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Klimaschutz

Dänemark und Schweden Vorreiter bei erneuerbaren Energien

Warum die Energiewende in Schweden und Dänemark schneller und besser gelingt als bei uns.

Inhaltsverzeichnis

Während in Deutschland der Anteil erneuerbarer Energien am Endenergiemix unter 20 Prozent liegt und die Ziele bis 2020 dem Anschein nach verfehlt werden, gibt es in der EU mit Dänemark und allen voran Schweden zwei positive Beispiele für die Energiewende: Schweden erzeugt, bemessen am Endverbrauch, einen Anteil erneuerbarer Energien von 54,5 Prozent. Für 2040 ist gar ein kompletter Umstieg auf erneuerbare Energien vorgesehen. Über den Spitzenreiter Schweden und den vorbildlichen Nachbarn Dänemark.

Schweden: Der Weg zum Spitzenreiter

EU-weit ist Schweden das Land, in dem erneuerbare Energien den höchsten Anteil an der Energieversorgung ausmachen. Dabei begann der Weg im Jahre 1980, als Bestrebungen zum Ausstieg aus der Atomkraft verlauteten. Jedoch hat die schwedische Regierung diese Bestrebungen vor zehn Jahren eingestellt, da zu diesem Zeitpunkt die Wasserkraft als einzige vielversprechende Alternative unter den erneuerbaren Energien gegeben war. Das Problem bei der Wasserkraft ist allerdings, dass eine Steigerung der Kapazität nur schwerlich möglich ist. Der Plan für die Zeit nach einem eventuellen Atomausstieg fehlt bis heute. Doch der aktuelle Trend ist aufgrund des rapiden Ausbaus von Windenergie-Anlagen positiv und deutet darauf hin, dass Schweden sein bis 2040 gestecktes Ziel erreichen und nur noch erneuerbare Energien nutzen wird.

Windkraft zunächst nicht ausreichend gefördert, nun aber im Kommen

Als eine wichtige Alternative zur Wasserkraft gilt die Windkraft. Im Verlaufe der letzten Jahre hat sich in diesem Sektor einiges bewegt. Belegen Studien von 2005 noch einen unterdurchschnittlichen Ausbau der Windkraftanlagen in ganz Schweden im Vergleich zu den restlichen Staaten Europas, ging es in den letzten Jahren steil bergauf: 2014 gab es einen 7-prozentigen Anteil an der gesamten Stromversorgung, welcher ein Jahr später auf 10 Prozent anstieg. Eine Prognose sieht zwischen den Jahren 2017 und 2021 einen weiteren Anstieg um ein Drittel vor.

Bis heute ist es gar zu einem Boom der Windenergie gekommen. Als Gründe hierfür sind Förderungen im Bereich des Energiezertifikatsystems zu nennen sowie parteiübergreifende Abkommen. Die Förderungen werden verschiedensten Parteien offeriert, damit sich die nationalen Ziele realisieren lassen:

• Haushalt

• Kommunen

• Unternehmen

Investoren werden angezogen

Für Investoren ist die Windenergie ein Pflaster für sichere Renditen, was das Wachstum dieses Sektors in Skandinavien nochmals vorantreibt. Durch rechtliche Auflagen zusätzlich abgesichert, stiegen und steigen in den letzten Jahren immer mehr Investoren und Unternehmen ein:

• 2018 die beiden Rentenfonds AMF und KLP mit einer Summe von 200 Millionen Euro

• Sten Olsson sagt bis 2022 Investitionen von 600 Millionen Euro voraus

• Rentenfonds PKA mit 350 Millionen Euro

• OX2 als Entwicklungsfirma mit 400 Millionen Euro

Auch deutsche Unternehmen nutzen die Vorzüge der sicheren Investments in Schweden und beteiligen sich an Projekten oder bauen eigene Turbinen in Schweden auf. Der Expertise einzelner Unternehmen aus dem Ausland werden in Schweden keine Hindernisse in den Weg gestellt.

Dänemark: Umfassendes Programm für die nächsten Jahrzehnte

Dänemark besitzt Stand jetzt lediglich drei Kohlekraftwerke, deren komplette Abschaltung bis 2030 eingeplant ist. Das Engagement des Staates in einer gemeinsamen Koalition für Kohleausstieg mit mehreren Staaten untermauert Dänemarks Bestrebungen für den Umstieg auf erneuerbare Energien umso mehr. Obendrein – was weniger öffentlichkeitswirksam bekannt ist – hat Dänemark auch in der Wärmeversorgung eine vorbildliche Ausrichtung: Strenge gesetzliche Regulierungen sowie der Zuwachs an Solaranlagen zur Fernwärmeversorgung sind nur einige Beispiele dafür. Doch wieder auf den Punkt der Energiewende kommend: Was hat Dänemark hier im Programm?

Breite Streuung der Investitionen und Gelder

Im Gegensatz zu Schweden hatte sich Dänemark bereits früh auf den Auf- und Ausbau von Windkraftanlagen fokussiert. 2017 war der gesamte Stromverbrauch Dänemarks schon zu 43 Prozent durch die Windenergie abgedeckt! Nochmals zum Vergleich der schwedische Wert aus 2015: 10 Prozent. Im Rahmen des Ziels bis 2050, welches Strombezug allein aus erneuerbaren Energien vorsieht, werden die Windkraftanlagen im Ausbau priorisiert. Parallel soll mehr als eine halbe Milliarde Euro zwischen Windenergie- und Solarkraftanlagen aufgeteilt werden. Darüber hinaus erfolgen Investitionen im Bereich der Biogasanlagen.

Deutschland: Fehlentwicklungen und Zweifel

Das neue Klimapaket sowie die Entwicklungen im Sektor erneuerbarer Energien lassen Zweifel daran aufkommen, dass in Deutschland die Energiewende ähnlich erfolgreich in die Tat umgesetzt wird. Es bestehen aktuell Missverhältnisse in der Erzeugung, was insbesondere am Beispiel der Photovoltaik-Anlagen deutlich wird. So gibt es im Winter in dieser Energiesparte ein Unterangebot, während im Sommer ein Überangebot besteht. Daraus leiten sich Risiken ab:

• Negative Strompreise

• Abschaltungen des Stroms

• Überproduktion und finanzieller Verlust

Investoren und Privatnutzer dürften gewarnt sein, da bei diesen Missverhältnissen ein Chaos nur eine Frage der Zeit zu sein scheint. Das große Problem ist, dass der Gesetzgeber bisher die Probleme beiseite gewunken hat. Dies muss sich im Laufe der Zeit für ein Erreichen der Ziele und im Sinne einer stabilen Stromversorgung sowie Wirtschaft ändern.

Fazit: Schweden und Dänemark als Vorbild

Im Hinblick auf den kompletten Umstieg auf erneuerbare Energien hinterlassen Schweden und Dänemark einen vorbildlichen Eindruck. Dabei verzeichnen die Schweden Höchstwerte, weil sie bereits früh einen schnellen Umstieg mit Wasserkraftwerken in Angriff nahmen. Im Laufe der letzten Jahre kamen Windkraftanlagen als überzeugender Part hinzu. Dänemark wiederum ging einen kontinuierlichen Weg bei mehreren Arten der EE-Anlagen und setzt diesen Weg geradlinig fort. Deutschland hat im Vergleich zu den beiden Nationen Nachholbedarf.

Autor: Eric Wittig, feier Journalist

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