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GWEC: 117 Gigawatt neue Windkraft weltweit – dank nur acht Gewinnern

Mit einem gewaltigen Sprung hat es der Windenergieweltmarkt im vergangenen Jahr wieder in seinen vorigen Wachstumspfad zurückgeschafft. Wie der Weltwindenergierat GWEC am Dienstag in Brüssel anhand seiner neuen Bilanz offenlegte, schlossen die Installationsteams der Branchenfirmen 2023 rund 51 Prozent mehr Erzeugungskapazität neu ans Netz an als ein Jahr zuvor. Statt 68,8 Gigawatt (GW) neue Nennleistung wie noch 2022 betrug der globale Onshore-Windkraftausbau im vergangenen Jahr knapp 105,8 GW. Zusätzlich zu diesem Plus von 37 GW verzeichnet GWEC einen 2-GW-Zuwachs bei den Offshore-Windparks. So stellten die Installateure im Meer neue Turbinen mit 10,9 GW fertig – im Vergleich zu 8,8 GW im Jahr davor hinzugekommenen Offshore-Kapazitäten. Auch On- und Offshore zusammengerechnet ergibt sich hieraus eine Beschleunigung des globalen Ausbautempos vom einen Jahr auf das andere um rund 50 Prozent.

Dadurch erreichte der Windenergiemarkt wieder die langfristige zusammengesetzte jährliche Wachstumsrate von rund acht Prozent – international: Compound Annual Growth Rate (CAGR). Acht Prozent nämlich legt der Markt rechnerisch im Mittel jährlich zu, seit 2009 das gleichmäßig exponentielle Wachstum der Anfangsjahre der modernen Windkraft endete. Seit 2010 ist die Wachstumskurve des Windenergieweltmarkts von starken konjunkturellen Berg- und Talfahrten geprägt.

Auch ausgehend vom vorangegangenen Spitzenjahr 2020 mit damals 95,3 GW Zubau beträgt der rechnerische jährliche Zuwachs des Welt-Windenergiemarktes zwischen 2020 und 2023 rund 8 Prozent. Um das von 132 Ländern weltweit geteilte Ziel eines Ausbaus der Stromerzeugungskapazitäten von Erneuerbare-Energien-Anlagen auf das Dreifache bis 2030 zu erreichen, wäre aber eine fast doppelt so starke jährliche Zunahme des globalen Windkraftzubaus notwendig, um gut 15 Prozent, wie GWEC in einer Grafik andeutet. Allerdings erwartet die Organisation für den nächsten Fünfjahreszeitraum bis 2028 nur ein CAGR von 9,4 Prozent.

Dass der Markt nach den Einbruchsjahren 2021 und 2022 überhaupt wieder stark angezogen hat, ist im Wesentlichen einem Länder-Septett um China zu verdanken. 2021 hatten zuerst die Corona-Seuchenschutzmaßnahmen die Bewegungsfähigkeit von Waren und Personal sowie dann auch angesichts geschlossener Fabriken in China die Herstellung wichtiger Elektronik- oder Elektrikbauteile gestört. 2022 unterbrach der Krieg die Lieferströme von Rohstoffen und Vorprodukten aus den beiden kriegsbeteiligten Länder. Und einhergehende krisen- und spannungsbedingte Korrekturen vieler Staaten weltweit an ihrer Energiepolitik verunsicherten wohl die Investoren.

2023 ging es nun dank der Chinesen sowie weiterer sieben Windenergieländer wieder kräftig aufwärts: Insbesondere China steigerte das Tempo durch ein Plus von 38 GW im Vergleich zu 2022, was im Zwölf-Monats-Zeitraum zu neu fertiggestellten Windparks mit 69,3 GW Onshore- und 6,3 GW Offshore-Kapazitäten führte. Deutschland legte mit einem Plus von 1,1 GW im Vergleich zu 2022 auf 3,8 GW On- und Offshore-Zubau am drittmeisten zu – knapp hinter den Niederlanden (plus 1,2 GW auf 2,5 GW). Die weiteren Länder dahinter mit ähnlichen Zugewinnen sind 2023 Indien (plus 1,0 GW auf 2,8 GW), Brasilien (plus 0,8 GW auf 4,8 GW), Vietnam (plus 0,8 auf 0,8 GW), Kanada (plus 0,7 auf 1,7 GW) – sowie in der Windkraft bisher weniger bedeutende „übrige asiatisch-pazifische Länder“ (plus 0,8 auf 0,9 GW). Hätten nicht andere, auch wichtige Windkraftländer im vergangenen Jahr an Marktvolumen zugleich eingebüßt, hätte aber alleine China für den Weltmarktzuwachs des Jahres 2023 genügt.

