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Expertentipp

Eigeninitiative ist der Schlüssel

Die Windindustrie erlebt eine schwierige Phase. Für Fach- und Führungskräfte stellt sich daher die Frage, ob sie an ihrem Job festhalten sollen.

Inhaltsverzeichnis

Die Gründe für die Krise von Projektentwicklern, Windkraftanlagenherstellern und deren Zulieferern sind vielfältig. Die Förderung wird sukzessive zurückgeschraubt, insgesamt werden weniger Anlagen gebaut. Die internationale Konkurrenz ist stark und Bauvorhaben werden durch Genehmigungsverfahren und Widerstände in der Bevölkerung verzögert oder gar zum Scheitern gebracht. Es ist also naheliegend, sich als Fach- oder Führungskraft in einer krisengeschüttelten Branche Gedanken um die eigene Zukunft zu machen. Denn abzuwarten, bis der Chef zum Vier-Augen-Gespräch bittet, ist sicher nicht die beste Strategie. Mitarbeiter in der Windindustrie sind daher gut beraten, die Lage ihres Unternehmens und sich selbst realistisch einzuschätzen.

Gute Chancen in anderen Jobs

Viele Mitarbeiter entscheiden sich sehr bewusst für die Arbeit in einem Unternehmen der erneuerbaren Energien. Neben dem Gehalt kommt es für sie darauf an, einer gesellschaftlich sinnvollen Tätigkeit nachzugehen und die Energiewende voranzutreiben. Daher bieten sich zwei Möglichkeiten: entweder die Position innerhalb des Unternehmens zu wechseln oder die Wertschöpfungskette der erneuerbaren Energien zu prüfen und dort nach einem Match der eigenen Kenntnisse und Kompetenzen mit den entsprechenden Anforderungen zu suchen. Vor allem die Fach- und Führungskräfte in den Unterstützungsfunktionen wie den Abteilungen für Einkauf, Finanzen, HR, IT oder Recht können sich in der Regel gut auch bei anderen Unternehmen positionieren und mit fachlicher und Managementexpertise punkten. Nun möchte ich keineswegs dazu raten, sich einer völlig anderen Branche anzuschließen.

Gesamtlösung für den Auftraggeber im Auge

Dennoch erlebe ich in meinem Beratungsalltag häufig, dass die Kandidaten über Skills verfügen, die sie selbst an sich gar nicht so bewusst wahrnehmen. Gerade beim Vertrieb von Projekten und Anlagen kommt es vor allem darauf an, dass man die Gesamtlösung für den Auftraggeber im Auge hat und den Vertriebsprozess initiiert und über mehrere Monate hinweg steuern kann. Das gilt auch für das Projektmanagement bei Windprojekten, bei dem es unter anderem auf das Einhalten von Timelines und Projektkosten sowie versprochener Qualität ankommt. Wer so etwas kann, dessen Skills sind auch in anderen Branchen für größere Planungs- und Infrastrukturprojekte interessant. Um zu prüfen, in welchen anderen Branchen die eigenen Kompetenzen Ergebnisse positiv beeinflussen, ist somit die Sicht auf das eigenen Prozess-Know-how ein wichtiger Schritt.

Weiterentwicklung der eigenen Fähigkeiten

In Zeiten des raschen Wandels sollten sich Mitarbeiter öfter als früher Gedanken machen, wohin die Reise beruflich gehen soll. Zusätzliche Kompetenzen zu erwerben hilft dabei, auch für das bisherige Unternehmen vielfältiger einsetzbar zu sein und damit den eigenen Wert für den Arbeitgeber zu steigern. Die kontinuierliche Weiterentwicklung der eigenen Fähigkeiten ist das Handlungsfeld für jede Fach- und Führungskraft, um krisenfest im aktuellen Unternehmen zu agieren oder um attraktiv für andere Arbeitgeber zu sein. Positiv betrachtet hilft also eine herausfordernde Marktsituation, den eigenen Autopiloten auszuschalten und seine Fähigkeiten und Erfahrungen zu erweitern. 

Der Autor diese Artikels, Volker Schulz, ist Director Board & Executive bei der Unternehmensberatung Mercuri Urval.