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Fachaufsatz

Vor welcher Herausforderung steht die Industrie?

Die Energie-Sektoren Wärme und Verkehr werden in der aktuellen Debatte über Klimawandel und Energiewende kaum erwähnt. Ein Fachaufsatz - Teil 2.

Jürgen Peterseim, Marco Wisniewski

Der effiziente Umgang mit Energie wird in Deutschland seit langem im privaten, gewerblichen und industriellen Bereich gelebt. Nicht umsonst ist Deutschland 2016 erneut vom American Council for an Energy-Efficient Economy zur energieeffizientesten Volkswirtschaft der Welt gekürt worden. Diesen Vorsprung gilt es zu halten, um lokale Industrien gegenüber dem globalen Wettbewerb erfolgreich bestehen zu lassen und um Technologieexporte zu stärken.

Die Herausforderungen zum Erreichen der deutschen und globalen Klimaziele sind trotzdem beträchtlich, da diverse Industriezweige sehr energie- und damit auch CO2-intensiv sind, z.B. die Metall-, Chemie-, Glas, Papier- und Baustoffindustrie. Manche Industriezweige wie Stahl und Papier haben die Emissionen gesenkt, in anderen wie Chemie und Nichteisenmetallurgie stiegen die Emissionen.

CO2-frei produzieren

Die deutsche Industrie ist ein heterogenes Gebilde mit den unterschiedlichsten Branchen. Dementsprechend unterschiedlich ist die Energie- und CO2-intensität der dazu gehörenden Industrieprozesse. So sind viele Industrieanlagen äußerst komplex aufgebaut, benötigen hohe Verfügbarkeiten und sind kapitalintensive sowie langfristige Investitionen. Bei Kraftwerken, Hochöfen und Chemieanlagen sind Laufzeiten von bis zu 50 Jahren nicht ungewöhnlich. Dies bedeutet, dass Anlagen die gerade gebaut werden noch in der geplanten Betriebszeit nahezu CO2 frei produzieren müssen. Zukünftige Umbauten sind daher sicher, eine Herausforderung bei derzeitig erwarteten Amortisationszeiten von wenigen Jahren. In diesem Kontext ist die Implementierung von erforderlichen Innovationen ein technisches und kommerzielles Risiko. Andererseits ist das weitere Abwarten ebenfalls ein beträchtliches Risiko, denn die Entwicklung und Implementierung technischer Lösungen sind nicht über Nacht realisierbar. Den Vorsprung frühzeitig agierender Konkurrenten einzuholen ist daher kompliziert.

Das wesentliche Instrument zur Reduzierung von CO2-Emissionen, und damit der Treiber einer grünen Industrie, ist der europäische Handel mit CO2-Zertifikaten. Wirtschaftswissenschaftlich führt die Verknappung der verfügbaren Zertifikate über einen definierten Zeitraum zu Preissteigerungen. Diese haben sich in diesem Jahr, aufgrund der für 2019 angekündigten Reduktion der verfügbaren Zertifikate, bereits gezeigt. Lag der CO2-Preis in den letzten Jahren stetig unter 10€/Tonne stieg er in den letzten Monaten auf über 20€/Tonne. Der CO2-Preis wird wahrscheinlich weiter steigen, denn in der 4. Emissionshandelsperiode von 2021-2030 werden größere Energieverbraucher weniger Zertifikate gratis bekommen als bisher. Auch die bislang geschützten Unternehmen aus den energieintensiven Branchen, wie Stahl oder Chemie, werden dann bis zu einem Drittel ihres CO2-Ausstoßes bezahlen müssen. Wie in diesem Jahr erfahren, können CO2 Emissionen kurzfristig zu einem relevanten Kostenblock werden, der das Betriebsergebnis spürbar belastet. Demzufolge ist das Risiko über Energie- und Emissionskosten wettbewerbsunfähig zu werden real. Kurzfristig können Unternehmen zwar durch Vertragsneuverhandlungen einen Teil der Energiekosten vorübergehend senken, aber mittel und langfristig sind signifikante Emissionsreduktionen nur über technologische Neuerungen möglich.

Möglichkeiten zur Realisierung der Energiewende

In vielen Industriebranchen ist das Preissignal des CO2-Handels anscheinend angekommen. Der Handlungsdruck steigt. Im deutschen aber auch internationalen Markt kann man die üblichen schrittweisen, aber auch erste radikale Innovationen, sprich echte technologische Neuentwicklungen, sehen. So entwickelt die Stahlindustrie derzeit Methoden zum Ersatz der alten Kokskohle-Hochöfen durch Direktreduktion mit Wasserstoff. Bis zur industriellen Einsatzreife derartiger Neuentwicklungen können durchaus 20 Jahre vergehen, und daher ist wichtig jetzt zu beginnen und parallel schrittweise Innovationen zur implementieren.

Um die zukünftig erforderlichen signifikanten Emissionsreduktionen zu erreichen, gibt es verschiedene Optionen die parallele voranzutreiben sind. (Ende Teil 2 - morgen erscheint der 3. Teil)

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