Die stärksten Windenergieausbauländer mit rückläufigem Zubau waren die USA mit 6,4 GW an Land im Vergleich zu 8,6 GW im Vorjahr, Australien mit 942 Megawatt (MW) nach 1,4 GW im Vorjahr – außerdem noch in Europa Schweden, Frankreich sowie gleichauf Großbritannien und Finnland mit 2,0 GW, 1,8 GW – sowie jeweils 1,3 GW. Diese vier europäischen Länder verzeichneten Rückgänge zwischen 0,2 (Frankreich) und 1,1 GW (Finnland).

Die starke Konzentration des Großteils der Installationen auf sehr wenige Länder registriert GWEC mit Bedauern. Alleine die Top-Fünf-Märkte China, USA, Brasilien, Deutschland und Indien hätten 82 Prozent der mit den weltweiten Turbinenerrichtungen des vorigen Jahres frisch ans Netz gegangenen Erzeugungskapazität auf sich vereint, notierte Feng Zhao, der Leiter für Strategie und Marktintelligenz bei GWEC. Damit habe sich die Konzentration noch einmal um neun Prozentpunkte verglichen mit 2022 erhöht.

Immerhin kann der GWEC-Report auch auf einige zuletzt nicht so verlässliche Windkraft-Ausbauländer verweisen, in denen sich dank sehr konkreter kurzfristiger Zubauzeitpläne ein starker Windkraftausbau vorerst verstetigen dürfte. In Australien sind von nun an bis 2030 jährliche Neuerrichtungen an Land von im Mittel zwei GW zu erwarten. Für Indien kalkuliert GWEC einen jährlichen Zubau im Durchschnitt bis 2028 von rund 4,5 GW. Für Saudi-Arabien verweist die Organisation auf Pläne zur Installation von rund 2,8 GW innerhalb der nächsten drei Jahre. Und für Vietnam zählen die GWEC-Experten auf den zunächst geplanten Zubau weiterer 17 GW in Windparks an Land bis 2030, wo bisher 5 GW am Netz sind. Zusätzlichen nennenswerten Ausbau der Offshore-Windkraft in Vietnam erwartet GWEC offenbar nicht mehr vor 2030.

Ebenfalls sehr weitreichende Pläne, jeweils überwiegend für Offshore-Kapazitäten, attestiert GWEC den drei asiatischen Ländern Japan, Philippinen und Südkorea. Allerdings sind diese Pläne offenbar weniger konkret.  

Als zentrale Voraussetzung aber für weiteres Wachstum des Weltwindenergiemarktes sieht GWEC die Eindämmung heutiger Kriege und bewaffneter Konflikte sowie von Handelsstreitigkeiten an. So hat der Weltwindenergierat vier Szenarien für unterschiedlich verlaufende Konfliktdynamiken durchgerechnet. Kommt es im besten Fall zu einer breiten internationalen Zusammenarbeit, mit hoher Freizügigkeit der Waren und einer Vielfalt am Markt teilnehmender und preislich im Wettbewerb stehender Regionen, wird gemäß diesem Open-Door-Szenario der Windpark-Installationsmmarkt bis 2030 auf mehr als das Doppelte zunehmen. Kommt es im schlimmsten Fall zum Global-Escalation-Szenario, könnte der jährliche Zubau bis 2030 aber auch um 49 Prozent geringer ausfallen als in diesem Open-Door-Fall – was einer Stagnation des Marktes auf dem aktuellen Zubauniveau gleichkäme. Gewinnmargen der Hersteller würden im Offene-Tür-Bestszenario ebenfalls deutlich zunehmen, macht GWEC an einem Schaubild klar, ohne aber Zahlen zu nennen. Im Globalen-Eskalations-Szenario verliefe die Entwicklung der Margen dagegen spiegelbildlich negativ. Die gewichteten Stromgestehungskosten über die gesamte Laufzeit eines Windparks hinweg gehen in GWEC´s Offene-Türen-Welt bis 2030 um 15 Prozent zurück. Bei anhaltender oder eher noch verschärfter globaler Eskalation wird die Windstromerzeugung laut Szenario um mehr als zehn Prozent teurer.

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