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Eingebremster Boom: Weiterhin nur zweitbester Windparkzubau in Halbjahr Eins

Abstand zu Rekordhalbjahr von 2017 halbiert 

Auch nach dem großen Sprung nach vorn im Anfangshalbjahr 2025 verzeichnen die Windkraftbranchenorganisationen BWE und VDMA Power Systems für Januar bis Juni eine nochmalige leichte Zunahme der Bautätigkeit für die Errichtung neuer Windenergieanlagen an Land. Im ersten Halbjahr vor einem Jahr hatten die Windparkerrichter in Deutschlannd plötzlich 900 Megawatt (MW) mehr im Vergleich zum damaligen Vorjahreshalbjahr eins 2024 errichtet. Nun, 2026, brachten die Bauteams im ersten Halbjahr noch einmal knapp vier Prozent mehr neue Turbinen ans Netz. Gemäß vorläufigen Angaben der Bundesnetzagentur (BNetzA) – noch vor Ablauf der Meldefrist der offiziellen Registereinträge – installierten die Unternehmen in dem Zeitraum 423 sogenannte Onshore-Windturbinen. Ein Jahr zuvor hatte die BNetzA im Vergleichszeitraum noch 409 Inbetriebnahmen gelistet.

Weil die Nennleistungen und Abmaße der neuen Windenergieanlagen seit Jahren kontinuierlich kräftig zunehmen, ist das Volumen der neu betriebenen Erzeugungskapazität noch etwas deutlicher um sieben Prozent angewachsen. So nahmen Windenergieunternehmen im jetzigen Bilanzhalbjahr neue Anlagen mit zusammen 2.363 Megawatt (MW) in Betrieb, bei durchschnittlich schon 5,59 MW Nennleistung.

FA Wind und Solar

Zum Vergleich: Ein Jahr zuvor ergab die vorläufige Auswertung der BNetzA-Daten zu fast demselben Zeitpunkt neue Inbetriebnahmen mit einer Erzeugungskapazität von zusammen 2.202 MW, bei 5,45 MW pro Turbine.

Repoweringanteil zum dritten Mal in Folge bei mehr als einem Drittel

Die Zunahme des Zubautempos und der Anlagengrößen geht einher mit einem weiterwachsenden Repoweringanteil: Damit genügend Baugrund für die Investitionsvorhaben der Windparkunternehmen zur Verfügung steht, beziehen sie inzwischen schon im dritten Jahr in Folge für ein gutes Drittel der neu gebauten Nennleistung alte Windparkstandorte ein. Für 138 Anlagen mit 35 Prozent der zugebauten Nennleistung, mit nämlich genau 777 MW, bauten die Projektierungsuternehmen vorher deutlich leistungsschwächere und kleinere Altanlagen zurück. Für die Neuturbinen nahmen sie 210 Anlagen mit 326 MW aus dem Feld. In den Vorjahren 2025 und 2024 hatte die Gesamtjahres-Repowering-Quote 37 und 33 Prozent ausgemacht – in den Jahren davor hatte diese Quote des Anlagenaustauschs in einem steten Auf und Ab wechselhafte Werte von 14 bis 28 Prozent erreicht.

Die von BWE und VDMA Power Systems seit wenigen Jahren mit der Auswertung der BNetzA-Registerdaten beauftragte Berliner Marktanalyseorganisation Fachagentur Wind und Solar (FA Wind und Solar) erstellt die Windkraft-Onshore-Zubaubilanzen, die als Nachschlagewerk für die offiziellen Branchendaten gelten. Regelmäßig präsentieren BWE und VDMA Power Systems die Analysen von FA Wind und Solar zu einem Zeitpunkt, an dem die Windenergiefirmen erfahrungsgemäß die allermeisten neuen Windparks aus den ersten sechs Monaten ins sogenannte Marktstammdatenregister der BNetzA eingetragen haben. Die im Verlauf einer noch verbleibenden Woche des Monats nachgemeldeten Inbetriebnahmen machen bislang nur wenige Turbinen und kleinere zweistellige MW-Beträge mit kaum noch statistischer Auswirkung aus.

FA Wind und Solar

Prognose von Jahresanfang von acht Gigawatt Zubau 2026 wackelt 

Der Zubau um 2,363 Gigawatt verfehlte damit wenngleich nur denkbar knapp weiterhin den bisherigen Rekordinbetriebnahmewert aus dem ersten Halbjahr 2017. Damals hatte die BNetzA neue Erzeugungskapazitäten von 2,471 GW aufgelistet.

