idee vom Holzturm muss gleichwohl nicht schlecht sein, zumal wenn sich ein großes Unternehmen der Sache annimmt.

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