Ende August hat die BWE Service GmbH, eine hundertprozentige Tochtergesellschaft des Bundesverbands Windenergie, ihre Zahlungsunfähigkeit mitgeteilt. Angestrebt wird eine Sanierung in Eigenverwaltung. Rund 50 Beschäftigte am Berliner Euref-Campus, aber auch Weiterbildungsangebote, Veranstaltungen und andere Dienstleistungen für die Windenergiebranche sind von der weiteren Entwicklung abhängig.
Stellenabbau und Investitionsstopp
Über die konkreten Ursachen wird derzeit viel spekuliert. Das Umfeld jedoch ist eindeutig: Projektentwickler bauen Stellen ab, Investitionen werden verschoben und Unternehmen reduzieren ihre Ausgaben für Seminare, Konferenzen und Branchenveranstaltungen. Gleichzeitig sorgen geplante Gaskraftwerke, mögliche Einschränkungen bei Entschädigungen für Netzengpässe und weitere regulatorische Eingriffe für Verunsicherung. Wer den Ausbau der erneuerbaren Energie politisch fordert, darf ihre wirtschaftliche Basis nicht gleichzeitig schwächen.
Wie schnell selbst vermeintlich solide Projekte in Schwierigkeiten geraten können, zeigt unser Beitrag über Photovoltaik als Kapitalanlage. Technische Ausfälle, fehlende Ersatzteile, negative Strompreise und Konflikte mit Grundstückseigentümern können den Geldfluss empfindlich stören. Investoren sollten deshalb Versicherungsbedingungen, Dienstbarkeiten, Wirtschaftlichkeitsrechnungen und Einsichtsrechte konsequent prüfen. Eine Risikomatrix vor der Unterschrift kann vor kostspieligen Überraschungen schützen. | 16
Tatsächlich wird es schwieriger, PV-Freiflächen wirtschaftlich darstellbar zu planen. Kleinere Flächen sind heute nur interessant, wenn sie in privilegierten Lagen liegen – entlang von Autobahnen oder Bahnstrecken. | 38
Rückbau und Recycling
Finanzieller Druck betrifft auch Kommunen und ihre Stadtwerke. Gewinne aus dem Energiegeschäft gleichen vielerorts Verluste von Schwimmbädern und öffentlichem Nahverkehr aus. Umso wichtiger ist es, Wärmepumpen, Blockheizkraftwerke, Speicher, Windenergie und Photovoltaik nicht nach Bauchgefühl zu steuern. Bereits ein Prozentpunkt mehr Genauigkeit etwa bei den Wärmeprognosen kann für ein Stadtwerk mit einer Terawattstunde Wärmeabsatz einen Werthebel von rund 500.000 Euro schaffen. Präzise Daten werden damit zum Schutzschild für kommunale Haushalte. | 46
Großes Potenzial bietet zudem das Repowering. Etwa ein Drittel der neu installierten Windenergieleistung entsteht inzwischen durch den Austausch alter Anlagen. Die Norm DIN 4866 soll Rückbau, Recycling und Wiederverwendung transparenter, planbarer und rechtssicherer machen. Davon profitieren Betreiber und Projektierer ebenso wie Genehmigungsbehörden, Kommunen und Anwohner. Standards können Kosten senken und wertvolle Materialien im Kreislauf halten. | 30
Auch beim grünen Wasserstoff entscheidet sich jetzt, ob ambitionierte Strategien in belastbare Geschäftsmodelle münden. Bayern verfügt über starke Forschung, regionale Modellprojekte und Förderprogramme. Dennoch bleibt der Hochlauf hinter früheren Erwartungen zurück: Bis Mitte 2025 wurden 24 Elektrolyseprojekte mit insgesamt 143 Megawatt bewilligt – deutlich weniger als das angestrebte Ziel von 300 Megawatt. Gefragt sind verlässliche Regeln und gute Vernetzung von Erzeugung, Speicherung, Transport und Nachfrage. | 48
Die Technik ist vorhanden, das Wissen ebenfalls. Was der Energiewende fehlt, sind keine weiteren Bremsmanöver, sondern Verlässlichkeit, wirtschaftlicher Realismus und politischer Mut.