Der Bauboom des deutschen Onshore-Windmarkts könnte somit allerdings zu langsam aufblühen, um die Erwartungen der Branchenvertretenden von Beginn des Jahres für den Zubau 2026 zu erfüllen. So lautete die Branchenprognose für das Jahr acht Gigawatt, wie Jürgen Quentin, Chefanalytiker für Onshore-Windkraft der FA Wind und Solar, noch einmal begründete: Die Prognose basiere „auf Erfahrungswerten, dass es durchschnittlich nach der Zuschlagserteilung (in einer Ausschreibung der Vergütungsrechte für Windparkprojekte) noch 20 Monate dauert, bis die Maschinen dann am Netz sind.“

VDMA-Power-Systems-Geschäftsführer Dennis Rendschmidt bezeichnete die 8-GW-Prognose dennoch als nun zwar „mehr als ambitioniert, aber nicht unerreichbar“. Auf eine deutliche Zunahme der Bautätigkeiten an deutschen Windpark-an-Land-Standorten setzt die Branche mit Verweis auf das scheinbar unaufhaltsam zunehmende Tempo bei den Projektgenehmigungen. So gaben die zuständigen Behörden im ersten Halbjahr grünes Licht für weitere 9,1 GW – die ein Allzeithoch bezogen auf die ersten sechs Monate eines Jahres markierten. Und nur im zweiten Halbjahr 2025 hatten die Behörden ein einziges Mal in einem Halbjahr mehr Windkraft neu zugelassen, zusammen 12.907 MW. Weil damit die Windparkprojektierungsunternehmen inklusive vorher genehmigter Vorhaben geplante 28,7 GW durch Vergütungszuschläge in Ausschreibungen schon abgesichert haben, wäre genug Potenzial baufertig.

FA Wind und Solar

Drei Faktoren bremsen: Netzengpässe, Komponentenknappheit, Logistik

Allerdings bremsen vor allem drei Faktoren den Windparkbau im Land weiterhin stark ein – oder vielleicht sogar mehr denn je. So lassen Netzanschlüsse und die Zusagen der Leitungsbetreiberfirmen oft sehr lange auf sich warten. Große Schwerlasttransporte für die sehr langen oder breiten Hauptkomponenten wie Rotorblätter, Turmsegmente oder Maschinenhausgondel beziehungsweise bei Anlagen mit getriebefreiem Antrieb auch die besonders ausladenden Generatoren, so erklärte zudem Rendschmidt, blieben aufgrund unzureichender „Ertüchtigung der Infrastruktur“ ein zweites großes bislang nicht ausgeschöpftes „Beschleunigungspotenzial“. Rendschmidt verweist damit auf  die von der Branche seit Jahren aufgezählten Transportprobleme: zu kleine oder zu stark befahrene Straßen sowie in die Quere geratende Schilder, Ampeln und andere Verkehrsleitungsstrukturen – oder auch mangelnde Personalkapazitäten für Begleitfahrzeuge zum Beispiel der Polizei. Auch Lieferzeiten von Komponenten für die Windparks führen die Branchenvertretenden weiterhin als Grund für die noch immer lange Zeit von der ersten Projektgenehmigung bis zur ersten Kilowattstunde an.

Alleine für die Beschleunigung beim Straßentransport stünden offenbar mehrere Stellschrauben zur Verfügung: Politik und Verwaltung müssten die für Transportanträge notwendigen Verfahren modernisieren, digitalisieren, mit besseren Datengrundlagen ausstatten, betonte Rendschmidt. „Außerdem geht es darum zusammenzuarbeiten: Wenn Bund, Länder und Verwaltung und Wirtschaft gemeinsam handeln, können wir hier viel mehr in die vorhandenen Potenziale reinkommen“.

Genehmigungsverfahren weiterhin sehr schnell, Realisierung von der Genehmigung bis zum Einspeisestart dauert immer länger

Wie sehr die Hemmnisse beim Onshore-Windkraftausbau auch nach der fast vollständigen Befreiung von früheren unnötigen Hürden bei den Genehmigungen noch bremsen, zeigen zwei weitere Statistiken der FA Wind und Solar. So bleibt es zwar inzwischen verlässlich bei einer sehr geringen durchschnittlichen Dauer des reinen Genehmigungsverfahrens von 16,7 Monaten. Denselben niedrigen Wert schafften die Behörden schon im Gesamtjahr 2025. Und der Median – die mittlere Dauer der Genehmigungen, die von den statistischen Ausreißern besonders langsamer oder extrem schneller Verfahren absieht – sank sogar noch leicht von 12,6 auf nun fast genau nur noch ein Jahr mit 12,2 Monaten.

