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Foto: MaxSolar
Das gesamte System inklusive Steuerung und Wechselrichter ist ein einem separaten Container untergebracht.

Geschäftsmodelle für Gewerbespeicher

Großbäckerei senkt Anschlusskosten mit großer Solarbatterie

Eine Großbäckerei hat einen Gewerbespeicher von BYD installieren lassen. Dieser liefert seine Energie und Leistung bei auftretenden Spitzenlasten in das Hausnetz des Unternehmens.

Die Großbäckerein Miedl ist im bayerischen Chiemgau eine bekannte Adresse, wenn es um Frühstücksbrötchen, Kuchen für den Nachmittag oder den Brotlaib für das Abendessen geht. Das Familienunternehmen setzt schon seit Jahren auf Nachhaltigkeit. Nicht nur in der Produktion kommen immer mehr Rohstoffe aus ökologischem Anbau zu Einsatz. Auch die Energieversorgung ist mit Blick auf die Zukunft eingestellt. Denn schon 2018 hat das Unternehmen eine Photovoltaikanlage mit einer Leistung von 169,9 Kilowatt auf das Dach der Hauptniederlassung in Bad Endorf installieren lassen.

Lastspitzen kosten viel Geld

Seither fließt der saubere Solarstrom in die Öfen. Doch die Anlage reicht nicht aus, um den gesamten Stromverbrauch der Großbäckerei zu decken. Den Reststrom bezieht das Unternehmen aus den Netz. Das kostet vor allem in Zeiten viel Geld, in denen die Solaranlage nicht genügend Leistung liefert, um die Spitzenlasten im Bäckereibetrieb zu decken. Das kostet jedes Jahr viel Geld. Denn die Großbäckerei muss einen leistungsstarken Stromanschluss über das gesamte Jahr hinweg finanzieren, der notwendig ist, um die seltenen Lastspitzen abzudecken.

Speicher schiebt Leistung ins Hausnetz

Um dies zu ändern, haben die Installateure von Maxsolar, einem Planer von Solar- und Speichersystemen aus dem oberbayerischen Traunstein, einen Speicher installiert, der die Lastspitzen abdecken soll. Dieses sogenannte Peakshaving lohnt sich für die Betriebe und ist eines der zentralen Geschäftsmodelle für die Anbieter von Gewerbespeichern. Die Idee dahinter ist einfach. Der Speicher wird in Zeiten geladen, in denen ein Überschuss an Solarstrom vorhanden ist. Bevor die Lastspitzen auftreten, muss er gefüllt sein. Dann kann er diese Lastspitze mit seiner Leistung decken. Dadurch sinkt die Notwendigkeit, dass das Unternehmen für diese kurzzeitigen Lastspitzen eine hohe Anschlussleistung am Netz vorhalten muss.

Lastgang analysiert

Die Aufgabe des Planers ist es, den richtigen Zeitpunkt einzustellen, zu dem der Speicher seine Leistung in das Hausnetz des Unternehmens schiebt. Außerdem muss er die Leistung einstellen, die der Speicher ins Netz einspeist, wenn eine Laststpitze auftritt. Dieser Regulationspunkt hängt einerseits von der Ausgangsleistung des Speichers ab. Andererseits ist er abhängig davon, um wie viel der Gewerbebetrieb die Anschlussleistung senken will und kann. Um diesen Punkt zu finden, haben die Planer von Maxsolar zunächst den Lastgang der Großbäckerei aus den Jahren 2018 und 2019 analysiert, um überhaupt erst einmal die Lastspitzen zu finden. Diesen Lastgang bekommen Stromkunden mit einem Verbrauch von mehr als 100.000 Kilowattstunden pro Jahr von ihrem Energieversorger, der den Lastgang dann auf 15 Minuten genau aufzeichnen muss.

System ist in einem Container installiert

Als die Lastspitzen gefunden waren, konnte das Speichersystem ausgelegt werden. Die Handwerker haben einen Gewerbespeicher von BYD installiert. Dieser kann 131 Kilowattstunden Solarstrom zwischenlagern. Der Wechselrichter von Refu speist diesen Strom bei Bedarf in das Hausnetz der Bäckerei Miedl ein. Das kann er mit einer Leistung von 88 Kilowatt. Ein Lastkontrollsystem sorgt dafür, dass er das auch zum richtigen Zeitpunkt automatisiert tut. Zusätzlich sorgt ein Batteriemonitoring dafür, dass im Speicher dann genügend Energie vorhanden ist. Die gesamte Anlage ist in einem separaten Container untergebracht, in dem auch ein Niederspannungsmessgerät, ein Schutzgerät, eine Belüftung und eine Klimaanlage zur Temperaturregelung installiert sind.

An die richtige Einstellung herantasten

Um die Leistung des Wechselrichter von 88 Kilowatt kann die Bäckerei ihre Lastspitzen am Netz theoretisch reduzieren. Allerdings haben die Planer einen Puffer eingebaut. Durch diese eher konservative Einstellung des Systems kann die Bäckerei aber ihre Anschlussleistung um immerhin 70 Kilowatt senken. Dadurch spart sie etwa 9.000 Euro pro Jahr an Netzanschlusskosten. Derzeit beobachten die Planer von Maxsolar noch den tatsächlichen Lastgang, um den Regulationspunkt eventuell noch etwa höher einzustellen. Sie gehen davon aus, dass maximal zusätzliche neun Kilowatt an Reduzierung der Anschlussleistung möglich sind. Dadurch kann die Bäckerei weitere Netzkosten sparen.

Eigenverbrauchsoptimierung geplant

Gleichzeitig plant die Großbäckerei auch noch, den Speicher zusätzlich zu nutzen. So will sie den Eigenverbrauch aus der Solaranlage weiter optimieren, indem sie den Speicher auch in die Versorgung des Betriebs jenseits der Lastspitzen einsetzt. Dazu prüft sie derzeit die entsprechenden rechtlichen Rahmenbedingungen, innerhalb derer dies möglich ist.

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