Foto: Nordex Group

Transaktion XXL

2,7 Gigawatt für 402 Millionen Euro

Nordex verkauft sein europäisches Projektportfolio mit 2,7 Gigawatt an RWE. Was steckt dahinter?

Inhaltsverzeichnis

Nicole Weinhold

Die Nordex Group will ihre Kapitalstruktur stärken und plant deshalb den Verkauf des europäischen Projektportfolios an den Energieriesen RWE. Es geht dabei um Windparkprojekte mit zusammen 2,7 GW in Frankreich, Spanien, Schweden und Polen. Die Nordex Group erhofft sich einen Zufluss an Barmitteln in Höhe von 402,5 Millionen Euro vor Abzug üblicher Gebühren, Steuern etc.

Die Anleger zeigte sich begeistert von der Aussicht auf Geld für Nordex Kassen. Der Aktienkurs des Windturbinenherstellers schnellte am Vormittag des 3. August um fast 19 Prozent auf gut zehn Euro nach oben und ließ damit alle anderen Aktien im SDax der kleineren Börsentitel hinter sich. Analysten bemerkten, dass Nordex aus Investorensicht ein eher kleines Unternehmen ist, dessen Liquidität oft Sorgen bereitet. Mit dem Erlös aus dem Verkauf sei diese auf kurze Sicht ausgeräumt.

Zudem hatte Nordex gerade die Verkaufszahlen für das zweite Quartal bekannt gegeben. Auch hier sieht es trotz Corona einigermaßen gut aus: Im Zeitraum von April bis Juni bestellten Kunden 217 Windenergieanlagen für Projekte mit einer Leistung von zusammen 888,0 Megawatt (MW) (Q2 2019: 2.003,3 MW). Der feste Auftragseingang im Bereich Projekte (ohne Servicegeschäft) erreichte damit im ersten Halbjahr 2020 ein Volumen von 2.531,9 MW (H1 2019: 3.038,4 MW). Der Auftragseingang im zweiten Quartal 2020 entfiel zu 83 Prozent auf Europa, wozu auch Großprojekte in Spanien und Irland beitrugen. Weitere Aufträge kamen aus Brasilien (Region Lateinamerika: 17 Prozent).

402,5 Millionen Euro

Da das Interesse von Investoren an Projekten, die sich in der Entwicklung befinden, derzeit hoch ist, hat sich die Nordex Group nach eigenen Angaben entschieden, die Wertschöpfung aus einem Teil ihres eigenentwickelten Projektportfolios mit einer einzigen Transaktion zu beschleunigen. So hat Nordex den Verkauf dieses Geschäfts an den deutschen Energieversorger RWE eingetütet. Die geplante Transaktion betrifft eigenentwickelte Projekte mit 2,7 GW. Mit rund 1,8 GW liegt der Fokus auf Windenergieprojekten verschiedener Reifestufen in Frankreich. Das Portfolio in Frankreich umfasst auch Photovoltaik-Projekte im Volumen von 0,1 GW. Die Nordex Group als potenzielle Verkäuferin und RWE haben einen entsprechenden Vertrag über eine Verkaufsoption unterzeichnet. Der Kaufpreis beträgt rund 402,5 Millionen Euro.

„Wir sind unserem Projektentwicklungsteam dankbar, dass es diesen Erfolg ermöglicht hat, und wir haben volles Vertrauen, dass das Team seine Erfolgsgeschichte mit RWE fortsetzen wird", kommentiert José Luis Blanco, CEO der Nordex Group. „Die erwarteten hohen Erlöse aus dieser Transaktion würden entsprechend unsere Bilanz stärken, während wir weiterhin unser starkes Auftragsbuch ausweiten und Marktchancen mit unserem Delta 4000-Produktportfolio nutzen", fügt er hinzu.

Abschied vom französischen Portfolio

Hintergrund: Nordex hat in einigen Märkten ein eigenes Portfolio von Windparkprojekten aufgebaut. Die Projekte werden dann an Kunden oder Investoren weiterverkauft. Unter attraktiven Marktbedingungen hat die Nordex Group bereits in der Vergangenheit Teile ihrer eigenentwickelten Projekte verkauft. Die Nordex Group wird in anderen Märkten ihre Projektentwicklung weiter fortsetzen.

Vor dem Vollzug der Transaktion ist noch ein Abstimmungsprozess mit der Arbeitnehmervertretung in Frankreich durchzuführen. Der Vollzug der Transaktion ist zudem davon abhängig, dass entsprechende Genehmigungen der für die Außenwirtschaftskontrolle zuständigen Behörden in Frankreich vorliegen und übliche - und für die Transaktion erforderliche - Carve-out-Prozesse abgeschlossen sind. Es wird erwartet, dass der Vollzug im 4. Quartal 2020 erfolgen kann. Rothschild & Co fungierte als exklusiver Finanzberater der Nordex Group.

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