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Priorität eins, zwei und drei sind die Husum Wind

Nicole Weinhold

Mirko Arend, neuer Geschäftsführer der Messe Husum & Congress, spricht im Interview über seine ersten Monate im Amt, die Herausforderungen rund um die Husum Wind und darüber, warum Kontinuität für ihn ein zentraler Erfolgs­faktor ist.

Wie gefällt Ihnen der neue Job nach ­Ihren ersten Monaten hier?

Mirko Arend: Also mir gefällt es gut, beruflich wie privat. Zum einen sind es erst zwei Monate, das ist noch ein bisschen früh für ein echtes Zwischen­fazit. Aber ich finde hier wirklich gute Bedingungen vor. Es ist definitiv ein herausfordernder Job, das kann man sagen. Nicht nur rund um die Husum Wind, sondern auch bei anderen Themen, die hier relevant sind. Aber ich mag es wirklich, Messen und Veranstaltungen zu machen. Das liegt mir einfach, dafür brenne ich. Ich bin jetzt 58 und kann mir noch einige gute Jahre gönnen, in denen ich sage: Ich mache das, was mir Spaß macht – auch wenn es herausfordernd ist.

Apropos Herausforderungen, Ihre Vorgän­ger haben nicht lange durchgehalten. ­Glauben Sie, dass Sie länger bleiben werden?

Mirko Arend: Naiv bin ich nicht. Bevor ich hier angefangen habe, gab es einen langen und intensiven Austausch mit dem Aufsichtsrat, der sehr transparent und vertrauensvoll war. Auch wenn der Aufsichtsrat kritisch ist – das ist sein Job –, habe ich gemerkt, dass die Zusammenarbeit auf einer guten Basis steht. Das ist wichtig.

Ich bin 58, für mich ist das keine Karriereetappe mehr. Ich möchte einfach noch ein paar Jahre den Job machen, den ich gerne mache. Meine Frau liebt die Region, sie würde am liebsten sofort hier hochziehen. Sie hat mir schon gesagt: „Wir sollten unser Haus im Süden verkaufen.“ Das geht mir zwar etwas schnell, aber es zeigt, dass auch privat bei uns der Wunsch da ist, hier länger zu bleiben. Und ich merke auch im Team und bei den Verbänden, dass alle sagen: „Wir brauchen Kontinuität.“ Nicht nur in der Geschäftsführung, sondern in allen Bereichen – Projektleitung, Marketing, überall. Eines meiner Ziele ist es, genau diese Kontinuität zu schaffen – so profitieren alle Seiten.

Was haben Sie gemacht, bevor Sie nach ­Husum kamen?

Mirko Arend: Ich komme eigentlich aus dem Baubereich. Meine Familie hatte eine kleine handwerkliche Baufirma, die ich übernehmen sollte. Aber ich habe lieber BWL und Statistik studiert. Ich war bei der Gesellschaft für Konsum-, Markt- und Absatzforschung in Nürnberg, später bei DHL und schließlich bei der Messe München. Dort habe ich zehn Jahre lang die BAU geleitet, eine der größten Messen Deutschlands.

Die logistischen Herausforderungen sind tatsächlich groß, doch wir haben diese erkannt und arbeiten aktiv an Lösungen.

Nach Corona bin ich in meine Heimat Idar-​Oberstein zurückgekehrt, um näher bei meinen hilfebedürftigen Eltern zu sein – und habe dort die kleine Messe übernommen. Das war eine spannende Zeit, die mich viel gelehrt hat – auch was kleinere Veranstaltungen angeht. Jetzt bin ich hier in Husum und freue mich darauf, die Husum Wind weiterzuentwickeln. Norddeutschland ist wunderschön.

Welchen Stellenwert hat für Sie die Husum Wind bei den Veranstaltungen in ­Ihrem Zuständigkeitsbereich?

Mirko Arend: Intern habe ich meinen Kolleginnen und Kollegen schon gesagt: „Wir haben drei Prioritäten – Priorität eins ist die Husum Wind, Priorität zwei ist die Husum Wind und Priorität drei ist die Husum Wind.“ Das heißt nicht, dass andere Veranstaltungen unwichtig wären. Aber die Husum Wind ist für mich etwas Besonderes. Husum ist die Heimat der Windenergie, sie hat daher einen einzigartigen Charakter und eine enge Verbindung zur Region.