Auch lässt der Blick auf eine Deutschlandkarte erkennen, dass sich die zuletzt noch extremen Unterschiede bei den Genehmigungsdauern zwischen den Bundesländern immer mehr einebnen, mit einer Spannweite allerdings von weiterhin 27,5 Monaten vom schnellsten Bundesland Bayern mit nur 10,6 und dem langsamsten Bundesland Mecklenburg-Vorpommern mit 38,1 Monaten.

Andererseits haben die im ersten Halbjahr ans Netz gelangten neuen Windparks im Schnitt schon 31 Monate seit der ersten Projektgenehmigung hinter sich. Das sind schon wieder zwei Monate mehr, als es im Vorjahr war. 2025 hatten die neu angeschlossenen Anlagen seit der Baugenehmigung im Schnitt 29 Monate hinter sich – was schon ein Allzeithoch war.

Viel Genehmigungen, überzeichnete Ausschreibungen, sinkende Vergütungen: Wirtschaftlichkeitsgrenze für neue Projekte erreicht

Ebenfalls zu schaffen macht der Windbranche, dass der Überhang noch nicht bezuschlagter und schon genehmigter Erzeugungskapazitäten über das jährliche Ausschreibungsvolumen hinaus zu einem knallharten Überbietungswettbewerb mit dem Ergebnis niedrigerer Vergütungsabsicherungen in den Ausschreibungen geführt hat. Bei beispielsweise aktuell jährlich rund 15 GW Ausschreibungsvolumen im Vergleich zu schon 28,7 GW bezuschlagter und weitgehend baufertiger Projekte und nach und nach hinzukommenden neuen Genehmigungen und Zuschlägen sinken daher die Preise pro Kilowattstunde (kWh). Statt mehr als 7,3 Cent pro kWh wie noch 2024 betrug der sogenannte mengengewichtete Zuschlagswert der jüngsten Ausschreibung im Mai 2026 nur noch 5,06 Cent pro kWh.

FA Wind und Solar

Die Branche erreiche damit aktuell eine „Wirtschaftlichkeitsgrenze“, betonte Bärbel Heidebroek, Präsidentin beim BWE. „Wenn ich als Projektierer mich entscheide, in die Ausschreibung zu gehen, dann habe ich schon unheimlich viel Geld investiert“, sagte Heidebroek. „Und von daher werde ich immer versuchen, ein Projekt gerade an der Wirtschaftlichkeitsgrenze noch durch die Ausschreibung zu bekommen und dann auch in Betrieb zu nehmen, um nicht das Geld, was ich schon ausgegeben habe, auch zu verlieren. Aber es ist wirklich so, dass die Situation in den Ausschreibungen an der Schmerzgrenze der Projektierer ist.“

Baden-Württemberg und Bayern ziehen endlich mit

Als Hoffnungssignal werten Deutschlands Windenergiestatistiker, dass die zwei Südländer Bayern und Baden-Württemberg erstmals seit langem wieder bei Genehmigungen und bei Netzanschlüssen sich der hohen Zubauaktivität in den nördlichen Windkraftboomländern Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern annähern. So nahm das in der Landeshauptstadt Stuttgart durch mundartliches Marketing als „Ländle“ beworbene Südwestland 33 Anlagen mit 168,7 MW neu in Betrieb. Das waren immerhin 7,1 Prozent am Gesamtzubau. Daran hatten dieses Mal nur Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern höhere Anteile: 22,8 Prozent, 21,8 Prozent, 15,3 Prozent und 8,8 Prozent – bei Zubauvolumen von 208 bis 539 MW.

Und bei den Genehmigungen erreichte Bayern Platz vier, wo die Behörden für 742 MW grünes Licht gaben. Mehr waren es nur in drei Märkten mit mehr als einem Gigawatt an neu genehmigter Erzeugungskapazität: zuvorderst in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen mit Projekt-Freigaben für 1.860 und 1.794 MW, dann in Brandenburg mit 1.131 MW.