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Das rätselhafte Rebound-Phänomen

Forschung: Mit Ökostrom ungezügelter Verbrauch?

Wie verändert der Abschluss eines Ökostromvertrags meinen Stromverbrauch? Werde ich sparsamer oder verpulvere ich mehr Energie? Die Rebound-Gefahr.

Nicole Weinhold

Eigenverbrauch ist beim Stromkonsum in Deutschland beliebt. Entweder man erzeugt seinen Strom selbst mit einer Solaranlage auf dem Dach, oder man bezieht regionalen sauberen Strom aus einem nahe gelegenen Windpark. Alternativ haben sich viel Strom- und Wärmekunden für Ökoenergieanbieter entschieden. Das Forschungsprojekt EE-Rebound geht nun der Frage nach, wie sich ein Wechsel zu selbst erzeugtem oder gekauftem Strom aus erneuerbare Energien auf den Energieverbrauch auswirkt. Sinkt etwa die Bereitschaft zum Energiesparen, weil ja alles sauber erzeugt wird? Oder führt der Bezug von sauberer Energie eher zu einem bewussten, sparsamen Verbrauch? In dem Projekt arbeiten das Institut für ökologische Wirtschaftsforschung, die RWTH Aachen und das Fraunhofer ISI daran, Wege zu finden, wie Rebound-Effekte vermieden werden können und Haushalte ihren Energieverbrauch weiter senken können.

Psychologische Gründe für Rebound-Effekte

Rebound-Effekte treten auf, wenn trotz Effizienzverbesserungen der Verbrauch einer Ressource nicht in dem Maße sinkt, wie es eigentlich zu erwarten wäre. Häufig werden hierfür finanzielle Gründe angeführt: Wenn Verbraucherinnen oder Verbraucher Strom sparen, reduzieren sich ihre Ausgaben, das reale Einkommen steigt. Mit diesem Geld können sie mehr vom gleichen oder andere Produkte konsumieren. Beim Umstieg auf erneuerbare Energien ist das anders, erklärt Projektleiterin Julika Weiß vom IÖW: „Da grüner Strom meist teurer ist als herkömmlicher, gehen wir davon aus, dass Kosteneinsparungen beim Umstieg auf erneuerbare Energien wahrscheinlich nur bedingt eine Rolle für Änderungen im Verbrauchsverhalten spielen. Wir können deshalb besonders gut untersuchen, welche Rolle soziale Normen, Einstellungen und psychologische Effekte spielen.“

Welche Faktoren führen zum Rebound-Effekt?

Um herauszufinden, welche Faktoren zu Rebound-Effekten führen und in welcher Größenordnung diese auftreten, führt das Projektteam Interviews und quantitative Erhebungen durch. Mit diesen Daten sollen Vorschläge entwickelt werden, wie Rebound-Effekte vermieden werden und energiesparende Tendenzen besser unterstützt werden können. Im März 2019 startete der empirische Teil des Projekts mit qualitativen Interviews in knapp 40 Haushalten in den Regionen Unterfranken und Südbaden. Die befragten Haushalte erzeugen und nutzen Strom und/oder Wärme aus eigenen Solaranlagen.

Praxispartner des Projekts sind Verbraucherzentralen, Klimaschutzagenturen sowie Unternehmen, die Dienstleistungen für die Eigenerzeugung und den Bezug erneuerbarer Energien anbieten. Dadurch können Forschungsergebnisse direkt in die Beratung und das Angebot von Dienstleistern und Energieerzeugern einfließen.

Förderschwerpunkt Sozial-ökologische Forschung

Das Projekt „Rebound-Effekte durch Umstieg auf Erneuerbare Energien? Untersuchung von Konsumenten und Prosumer-Haushalten (EE-Rebound)“ wird gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung in der Fördermaßnahme „Rebound-Effekte aus sozial-ökologischer Perspektive“ des Förderschwerpunkts Sozial-ökologische Forschung (SÖF). Die Fördermaßnahme verfolgt das Ziel, Wissen zum Umgang mit Rebound-Effekten zu generieren und daraus abzuleiten, welche Maßnahmen erforderlich sind, um diese Effekte einzudämmen und damit den Ressourcenverbrauch substanziell und nachhaltig zu reduzieren. Sie ist Teil der Forschungsagenda „Green Economy“ der Bundesregierung.

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