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Foto: ENOVA 
Der ideale Finanzierungspartner verfügt über langjährige Erfahrungen mit Regenerativprojekten und scheut kleinere Risiken nicht.

Post-EEG-Finanzierung

Kapitalgeber müssen sich auf Preisrisiken einstellen

Die Finanzierung von Regenerativprojekten wird anspruchsvoller. Weiterbetrieb ohne EEG und PPA-Verträge verlangen neue Lösungen.

In den vergangenen Jahren haben sich die Finanzierer regelrecht um Planer von Wind- und Solarparks streiten müssen, zumal der Markt vor allem beim Wind aufgrund von Ausschreibungen und Genehmigungsstau auf ein Minimum zusammengeschrumpft ist. In der Hinsicht war das eine komfortable Ausgangssituation für Projektentwickler. Doch für neue Parks, die nicht über Ausschreibungen finanziert werden und Bestandsanlagen, die aus dem EEG fallen, stellen sich ganz neue Finanzierungsfragen. Stromabnahmeverträge, sogenannte PPA, sollen mittelfristig feste Einspeisevergütungen ersetzen. Nur laufen PPA-Verträge nicht so lange, wie die gewünschte Bankenfinanzierung.

Übergang zur Post-EEG-Welt mit PPA-Konstruktionen

Christian Marcks von der GLS Bank sieht momentan sogar die größte Herausforderung bei der Finanzierung von Regenerativprojekten im Übergang zur Post-EEG-Welt mit PPA-Konstruktionen, bei denen Strommarktentwicklung und Abnehmerbonität bewertet werden müssen. Auch die Regenerativexperten bei ENOVA Value sehen neben dem Kontrahenten- beziehungsweise Offtaker-Risiko des Stromabnehmers die Kreditlaufzeit von Bankfinanzierungen als Herausforderung an: Eine Bank sei in der Regel nur bereit, über die Laufzeit des PPA – also zum Beispiel 10 oder 15 Jahre – zu finanzieren. „Das entspricht allerdings nicht der tatsächlichen Nutzungsdauer von bis zu 30 Jahren bei Wind- und PV-Projekten“, so ENOVA Value. Um Finanzierungs- und Nutzungsdauer in Einklang zu bringen, muss das finanzierende Kapital Marktpreisänderungsrisiken nach dem Auslaufen des PPA eingehen. Falls Banken dazu nicht bereit sein sollten, können alternative Finanzierungsquellen wie Schuldscheindarlehen oder Genussrechte genutzt werden. „Es gibt durchaus Investoren und Energieversorger, die genau nach diesem Risikoprofil suchen und sich als Finanzierungspartner anbieten“, so die Erfahrung von ENOVA Value.

Viele Banken bieten nur klassische Projektfinanzierung an

Eine weitere Schwierigkeit ist, dass viele Banken nur klassische Projektfinanzierungen mit einer KfW-Finanzierung anbieten. Windprojekte werden mit dem neuen EEG und dem ersten Aufkommen von PPAs allerdings komplexer. Die Finanzierung solcher Projekte brauche passgenaue, bedarfsgerechte Lösungen, erklärt ENOVA Value. Zum Beispiel sind das individuelle Tilgungsprofile, Kapitaldienst- und EEG-/BNetzA-Ausgleichs-Fazilitäten, Mezzanine- und Schwarmfinanzierungen, Refinanzierung von Bestandswindparks, wenn etwa der Windertrag nachhaltig höher ist als ursprünglich prognostiziert. Jürgen Broers von der Nord LB bestätigt dies und empfiehlt: „Der Planer sollte darauf achten, dass sein Finanzierungspartner sich bereits frühzeitig auch mit den besonderen Gegebenheiten seines Vorhabens auseinandersetzt.“ Ein generelles Angebot, zum Beispiel drei Windenergieanlagen am Standort XY zu finanzieren, reiche nicht aus. Das Gesamtkonzept mit allen Rahmenbedingungen des Projektes müsse im Finanzierungsangebot berücksichtigt werden. „Wir geben daher in der Regel sehr umfassende Angebote ab, damit der Kunde rechtzeitig die Details der Finanzierungszusage kennt und was ihn als Auszahlungsbedingungen erwartet.“ Die Nord LB, seit 1991 aktiv in der Finanzierung von Windenergievorhaben, biete individuell auf Projekt und Standort zugeschnittene Finanzierungskonzepte an. Dazu gehöre auch die Strukturierung von Finanzierungen auf PPA-Basis.