Auch die Politik unterstützt uns enorm. Schleswig-Holstein steht voll hinter der Husum Wind. Das spüren wir in der Zusammenarbeit mit der Wirtschaft, der IHK, den Verbänden und der Arge Netz. Das Signal ist klar: Allen ist es ein Anliegen, dass die Husum Wind wieder zu dem wird, was sie einmal war. Unser Ziel ist, dass die Branche erkennt: „Die Husum Wind ist eine Plattform, die wir nutzen können.“ Wenn wir das erreichen, haben wir es geschafft. Denn eine Messe macht man nicht nur, um Geld zu verdienen. Sie muss für die Branche einen echten Mehrwert bieten.

Die Infrastruktur in Husum ist während der Messe immer wieder eine Heraus­forderung – Hotels, Parkplätze, Gastro­nomie. Wie wollen Sie das angehen?

Mirko Arend: Die logistischen Herausforderungen sind tatsächlich groß, doch wir haben diese erkannt und arbeiten aktiv an Lösungen. Durch ein angepasstes Hallenkonzept gewinnen wir Parkplätze. Wir reduzieren unser Gelände und sparen uns eine Halle, die thematisch ohnehin nicht sinnvoll war. Dadurch entstehen ein paar hundert neue Parkplätze. Außerdem möchten wir versuchen, die Wiesenparkplätze kostenlos anzubieten. Nur auf den befestigten Parkplätzen würden wir Gebühren erheben. Denn wenn es regnet und die Wiese schlammig ist, wollen wir nicht den Eindruck erwecken: „Ihr müsst jetzt im Matsch parken und dafür noch bezahlen.“

Was die Hotellerie betrifft, haben wir Kontingente im Umkreis von 50 bis 70 Kilometern reserviert – von St. Peter-Ording bis Flensburg. Die Preise liegen zwischen 120 und maximal 280 Euro, das ist für Aussteller fair. Aber direkt in Husum bleibt es schwierig. Die Gastronomie hingegen ist einfacher einzubinden. Hier haben wir gute Gespräche geführt, und die Gastronomen haben verstanden, dass sie während der Messe öffnen müssen. Das Networking außerhalb der Messe ist ein Alleinstellungsmerkmal der Husum Wind – das wollen wir fördern.

Was ändert sich konkret beim ­Messekonzept?

Mirko Arend: Wir haben das Hallenkonzept angepasst. So geht beispielsweise die Future Innovation Hall in der Digital + Area in der zentralen Halle 1 auf. Damit unterstreichen wir räumlich als auch inhaltlich, wie wichtig die Themen Innovation und Digitalisierung sind. Weiterhin verteilen wir die großen OEMs wie beispielsweise Siemens, Vestas, Nordex, Enercon gleichmäßig auf unsere Hallen. So ist sichergestellt, dass jede Halle attraktiv ist und alle Besucher durch jede Halle gehen. Außerdem haben wir einen zentralen Eingang geschaffen, der die Besucherströme optimiert. Wir konzentrieren uns wieder stärker auf den Kern der Husum Wind: Die Messe wird nationaler ausgerichtet, mit Fokus auf Deutschland und die Anrainerstaaten wie Dänemark.

Neu ist auch der geplante wissenschaftliche Kongress. Was ist die Idee dahinter?

Mirko Arend: Der Kongress soll am Ende der Messewoche stattfinden und die Besucherqualität steigern. Wir planen ein Slam-Format, bei dem junge Unternehmen und Ideen gegeneinander ­pitchen können – ein bisschen wie ein Elevator-Pitch. Dazu soll es einen Innovation Award geben, bei dem sowohl eine Jury als auch das Publikum abstimmen können. Das Ganze wird im NCC stattfinden, und die Tickets sollen so gestaltet sein, dass man auch die Messe besuchen kann.

Wir hoffen, dass wir das Ministerium als Partner gewinnen können, um den Kongress politisch aufzuwerten. Es ist eine spannende Idee, die wir gerade ausarbeiten.

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