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Auszug aus Deutsche-Umwelthilfe-Plan

6 Empfehlungen für einen erfolgreichen Netzausbau

Das von der Deutschen Umwelthilfe e. V. (DUH) initiierte Forum Netzintegration hat am heutigen 6. Dezember ein umfassenden Plan vorgelegt, nach dem die neue Infrastruktur für eine risikoarme Energieversorgung natur- und sozialverträglich gestaltet werden kann. Wir stellen Ihnen an dieser Stelle einen Auszug von sechs Empfehlungen daraus vor, wie die Akzeptanz beim Netzausbau und damit die der Energiewende insgesamt gestärkt werden kann.

1. Frühzeitige Bürgerbeteiligung

 - Bürger wollen beteiligten werden. An Erneuerbaren - und an Stromleitungen.
Bürger wollen beteiligten werden. An Erneuerbaren - und an Stromleitungen.
Energiekontor

Auf allen Planungsstufen ist eine transparente, nachvollziehbare und frühzeitige Beteiligung und Information der Träger öffentlicher Belange sinnvoll, der Kommunen, der breiten Öffentlichkeit sowie – soweit möglich – der Grundeigentümer. Außerdem eine llare Darstellung der Entscheidungsgrundlagen und Abwägungskriterien Empfehlenswert ist auch eine Bürgerbeteiligung und -information im informellen Verfahren: Intensivierung der informellen Bürgerbeteiligung im gesamten Planungsprozess und Verzahnung mit dem formalen Planverfahren bei klar kommunizierten Regeln (z.B. Alternativen-Dialog zum Szenariorahmen, Bürgerbeteiligung bei der Bundesfachplanung). Wichtig ist auch eine transparente Darstellung, ob und wie Bürgeranliegen und Stellungnahmen in den verschiedenen Planungsstufen ins Verfahren einfließen.

2. Elektromagnetische Felder

In der Diskussion um den Um- und Ausbau der Stromnetze bringen Anwohnerinnen und Anwohner von Hoch- und Höchstspannungsleitungen häufig ihreSorge vorgesundheitlichen Beeinträchtigungen durch niederfrequente elektromagnetische Felder (EM-Felder) rund um Höchstspannungsleitungen zum Ausdruck. Eine intensivere Information und Kommunikation über die Wirkungsweisen und mögliche Gesundheitsrisiken von elektromagnetischen Feldern durch unabhängige Fachleute ist daher wichtig, (z. B. Bundesamt für Strahlenschutz (BfS), Forschungseinrichtungen) Empfehlenswert ist außerdem ein Schutzkonzept: Intensivere Kommunikation und Information vor Ort hinsichtlich des Schutz- und Vorsorgekonzeptes der 26. BImSchV und des zugrunde liegenden Stands der Wissenschaft. Erläuterung der Regelungen für Bestandstrassen und Neubau.

3. Wohnumfeldschutz

Freileitungen beeinflussen das Landschaftsbild und den Wert, den die Landschaft für die lokale Bevölkerung und Besucher hat. Die unterirdische Verlegung neuer Leitungen kann den größten Beitrag zur Entlastung des Landschaftsbilds leisten, hat jedoch ebenfalls Auswirkungen auf Natur und Landschaft. Darüber hinaus können ein optimierter Trassenverlauf, eine sensible Wahl der Maststandorte, Sichtschutzpflanzungen oder auch ein angepasstes Mastdesign helfen, die Landschaftsbildveränderung zu verringern. Der Begriff Wohnumfeldschutz sollte definiert und gesetzlich verankert werden. Leitungen sollten weiter entfernt von Wohnsiedlungen errichten zu können als bisher möglich.

4. Erdkabel

Einige Konfliktfelder beim Um- und Ausbau der nationalen und grenzüberschreitenden Strominfrastruktur ließen sich vermutlich durch den Einsatz von Teilerdkabelabschnitten statt Freileitungen vermeiden oder doch wenigstens deutlich entschärfen. Aber wie viel teure Erdverkabelung wollen und können wir uns leisten? Um diese Frage beantworten zu können, fehlt derzeit vor allem eins: Erfahrung. Empfehlenswert ist daher die zügige Umsetzung der Erdkabel-Pilot-Projekte. Begleitforschung zur Errichtung aller Erdkabel-Pilotstrecken sowohl zu technischen und ökologischen Fragen (Bodenerwärmung etc.) wie auch zur Akzeptanz der Erdkabel-Technologie bei 380-kV-Höchstspannungstrassen.

5. Vogelschutz

Das naturschutzfachlich drängendste Problem beim Bau von Freileitungen ist neben dem Landschaftsbild der Vogelschutz. Hier sind kurzfristig wirksame Lösungen möglich. Um Kollisionen zu verringern, sollten Maßnahmen zur besseren Erkennbarkeit von Leitungen für Vögel ergiffen werden: Markierung der Erdseile und andere bauliche Maßnahmen zur Verringerung des Kollisionsrisikos beim Trassenneubau wie z.B. die Einebenenanordnung. Zügige Schaffung bundesweit einheitlicher Kriterien für sensible Gebiete unter Verwendung vorhandener Datenerhebungen.

6. Finanzielle Beteiligung

Der Aufbau einer regenerativen Energiezukunft wird dann zum Erfolg, wenn er eine breite Basis hat, also viele und vielfältige Akteure aktiver Teil der Transformation werden. Möglicherweise kann die finanzielle Beteiligung von Bürgern an Leitungsbauvorhaben in ihrer direkten Umgebung dazu beitragen, die kommunale und regionale Duldung oder Akzeptanz von Stromleitungen zu verbessern. Daher empfiehlt sich eine Entwicklung und Erprobung von freiwilligen finanziellen Beteiligungsmodellen an Netzausbauvorhaben für Anwohner.