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Weltmarktführer restrukturiert

Vestas: Europachef entlassen

Der Weltmarktführer der Windturbinenbauer will sein Geschäft in Zentraleuropa künftig mit Thomas Richterich ausbauen, dem Ex-Chef von Wettbewerber Nordex.

Inhaltsverzeichnis

Denny Gille

Der Weltmarktführer unter den Turbinenherstellern will sein Geschäft in Zentraleuropa künftig ohne den bisherigen Präsidenten Wolfgang Schmitz ausbauen. Zeitweilig soll Thomas Richterich, ehemaliger Vorstandsvorsitzender des Turbinenherstellers Nordex SE, seinen Posten übernehmen. Auch Udo Noebel, Leiter des Servicegeschäfts von Vestas in Deutschland, verlässt das Unternehmen.

Die Personalentscheidung sei im Zuge der derzeitigen Restrukturierung des Unternehmens gefallen, schreibt Vestas als einzigen Grund in einer Erklärung. „Zurzeit können wir nicht mehr kommunizieren“, sagt Christina Buttler, Sprecherin von Vestas Central Europe, auf Anfrage. Wolfgang Schmitz wurde erst im Februar 2012 mit der Leitung von Vestas Central Europe betraut. Zuvor war er in der dänischen Unternehmenszentrale für die Qualitätssicherung zuständig. Er folgte im Personalkarussel des Unternehmens Anfang 2012 auf Hans Jörn Rieks, der den geräumten Posten der Offshore-Division besetzte.

Thomas Richterich übernimmt

Nun schiebt Vestas das Karussel neu an: Mit sofortiger Wirkung übernimmt Thomas Richterich die Aufgaben von Schmitz. Er soll die Geschäfte fortführen, bis ein dauerhafter Ersatz für Schmitz gefunden ist. Richterich war zwischen 2002 und Februar 2012 beim Hamburger Anlagenhersteller Nordex tätig. Zunächst verantwortete er als Finanzvorstand die wirtschaftliche Stabilisierung des Herstellers, später leitete er das Unternehmen bis zu seinem ausscheiden – er verlängerte seinen Vertrag nicht – als Vorstandsvorsitzender. Für den Zeitraum zwischen Februar 2012 und seiner neuen Berufung beim Weltmarktführer sind keine Unternehmenstätigkeiten bekannt.

Mit der vorübergehenden Unterstützung von Richterich bereiten die Dänen nun die Neuausrichtung des Geschäftsbereichs Zentraleuropa vor. „Die derzeitige Situation in der Windindustrie und in den globalen Märkten erfordert es, dass Vestas einen anderen strategischen Ansatz für diesen Markt verfolgt. Daher werden wir uns zukünftig verstärkt auf geeignete, zweckbestimmte Vertriebsaktivitäten in dieser Region konzentrieren“, begründet Juan Araluce, Verkaufsleiter der dänischen Muttergesellschaft, die Personaländerung. Informationen über den geplanten Strategiewechsel und die künftige Neuausrichtung sollen zu gegebener Zeit folgen, heißt es auf Anfrage.

Solide Verkaufszahlen in Europa

Die Zahlen des letzten Quartals beim Weltmarktführer zeigen dabei keinen zwingenden Grund für einen drastischen Strategiewechsel: Die ausgelieferten Turbinen an die Kunden lagen in Europa und dem Schwellenmarkt Afrika bei knapp 650 Megawatt – das beste Quartal des Jahres. Den reinen Versand (Shipment) beziffert das Unternehmen für diese Regionen gar auf über ein Gigawatt im dritten Quartal: ein Rekord gegenüber den Quartalen der letzten zwei Jahre – und weit mehr als in Asien und Amerika.

Neben Schmitz verlässt auch Udo Noebel das Unternehmen. Noebel leitete bis zuletzt das Servicegeschäft des deutschen Marktes bei Vestas. Sein Posten wird zunächst unbesetzt bleiben, bis ein Ersatz gefunden ist, heißt es auf Anfrage. Der Service zählt im Windgeschäft zu den sichersten Einnahmequellen, da er anders als die Turbineninstallationen von Schwankungen und Einbrüchen einzelner Windmärkte weitgehend unangetastet bleibt. Allein im dritten Quartal 2012 machte Vestas mit dem Service 233 Millionen Euro Umsatz: 46 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Der vertraglich gesicherte Umsatz der nächsten Jahre beläuft sich in diesem Geschäftsfeld auf 4,9 Milliarden Euro – 100 Millionen mehr als noch im zweiten Quartal.

Mitarbeiterzahl geht auf 16.000 zurück

Mit der 2012 eingeleiteten Restrukturierung wird Vestas die globale Mitarbeiterzahl bis Ende 2013 auf 16.000 reduzieren. Verglichen mit der Personalstärke von 2011 bedeutet das einen Verlust von 6.700 Mitarbeitern.

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