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Ausschreibungen Windenergie Onshore

Erstmals wieder ausreichend Windpark-Projekte

In der Dezemberausschreibung für Windkraft an Land haben Projektierer wie erwartet erstmals seit langem wieder genug Kapazität angeboten.

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Tilman Weber

Mit 76 Geboten für einen Zubau um 685,8 Megawatt (MW) war der 500-MW-Tender vom 2. Dezember leicht überzeichnet. Erstmals im ausgehenden Jahr 2019 hat so die Bundesnetzagentur so viele und so umfangreiche Gebote für bundesweite Windparkinstallationen an Land erhalten, dass sich die im Erneuerbare-Energien-Gesetz verankerte Nachfrage nach Windparkzubau damit erfüllen lässt. Der durch die Überzeichnung erstmals wieder wirksame Wettbewerb führte zu einem leichten Absinken des durchschnittlichen mengengewichteten Vergütungswertes. Demnach werden die bezuschlagten Windparks nach dem Netzanschluss im Mittel 6,11 Cent pro eingespeister Kilowattstunde (kWh) für ihren Strom erhalten. In den jüngsten Ausschreibungsrunden hatte dieser Wert bereits die Höhe des gesetzlich zulässigen Höchstvergütungslimits von 6,2 Cent pro kWh erreicht. Im Detail gewannen die siegreichen Bieter ihre Vergütungsrechte in einem Bereich von 5,74 bis 6,18 Cent pro kWh.

Brandenburg weit voran, dahinter Niedersachsen und NRW

Mit Abstand den größten Windkraftzubau ergeben die Zuschläge einmal mehr für Brandenburg, wo Projektierer nun weitere 174,3 MW mit einer gesicherten Vergütungshöhe oberhalb des Börsenstrompreises errichten können. Niedersachsen kehrte mit 73,3 MW nach einem Durchhänger von mehreren Tendern wieder in den Rang der Top-Ausbauländer zurück, nachdem Deutschlands führendes Windkraftland zuletzt 2019 Spitzenwerte bei den Zuschlägen erzielt hatte. Drittstärkstes Windkraft-Bundesland der Dezemberausschreibungsrunde für Onshore-Windenergie wurde Nordrhein-Westfalen – wohin spätestens seit 2018 verlässlich viele Zuschläge gehen. Aber auch Schleswig-Holstein mit 48,6 MW erzielte wohl angesichts des zu erwartenden baldigen Endes eines Genehmigungsmoratoriums für neue Windparks im Bundesland wieder verhältnismäßig viele Zuschläge. Auffällig außerdem: In Niedersachsen verteilten sich Vergütungstitel für die 73,3 MW auf gerade einmal drei Projekte. So erhielt hier das Projektierungsunternehmen Westwind einen Zuschlag für den 42-MW-Windpark Bruchhagen-Nendorf im Flachland der Weser zwischen Hannover und Bremen – und damit für einen besonders großen Windpark. Er soll aus 14 Enercon-Windenergieanlagen entstehen.

Auch in Mecklenburg-Vorpommern, wo es Zuschläge für zehn Anlagen in zwei Windparks gab, bezuschlagte die Bundesnetzagentur einen größeren Windpark – mit acht Turbinen. Die Projektierungsgesellschaft Mea Energieagentur will das Vorhaben wenige Kilometer südlich der Landeshauptstadt Schwerin entstehen lassen.

Nur in Brandenburg finden sich ansonsten mit einem Acht-Anlagen- und einem Sieben-Anlagen-Windparks noch ähnlich große Windparks. Ansonsten verteilen sich die Zuschläge auf Projekte mit weit überwiegend nur ein bis drei, ausnahmsweise auch vier oder fünf Anlagen.

Wieder etwas breitere bundesweite Verteilung und Bürgerwindparks

Die bundesweite Verteilung der Zuschläge fiel darüber hinaus dennoch wieder etwas breiter aus als in den vergangenen Ausschreibungstendern. So erhielten Hessen noch Zuschläge für acht Windturbinen, Rheinland-Pfalz für sieben und das Saarland für fünf Anlagen. In den beiden mittlerweile chronisch bei neuen Vergütungsrechten unterversorgten Süd-Bundesländern Bayern und Baden-Württemberg gab es nur drei und im Falle des Ländle sogar nur eine Windturbine, die in der Ausschreibungsrunde zum Zuge kam. Aber auch in Thüringen erhielten nur zwei neue Windturbinen eine EEG-Vergütungszusage. Dafür waren bundesweit wieder acht Bürgerprojekte siegreich.

BWE: "Hoffnung für eine Stabilisierung"

Der Bundesverband Windenergie sieht in dem Ausschreibungsergebnis einen Hoffnungsschimmer für die durch unklare gesetzgeberische Rahmenbedingungen stark unter Druck geratene Windenergiebranche: "Dieses versöhnliche Ergebnis der Dezember-Ausschreibung sollte uns Hoffnung für eine Stabilisierung des deutschen Windmarkts im Jahr 2020 machen. Es ist aber längst noch keine Entwarnung. Die Branche befindet sich weiterhin massiv unter Druck und wartet vergeblich auf glaubwürdige politische Signale, insbesondere den Genehmigungsstau zeitnah lösen zu wollen." Dass die Dezemberausschreibung besser als die vorangegangenen Onshore-Windpark-Tender ausfallen würde, hatten Experten wie zum Beispiel der Marktbeobachter der Fachagentur Windenergie an Land, Jürgen Quentin, bereits projeziert. So seien mehr als 800 MW neu genehmigter Windparks für die letzte Ausschreibungsrunde des Jahres 2019 in Frage gekommen.