Tiefgreifende Expertise

Auch ENOVA Value hat langjährige Erfahrung bei der Finanzierung von Bestands- und Neuwindparks. Das Unternehmen verfügt über tiefgreifende Expertise, da ein Großteil der Mitarbeiter des Investment- und Assetmanagements von ENOVA selbst gelernte Banker sind und langjährig in der Projektfinanzierung gearbeitet haben. So wurden nach Angaben des Unternehmens bereits innovative Lösungen erfolgreich umgesetzt, zum Beispiel die Optimierung von bestehenden Finanzierungen durch die Auflösung von Liquiditätsbindenden Kapitaldienst- und Wartungsreserven, die Verlängerung von Kreditlaufzeiten und der Anpassung von Tilgungsstrukturen, Refinanzierung und Akquisitionsfinanzierung von Bestandswindparks, Betriebsmittelkredite zur Abdeckung von Wartungsschäden auch an Großkomponenten, Mezzanine-Finanzierungen mit Kapitalsammelstellen - zum Beispiel Versicherungen, Investmentgesellschaften - und Bürgerbeteiligungen über Schwarmfinanzierungen. ENOVA könne als Teil der Planung auch individuelle Finanzierungskonzepte erarbeiten und dadurch eine passgenaue Finanzierung sicherstellen.

Finanzierungs- und Strukturierungskompetenz

Ein großer Pluspunkt für ENOVA sei die Kombination aus technischem Know-How bei der Planung, Betriebsführung sowie Wartung von Windkraftanlagen und einer hohen Finanzierungs- und Strukturierungskompetenz unter einem Dach. „Wir wissen, wovon wir reden und sprechen mit allem involvierten Beteiligen (Planern, Betreibern, Grundstückseigentümern, Gemeinden, Behören, Herstellern, Banken, Investoren, Versicherungen, Direktvermarktern, Netzbetreibern) auf Augenhöhe“, so ENOVA Value.

Finanzierungsdauer (18 Jahre) war zu kurz

Das Unternehmen ist bereits seit rund 30 Jahren als Projektentwickler aktiv. „Allerdings haben wir in den letzten Jahren festgestellt, dass Windprojekte und deren Finanzierung zunehmend anspruchsvoller werden. Daher haben wir uns 2016 dazu entschieden, diesen Bereich, der auch Investment- und Assetmanagement genannt wird, auszubauen und unsere Kompetenz auch externen Partnern zur Verfügung zu stellen.“ Ein Erlebnis aus der jüngeren Zeit bestätigt das. ENOVA hatten Interesse am Kauf eines Windparks, der gerade in Betrieb gegangen war. „Der Kaufpreis war, wie aktuell so häufig, sehr hoch“, heißt es vom Unternehmen. Die von den Verkäufern vorgesehene Bankfinanzierung sei dabei nicht optimal strukturiert worden. Das heißt: die Finanzierungsdauer (18 Jahre) war zu kurz, die Kapitaldienstreserve hat Liquidität gebunden, die Kapitaldienstfähigkeit wurde nicht voll genutzt, die Tilgungsstruktur hat sich nicht an dem Cashflow des Windparks orientiert und die Betriebskosten waren in vielen Bereichen zu hoch. Durch Neustrukturierung der Bankfinanzierung konnte ein Teil der Kapitaldienstreserve durch eine Betriebsmittellinie ersetzt werden, der andere Teil wurde langfristig in ein bankeigenes Rentenprodukt mit Kapitalschutz investiert, die Betriebskosten wurden optimiert, die Tilgungsstruktur und die Kreditlaufzeit wurden angepasst. Am Ende konnte der überwiegende Teil des Kaufpreises durch Bankmittel und eine Mezzanine-Finanzierung finanziert werden, wodurch der Kauf des Windparks unter Berücksichtigung des eigenen Kapitalverzinsungsanspruchs stattfinden konnte. „Der Erwerb erfolgte in einem Joint Venture mit einem Partner, der durch unsere Leistung auch seine Finanzierungsstruktur optimieren konnte“, berichtet ENOVA Value. 

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