Foto: Solarwatt

Speichermarkt

Jede zweite neue Solaranlage hat einen Speicher

In Deutschland wird bereits die Hälfte der neuen Solaranlagen mit einem Speicher ausgestattet. Mit welcher Marktentwicklung der Dresdner Hersteller Solarwatt rechnet, weiß Geschäftsführer Detlef Neuhaus.

Solarwatt hat mit dem My Reserve schon einige Preise eingeheimst. Wie läuft denn der Absatz?

Unser Speicherabsatz hat sich unseren Vorstellungen gemäß entwickelt. Wir verzeichnen ein etwas geringeres Wachstum dieses Marktsegments als allgemein angenommen und gehen aktuell von etwa 32.000 Speichern in Deutschland aus.

Was sind die Gründe für den verlangsamten Absatz?

Unserer Erfahrung nach kam das gebremste Wachstum unter anderem dadurch zustande, dass im Handwerk mittlerweile der vielzitierte Fachkräftemangel Alltag geworden ist. Die stark gefallenen Modulpreise verschärfen die Lage hier noch, weil viele Installateure dieses Jahr mit Anlangen größer 100 Kilowatt sehr gut ausgelastet waren. Das deutlich kleinteiligere Residential-Geschäft wurde dadurch teilweise vernachlässigt.

Welche Märkte werden für den Speicher in den nächsten Monaten interessanter und wo stagniert es oder geht es sogar zurück?

Große Märkte sind natürlich die großen Volkswirtschaften in Asien und auch die USA und Australien. In letzterem sind wir aktiv, andere Märkte wie etwa China sind aufgrund des Marktzugangs für uns nicht relevant. Europa wird seine starke Position weiter halten.

Die Nachfrage nach Gewerbespeichern ist noch sehr verhalten. Wie wird sich dieses Segment in diesem Jahr entwickeln?

Solarwatt konzentriert sich allgemein auf den Residential-Bereich, schaut aber auch auf kleine und mittlere Handwerks- und Gewerbebetriebe. Wir sind mit der Multi-Cluster Lösung des My Reserve technisch für alle diese Anwendungen gerüstet und hat bereits Anlagen bis zu 72 Kilowatt realisiert. Gewerbebetriebe haben jedoch etwa 20 bis 25 Prozent niedrigere Energiekosten als Privathaushalte. Die Wirtschaftlichkeit ist zudem der wichtigste Punkt für ein Unternehmen bei der Entscheidung für Speicher. Im Privatbereich spielen auch das grüne Bewusstsein und der Wunsch nach mehr Autarkie eine Rolle. Speicher müssen also für eine Commercialanwendung überproportional günstiger sein als für Privatanwendungen. Dafür ist aktuell noch die Zuhilfenahme von Förderprogrammen erforderlich. Ein Sonderfall ist der Einsatz des Speichers für das so genannte Peak Shaving. Hier kann ein Stromspeicher gute Dienste leisten, um im Fall von Lastspitzen keinen zusätzlichen Strom zu benötigen. Hier ist es wichtig, dass der Stromspeicher sehr zuverlässig und schnell auf die Stromanforderung reagiert.

In Österreich laufen einige Projekte mit Quartierslösungen im Gange. Ist der Bau von gemeinschaftlich genutzten Speichern für Sie in den kommenden Monaten von Interesse und könnte sich das als zweites Standbein jenseits der Heimspeicher etablieren – vor allem auch mit Blick auf Mieterstromlösungen und die Energiewende in Städten?

Die Initiativen in Österreich sind aktuell Projekte im Forschungs- und Enwicklungsstatus. Es gibt hier einige Konzepte, bei denen die Anwendung von Speichern getestet wird. „Echte“ Quartiersösungen sind jedoch erst nach einer weiteren Novelle des Elektriztätswirtschaftsorganisationsgesetzes möglich. Da die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für Speicher aufgrund der niedrigen Strompreise in Österreich nicht so gut wie in Deutschland sind, gilt es hier abzuwarten, wie sich die Rahmenbedingungen zukünftig ändern werden. Der My Reserve lässt sich aufgrund seiner flexiblen Skalierung auch für größere Systeme und Anwendungen optimal einsetzen.

Solarwatt hat in den vergangenen Monaten in Österreich gleich zwei Vertriebskooperationen gestartet – mit ATB Becker und Sonepar. In Bayern kooperieren Sie mit Bayernwerk. Welche Bedeutung haben solche Kooperationen beim Ausbau der Marktpräsenz im Speicherbereich?

Die Kooperation mit unserem Premiumpartner ATB Becker besteht bereits seit 2006. 2017 hat man mit Sonepar einen weiteren wichtigen Schlüsselpartner dazu gewinnen können. Durch das herausfordernde Marktumfeld in Österreich ist besonders dort eine Partnerschaft mit gut etablierten Firmen wichtig, die die Fördermechanismen und die Entwicklung der österreichischen Speicherbranche aktiv im Blick haben.

Die Wirtschaftlichkeit von Speichern ist derzeit noch eine Frage der Preisentwicklung für die Geräte. Da hat die Branche schon viel geschafft. Mit welcher Preisentwicklung rechnen Sie?

Auch wenn es wie bei allen neuen Technologien langfristig sicherlich Preissenkungen im Speicherbereich geben wird, sind wir nicht der Ansicht, dass es in diesem Jahr signifikante Preisänderung geben wird. Grund dafür ist unter anderem die durch die Elektromobilität beeinflusste Nachfragesituation nach Batteriezellen, die die Beschaffung von Zellen für Heimspeicher tendenziell eher erschweren wird.

Mit welchen Ansätzen können Speicher preiswerter werden?

Stichwort hier ist „Design to cost“: das Gesamtsystem muss genau auf den jeweiligen Anwendungsfall zugeschnitten sein. Ein möglichst einfaches System ist dann gegeben, wenn man nichts mehr weglassen kann. Die Preise für Speicherzellen allein werden voraussichtlich den nicht Speicher preiswerter werden lassen und gerade kurzfristig keinen Beitrag leisten. Mittelfristig ist wahrscheinlich trotzdem davon auszugehen, dass auch die Speicherzelle zur Preissenkung beitragen können wird.

Demnächst laufen die ersten Photovoltaikanlagen aus der EEG-Förderung heraus. Wie wird das die Nachfrage nach Speichern beeinflussen und vor allem in welchen Segmenten? Schließlich sind die ersten Anlagen, die das betrifft, auch größere Generatoren.

Solarwatt rechnet auch über die nächsten Jahre mit einem großen Anteil an Speichersystemen im Neubaubereich von Photovoltaiksystemen. Der Anteil an neu gebauten Photovoltaikanlagen, die direkt mit dem Speicher kombiniert werden, wird sich sicherlich weiter auf einen Anteil von zwei Drittel erhöhen.

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