Im Zeitraum von Januar bis September 2026 haben sich Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) und ihre Staatssekretäre insgesamt 37-mal mit Vertretern der traditionellen Energiekonzerne getroffen. Im selben Zeitraum traf sich ihr Staatssekretär mit einem einzigen Ökoenergieverband. Diese offensichtliche Nähe zur fossilen Energiewirtschaft und ihrem ehemaligen Arbeitgeber, einer Eon-Tochterfirma, belastet die Erneuerbaren-Branche seit Monaten. Kein Wunder, dass Anfang Oktober mehrere Tausend Menschen auf der Reichstagswiese in Berlin zur Demo zusammenkamen, um dem Aufruf „Ausbauen statt Ausbremsen“ der Veranstalter zu folgen. Sie forderten, die Pläne für EEG-Novelle und Netzanschlusspaket so zu überarbeiten, dass Investitionen in erneuerbare Energien wieder stattfinden.
Verlust der Finanzierungsgrundlage
Die Gesetze sollten Mitte Oktober auf den Weg gebracht werden. Zum Redaktionsschluss dieser Ausgabe war davon keine Rede mehr. Die Bundeswirtschaftsministerin bremst den Ausbau der Erneuerbaren komplett aus bei dem Versuch, ihn stärker an Netzkapazitäten, Planbarkeit und Kosten auszurichten. Das Zusammenspiel geplanter Neuerungen wie Redispatch-Vorbehalt, Wirkleistungsbegrenzung und Änderungen am Referenzertragsmodell könnte selbst genehmigten Projekten die Finanzierungsgrundlage entziehen.
Auch die geplante Begrenzung von Pachtentgelten ist Gift für die Projektplanung. Wichtig wären derweil bessere Bedingungen für Direktbelieferung und langfristige Stromlieferverträge. Größere Ausschreibungsvolumen helfen wenig, wenn aus Zuschlägen keine Anlagen werden. Netzengpässe lassen sich nicht allein dadurch lösen, dass Erzeugung begrenzt wird. Es braucht Netze und Speicher, die mitwachsen.
Wie eng politische Entscheidungen und praktische Lösungen zusammenhängen, zeigt diese Ausgabe. Wir blicken auf die Bürgerenergie: Sie bringt Kapital und Mitbestimmung in die Regionen, in denen die Energiewende stattfindet. Technik, Markt und vor allem Menschen sind bereit, ihren Beitrag zu leisten. Das schafft größtmögliche Akzeptanz. Umso ärgerlicher ist es, wenn die politische Weichenstellung gerade hier den Weg verstellt. | 20
Die bayerische Gemeinde Sauerlach zeigt, wie die Finanzierung eines Windparkprojekts mit Bürgerbeteiligung zur Zufriedenheit beider Seiten gelingen kann. | 18
Unser Bericht von der Wind Energy Hamburg stellt neben anderen Technologien die neue Nordex N193 vor: Ihr größerer Rotor soll gerade an windschwächeren Standorten mehr Ertrag ermöglichen. | 28
Im Gespräch mit Envision Energy geht es dann um Turbinen, die nicht mehr isoliert gedacht werden, sondern als Teil eines Systems aus Erzeugung, Speichern und Verbrauch. | 36
Spreewindspiegel
Ein Rechtsbeitrag erläutert, welche Möglichkeiten die neue Mispel-Festlegung für gemeinsam genutzte Netzanschlüsse von Erneuerbaren-Anlagen und Batteriespeichern eröffnet – und warum Netzbetreiber sie erst ab Oktober 2027 verpflichtend anwenden müssen. | 22
Während der Speichermarkt boomt, ist es um grünen Wasserstoff ruhig geworden. Nachbar Dänemark ist da deutlich umtriebiger. | 48
Zum Schluss bleibt mir noch der Hinweis auf unseren Spreewindspiegel, der dieser Ausgabe beiliegt. Er bietet all denjenigen gute Orientierung, die sich vom 10. bis 12. November bei den Windenergietagen in Linstow zwischen zahlreichen Foren und Thementischen zurechtfinden wollen. Auf keinen Fall verpassen sollten Teilnehmende den Breakfast Club von Resolut mit ERNEUERBARE ENERGIEN am 11.11. ab 10.30 Uhr im Biergarten von Baywa RE.
Viel Spaß beim Lesen wünscht Ihnen
Nicole Weinhold,
Chefredakteurin Erneuerbare Energien
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