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Umweltschutz

Angst vor Klimawandel und Kampf um Feuerwerk

Für 26 Prozent der Deutschen gehört der Klimawandel laut einer Langzeitstudie inzwischen zu den besorgniserregendsten Ereignissen. Was haben Feuerwerke damit zutun?

Inhaltsverzeichnis

Nicole Weinhold

Für mehr als jeden vierten Deutschen - 26 Prozent - gehört der Klimawandel inzwischen sogar zu den besorgniserregendsten Themen im eigenen Land. Das ist das Ergebnis der Langzeitstudie "What worries the World" des Markt- und Meinungsforschungsinstituts Ipsos, die monatlich in 28 Ländern durchgeführt wird. Lediglich in Kanada fürchten sich noch mehr Menschen - 29 Prozent - vor den Folgen des Klimawandels als bei uns. Auf Platz eins der größten Ängste der Deutschen rangieren jedoch nach wie vor die Themen Armut und soziale Ungleichheit mit 47 Prozent, gefolgt von Einwanderung mit 34 Prozent sowie Kriminalität und Gewalt mit 30 Prozent.

Klimawandel finden jetzt Doppeltsoviele besorgniserregend wie 2017

Betrachtet man allerdings die langfristige Entwicklung im Zeitverlauf, lässt sich ein eindeutiger Trend ablesen: Klimaveränderungen werden hierzulande immer häufiger als ernstzunehmende Bedrohung wahrgenommen, während Themen der inneren Sicherheit tendenziell von immer weniger Bürgern als prioritäre Probleme angesehen werden. Innerhalb von nur zwei Jahren hat sich in Deutschland der Anteil derer, die den Klimawandel als besonders besorgniserregend einstufen, schlagartig verdoppelt von 13 Prozent in 2017 auf 26 Prozent in 2019.

Auch in Sachen Umweltschutz ist das Problembewusstsein der Deutschen in letzter Zeit stark angestiegen: Im Mai 2017 sorgte sich lediglich jeder zehnte Bundesbürger vor den Folgen der Umweltverschmutzung, zwei Jahre später tut dies beinahe jeder Vierte. Nur die Chinesen fürchten sich mit 41 Prozent noch mehr vor der Zerstörung der Umwelt als die Deutschen.

Arbeitslosigkeit und Korruption weltweit wichtigste Themen

Vergleicht man die Ängste der Deutschen mit den weltweit am meisten genannten Sorgen, so lassen sich teils drastische Unterschiede konstatieren. Weltweit fürchtet sich beispielsweise jeder dritte Bürger (33%) vor Arbeitslosigkeit oder bemängelt finanzielle und politische Korruption (31%). Jeder Vierte (25%) sorgt sich zudem um das Gesundheitswesen im eigenen Land. In Deutschland werden diese Themen nur von jedem zehnten Befragten als besonders dringliche Probleme eingestuft. In keinem anderen Land sorgen sich die Menschen so wenig vor Arbeitslosigkeit (10%) und Korruption (8%) wie bei uns.

Im Gegenzug werden der Klimawandel (13%) und die Folgen der Umweltverschmutzung (13%) im weltweiten Durchschnitt noch vergleichsweise selten als schwerwiegende Bedrohung eingestuft.

Neben Deutschland darf in kaum einem Land privat geböllert werden

Allerdings klaffen in Deutschland auch oftmals Denken und Handeln weit auseinander. So hatte ein Dena-Monitoring gerade gezeigt, dass die Deutschen 2018 sich bei der Anschaffung von Neuwagen am häufigsten für die schmutzigsten Modelle - Geländewagen und SUV - entschieden haben. Deutschland ist auch das einzige erwähnenswerte Land, das kein Tempolimit auf Autobahnen hat. Und: Es gibt neben Deutschland kaum ein Land, in dem private Feuerwerke zu Silvester erlaubt sind. Entsprechend wird in Deutschland deutlich mehr geböllert.

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) hat bei 31 Städten "formelle Anträge" zum Verbot beziehungsweise zur Beschränkung der Silvester-Böllerei als wichtige Einzelmaßnahme für die Luftreinhaltung gestellt. Die "formellen Anträge" richten sich an die Städte, in denen die DUH Rechtsverfahren zur „Sauberen Luft“ führt und deren innerstädtische Luft mit einer Feinstaubbelastung von mindestens 20 µg/m3 belastet ist. Ob die DUH tatsächlich "formelle Anträge" stellen kann, ist zwar fraglich. Unterdessen haben die "Anträge" bei eine Reihe von Bürgermeistern als Anregung gefruchtet. So hat sich der Siegburgs Bürgermeister Franz Huhn an Bundesinnenminister Horst Seehofer gewandt und um gesetzgeberische Unterstützung gebeten.

Aus Sicht des Verbandes der pyrotechnischen Industrie (VPI) ist die Faktenlage für die Anträge der Deutschen Umwelthilfe (DUH) zur Beschränkung von Silvesterfeuerwerken in 31 Deutschen Städten zweifelhaft. Die von der DUH in Umlauf gebrachten 5.000 Tonnen Feinstaub zu Silvester entbehrten laut VPI nach dessen Berechnungen jeglicher Grundlage. Der VPI lässt derzeit die genauen Feinstaubmengen prüfen. Er weiß sie also offensichtlich nicht. Während die Deutsche Umwelthilfe im Messen von Feinstaub bewandert ist.

Interessant aber: Der Verband der pyrotechnischen Industrie (VPI) hat gestern in einem Schreiben an die Bürgermeister der 31 von der Deutschen Umwelthilfe (DUH) genannten Städte sowie an den Präsidenten des Deutschen Städtetags, Burkhard Jung, Stellung zu den Ausführungen der Umwelthilfe genommen. Je nachdem wie stark das Lobbying ist, wird weiter privat geböllert. Feinstaub, auf den man verzichten kann.

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