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Umfrage: Betriebliche Effizienz wird zum Engpass bei Batteriegroßspeichern

Batteriegroßspeicher-Projekte wachsen schneller als die zugehörigen Betriebskonzepte. Das zeigt die zweite Auflage der jährlichen BESS-Expertenbefragung des Analyseunternehmens Twaice. Die Umfrage erfasste 117 qualifizierte Antworten von Fachleuten, die weltweit für Management, Überwachung oder Betrieb von BESS-Projekten verantwortlich sind. Der Bericht baut auf einer 2025 erstmals durchgeführten Erhebung auf und untersucht, wie sich veränderte Prioritäten auf die betriebliche Effizienz auswirken.

Die zentralen Ergebnisse: 41 Prozent der Befragten geben an, dass Probleme vor Ort ganz oder größtenteils zu Umsatzeinbußen führen. Die Hälfte nennt Systemleistung und Verfügbarkeit als größte Herausforderung. 40 Prozent berichten von eingeschränktem Zugang zu den für den BESS-Betrieb erforderlichen Daten.

Reaktive Prozesse dominieren den Betrieb

Die Umfragedaten deuten darauf hin, dass viele betriebliche Abläufe nicht mit den wachsenden und komplexeren Portfolios Schritt halten können. Viele Teams sind nach wie vor auf reaktive Prozesse angewiesen. Dadurch nimmt die Problemlösung viel Zeit in Anspruch, was sich direkt auf die wirtschaftliche Leistung der Speicher auswirkt.

Die Situation wird durch heterogene Flotten, wachsende Compliance-Vorgaben und zusätzliche Tool-Landschaften aus Übernahmen und schnellem Portfoliowachstum erschwert. „Batteriegroßspeicher treten in eine neue Phase ein", sagt Stephan Rohr, CEO von Twaice. „Die Branche hat bewiesen, dass sie große Mengen an Batteriespeichern bereitstellen kann. Jetzt stellt sich die Frage, ob der Betrieb mithalten kann. Wenn Portfolios wachsen, müssen die Betriebsverfahren mit diesem Wachstum Schritt halten. Nur so können Teams Probleme schneller lösen, Speicherleistung sicherstellen und Komplexität besser handhaben."

Serviceverträge lösen Verantwortungsfragen nicht

Bei der Zusammenarbeit mit Lieferanten zeichnet die Umfrage ein gemischtes Bild. BESS-Betreiber berichten häufig von zeitaufwändigen Analysen und Problemen, die sich auf ihre Einnahmen auswirken. Gleichzeitig bewerten 48 Prozent der Anlagenbesitzer die Verantwortungsbereitschaft ihrer Lieferanten bei der Problemlösung als positiv.

Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass formale Verantwortungsmechanismen allein nicht immer zu schnellerer Problemlösung oder geringeren Ausfallzeiten führen. Während langfristige Servicevereinbarungen das O&M-Modell dominieren und von 73 Prozent der Befragten genutzt werden, bleibt die Verantwortungsübernahme für Problemlösungen einer der am schlechtesten bewerteten Bereiche. 47 Prozent der Befragten geben an, dass es schwierig ist, Lieferanten für Leistungsversprechen zur Verantwortung zu ziehen. Unklare Leistungsdefinitionen, Eskalationspfade und Zuständigkeiten tragen zu langsameren Reaktionszeiten bei.

Zentrale Datenbasis fehlt

Die Umfrage zeigt, dass der Datenzugang selbst nicht das Hauptproblem darstellt. Die Hälfte der Befragten nennt das Fehlen einer zentralen, einheitlichen Datenbasis für alle relevanten Betriebsdaten als größte Herausforderung. Betreiber jonglieren mit mehreren Portalen, Tools und Dashboards sowie uneinheitlichen KPI-Definitionen.

„Was auffällt, ist nicht der Mangel an Daten im BESS-Betrieb, sondern die Schwierigkeit, diese Daten in etwas umzuwandeln, mit dem die Teams sicher umgehen können", sagt Rohr. „Mit zunehmender Verbreitung von BESS werden Vertrauen und Benutzerfreundlichkeit ebenso wichtig wie der Zugang."

Die Ergebnisse legen nahe, dass Betreiber von Batteriegroßspeichern ihre operativen Strukturen anpassen müssen, um mit dem Portfoliowachstum Schritt zu halten. Standardisierte Prozesse, klare Verantwortlichkeiten und integrierte Datenplattformen könnten dabei zentrale Hebel sein.