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Gut für Netzstabilität?

Deutschland und Österreich trennen ihre Strommärkte

Seit gestern ist sie Geschichte, die gemeinsame Strompreiszone Deutschland-Österreich. Nach einem Jahr Vorbereitung wurde der gemeinsame Strommarkt getrennt, es gibt keinen unbegrenzten Handel mehr. Der Grund: Zu viel Strom floss aus Deutschland nach Süden ab und verschärfte so das ohnehin existierende Nord-Süd-Gefälle im deutschen Übertragungsnetz.

50 Hertz Stromnetz
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„Allerdings wird der Stromhandel zwischen den traditionell gut integrierten Märkten auch künftig in großem Umfang möglich sein. Das heißt, dass weiterhin mindestens 4.900 Megawatt Stromaustausch, abgesichert durch Langfristkapazitäten, gewährleistet ist“, versichern die jeweiligen Vorstände der Netzaufsichtsbehörden in einer gemeinsamen Erklärung. Je nach Netzsituation kämen kurzfristig noch weitere Kapazitäten dazu. Der Einschränkung des Handels stehe der positive Effekt gegenüber, dass durch diese Maßnahme der Stromhandel an die Netzsituation angepasst werde und damit Energieflüsse für die Übertragungsnetzbetreiber besser beherrschbar werden. Zusätzlich werde die Netzsicherheit beider Länder durch Redispatchleistungen aus österreichischen Kraftwerken unterstützt.

Das klingt harmonischer als die Diskussion um die Trennung der Strommärkte verlief. Die österreichische Behörde E-Control hatte erfolglos Beschwerde gegen das Engpassmanagement eingelegt und auch bezweifelt, dass die Handelsbegrenzung zu Millioneneinsparungen bei Redispatchkosten und Winterreserve in Deutschland führen würde.

Sinken jetzt die Redispatchkosten?

Die deutschen Übertragungsnetzbetreiber erwarten nun eine deutliche Verbesserung der Engpasssituation zwischen Deutschland und Österreich und deshalb auch eine Reduzierung der netzstabilisierenden Maßnahmen. Und nicht nur an dieser Grenze soll es besser werden, sondern auch benachbarte Übertragungsnetze vor allem in Polen und Tschechien würden entlastet. „Dies könnte sich langfristig auch positiv auf die Netzentgelte und damit die Kosten für Stromverbraucher auswirken“, kündigen die vier deutschen Übertragungsnetzbetreiber Tennet, 50 Hertz, Amprion und Transnet BW an.

Die Netzwächter reagieren da verhaltener: „Welche Auswirkungen die Strompreiszonentrennung auf die Endkunden in Industrie, Gewerbe und auch bei den Haushalten hat, wird sich erst in den kommenden Monaten zeigen“, so Jochen Homann, Präsident der Netzagentur. „In Österreich sind leichte Steigerungen zu erwarten. Wobei Industrie und Gewerbe aufgrund ihrer monatsscharfen Abrechnungen und börsenpreisgekoppelter Strompreise die Auswirkungen wohl schneller zu spüren bekommen als Haushalte mit jährlicher Abrechnung.“

Auch Stefan Kaperer, Vorsitzender der BDEW-Hauptgeschäftsführung, warnt vor zu hohen Erwartungen: „Es bleibt abzuwarten, ob die heute vollzogene Aufsplittung der deutsch-österreichischen Preiszone tatsächlich zu der erhofften Entlastung der Stromnetze führt. Dieser Schritt widerspricht in jedem Fall dem Streben nach möglichst großen und damit liquiden Strommärkten in Europa.“ Die Aufsplittung in kleinere Preiszonen werden jedenfalls nicht den Druck beim Netzausbau mindern, so Kapferer. „Gerade in Deutschland müssen wir den Netzausbau zwischen Nord und Süd entschlossen vorantreiben und mit dem Ausbau der Erneuerbaren synchronisieren.“ (Katharina Wolf)

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