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Kapitalmarkt

Erneuerbare werden bei Investoren beliebter

Immer mehr institutionelle Großanleger schauen bei ihren Investitionen stärker auf Zukunftsfähigkeit – sowohl bei der Rendite als auch beim Risiko. Warum kommen die Erneuerbaren dabei so gut weg?

Die erneuerbaren Energien rücken immer stärker in das zentrale Blickfeld von Investoren. Vor allem institutionelle Investoren suchen nach Möglichkeiten, ihre Mittel in Projekte und Lösungen zu investieren, die einerseits langfristig auf die Lösung der sozialen und ökologischen Herausforderungen abzielen und andererseits gleichzeitig attraktive finanzielle Erträge versprechen. So zumindest bewerten die Analysten der Aream Gruppe den derzeitigen Markt. Aream ist ein Asset- und Investmentmanager für institutionelle Investoren und hat sich hier vor allem auf erneuerbare Energien spezialisiert.

ESG-Kriterien rücken stärker in den Mittelpunkt

Nach den Erfahrungen der Analysten setzen die Investoren inzwischen immer mehr auf nachhaltige Kapitalanlagen. Sie nutzen dabei die wachsenden Möglichkeiten. Denn mit der Energiewende kommen immer mehr entsprechende Projekte und Unternehmen an den Markt, die technische Lösungen anbieten und deren Umsetzung und Markteinführung finanziellen Rückhalt braucht. Zudem achten die Investoren immer stärker auf die ESG-Kriterien der Anlagemöglichkeiten. ESG steht hier für Anlagen, die den Blick auf Umwelt (Environment), Soziales (Social) und gute Unternehmensführung (Governance) richten. „Hier waren die erneuerbaren Energien mit Vorreiter“, betont Markus W. Voigt, Geschäftsführer der Aream Gruppe. „Bei Erneuerbaren ist der Fokus von vornherein klar: Es gibt nur ganz nachhaltig oder gar nicht. Und gerade bei der Energieerzeugung ist der Handlungsbedarf groß“, erklärt Voigt die Vorreiterrolle der Ökostromprojekte bei den grünen Investments.

Mehr Strombedarf durch Digitalisierung

Denn die Erneuerbaren werden in Zukunft zur tragenden Säule der Befriedigung eines wachsenden Strombedarfs und so zum Dreh- und Angelpunkt der Energieversorgung. „Das gilt umso mehr, da viele der neuen, nachhaltigen Geschäftsmodelle digital gedacht sind – und den Stromverbrauch erst einmal steigern“, sagt Voigt. „Hier stehen mit Photovoltaik und Wind genau wie Wasserkraft echte Alternativen zur Verfügung. Weitere Energieträger wie Biogas machen große Entwicklungssprünge. Vor allem aber werden auch Speicherlösungen immer wichtiger – und attraktiver als Anlage.“

Coronapandemie verstärkt den Trend

Inzwischen werden sie sogar attraktiver als Immobilien. Markus W. Voigt führt das unter anderem auf die Coronapandemie zurück, in der die Immobilienbranche nicht allzu gut weggekommen ist. Die Renditeaussichten für Investitionen in Immobilien und erneuerbare Energien liegen mit jeweils durchschnittlich vier Prozent gleich auf. „Dabei handelt es sich jeweils um konservativ gerechnete Core-Investments“, sagt Voigt. Beide Investments bieten aber unterschiedliche Risiken, die während der Pandemie deutlicher wurden.

Mieterschutz steigert das Risiko der Investoren

Voigt verweist auf die Maßnahmen, die die Politik zum Schutz von Mietern ergriffen hat. „Mietstundungen waren schnell beschlossen und das in einem Markt, der von einer Mietpreisbremse ohnehin belastet wird“, beschreibt Voigt die Situation. „Während bei Wohnimmobilien also die Politik das größte Risiko ist, werden Gewerbeimmobilien von den Folgen der Pandemie direkt getroffen.

Markt für Gewerbeimmobilien wandelt sich

Denn einerseits werden Modelle von Homeoffice immer breiter diskutiert und umgesetzt. Das senkt die Nachfrage nach Büroflächen. Der Onlinehandel boomt, was sich auf den stationären Handel negativ auswirkt. Das senkt die Nachfrage nach Geschäftsimmobilien, damit mittelfristig auch die Mieten und auch die zu erzielenden Renditen. Hingegen steigen die notwendigen Investitionen, um die Büro- und Gewerbeimmobilien für die Zukunft fit zu machen. „Doch gerade für institutionelle Anleger ist es entscheidend, dass die gewünschte Rendite über die Laufzeit auch erreicht wird“, erklärt Voigt das Umdenken.

Risiken entwickeln sich unterschiedlich

Genau an dieser Stelle laufen die Risikomaße zwischen Immobilien und erneuerbaren Energien in unterschiedliche Richtungen. Denn während das Risiko bei erneuerbaren Energien stabil bleibe oder sogar sinke, steige das Risiko in Immobilieninvestments stark an, betont der Finanzexperte mit Blick auf die Entwicklung während der Pandemie. „Während es erneuerbare Energien schafften, mehr als die Hälfte am gesamten Energiebedarf Deutschlands zu befriedigen, ohne dass Netze zusammenbrachen oder Kapazitätsschwierigkeiten entstanden, wurden Immobilien zum Spielball der Politik“, sagt er. „Selbst wenn wir konservativ davon ausgehen, dass die Renditeerwartung bei Immobilien nicht sinkt und bei Erneuerbaren nicht steigt, verschiebt die Zunahme der Risiken bei Immobilien die Attraktivitätskurve“, erklärt Voigt das Umsatteln der institutionellen Großanlagen auf erneuerbaren Energien, das Aream beobachtet.

Unterstützung aus der Politik

Und dieser Trend werde sich in den kommenden Jahren stark beschleunigen. „Die vergangenen Jahre haben gezeigt, dass die Erträge sehr stabil sind – auch und gerade in Zeiten extremer Schwankungen an den Börsen“, beschreibt Voigt die Marktlage. „Während die Politik Immobilienbesitzer eher negativ betrachtet, genießen erneuerbare Energien parteiübergreifend die Unterstützung der Politik.“ Dazu komme, dass der Stromverbrauch in den nächsten Jahrzehnten zunehmen werde.

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