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Nachtkennzeichnung für Windkraft: Neue BNK-Lösung mit wenig Aufwand

Die Bedarfsgerechte Nachtkennzeichnung ist nun für Windkraftanlagen Pflicht. Thomas Herrholz, Geschäftsführer der Dark Sky GmbH, sagt was das bedeutet.

Nicole Weinhold

Alle sprechen über bedarfsgerechte Nachtkennzeichnung (BNK). Mit Beschluss vom 05.11.2020 hat die Bundesnetzagentur die Frist zur Aus- und Umrüstung von Windenergieanlagen an Land mit Einrichtungen zur bedarfsgesteuerten Nachtkennzeichnung (BNK) um eineinhalb Jahre auf den 31.12.2022 verlängert. Warum?

Thomas Herrholz: Es war offensichtlich, dass es noch zu viele Fragen rund um die neue Allgemeine Verwaltungsvorschrift zur Kennzeichnung von Luftfahrthindernissen (AVV) gibt und die Frist Mitte 2021 nicht zu halten war. Die BNetzA hat dazu ein Konsultationsverfahren gestartet und viele Unternehmen und Verbände hatten sich entsprechend geäußert. Die meisten Forderungen lagen bei ein bis zwei Jahren Fristverlängerung, insofern ist die BNetzA den Vorschlägen aus der Branche gefolgt. Bei Dark Sky hatten wir wegen der kurzen Zeit bis zum Fristende die Anzahl der anzuschließenden Windenergieanlagen (WEA) begrenzt. Mit der Fristverlängerung können wir das Budget jetzt deutlich erweitern. Es sind aber noch nicht alle offenen Fragen beantwortet, insbesondere zum Thema der projektspezifischen Prüfungen.

Dark Sky hat ja in Kooperation mit Becker Avionics ein völlig neues Transpondersystem entwickelt. Wie funktioniert das?

Thomas Herrholz: Wir haben eine dezentrale BNK-Lösung entwickelt, die sich stressfrei ohne großen Aufwand installieren lässt. Derzeit dominiert im Markt der Ansatz, mit möglichst wenigen Empfängern möglichst viele Windenergieanlagen zu schalten. Das funktioniert nur mit guten und nutzbaren Netzwerken im Windpark und zwischen Windparks. Der Aufwand für Bestandsaufnahme, Planung und Herstellung dieser Netzwerke ist aus unserer Sicht aber unverhältnismäßig hoch, dazu kommen hohe Auflagen wegen der IT-Sicherheit. Daher installieren wir auf jeder Anlage einen unabhängigen Transponderempfänger, eine Mobilfunkantenne und zwei Infrarotfeuer – das funktioniert ohne Netzwerke. Neben der großen Kompatibilität hat dies den Vorteil, dass es auch für kleinere Windparks und Einzelanlagen vertretbar ist.

Sie haben bereits 2007 erste Feldtests mit BNK gemacht. Welche wichtigen Erfahrungen haben Sie im Lauf der Jahre gemacht?

Thomas Herrholz: Für unser 2015 in Betrieb genommenes Pilotprojekt mussten wir eine sehr aufwändige Vernetzung mit unterschiedlichen Windenergieanlagen- und Befeuerungsanbietern sowie den Betreibergesellschaften herstellen und Kabel neu verlegen, was sehr viel Zeit kostete. Die Erfahrung von nun über 400 erfolgreich an unsere BNK-Systeme angeschlossenen Windenergieanlagen ließ uns das Paradigma des zentralen Ansatzes hinterfragen.

Was heißt das?

Thomas Herrholz: Transponderempfangstechnik ist günstig, daher kann sie einfach auf jedem Hindernis installiert werden. Das kostet meist weniger als einen zentralen Empfänger aufwändig zu vernetzen. Zudem gewinnt man eine Redundanz und kann viele Vorgänge bei der Installation standardisieren. So können wir einen Preis je WEA anbieten und müssen keine aufwändigen Projektleistungen kalkulieren.

Was müssen die Kunden beachten?

Thomas Herrholz: Ein wichtiges Thema ist die Herstellung einer BNK-Schnittstelle am Befeuerungssystem. Viele Hersteller bieten heute Komplettpakete an, in denen sie die Befeuerung komplett umrüsten. Das ist in den meisten Fällen aber gar nicht möglich, denn die meisten älteren Befeuerungssysteme lassen sich anbinden und somit muss man dann auch nicht die verschärfte Anforderung der neuen AVV erfüllen, z.B. bei der unterbrechungsfreien Stromversorgungs-Zeit. Bei dezentralen BNK-Systemen wird auch die Zentralschnittstelle nicht benötigt, die oft ein Bestandteil der BNK-Pakete ist. Somit lässt sich viel Geld sparen, sofern der Hersteller eine dezentrale Schnittstelle zum vorhandenen System anbieten kann. Grundsätzlich können wir hier auch immer Angebote machen und die Anbindung vornehmen, dabei gilt es aber immer auch auf bestehende Wartungsverpflichtungen zu achten.

Wie genau wollen Sie die schnelle Systemmontage realisieren?

Thomas Herrholz: Ursprünglich planten wir, 2.000 Windenergieanlagen unter Vertrag zu nehmen und bis zum Fristende rechtzeitig auszustatten, mit der neuen Fristverlängerung hätten wir Kapazitäten für bis zu 5.000 WEA. Größter Tempohebel ist die dezentrale Systemlösung, die deutlich schneller geplant und realisiert werden kann. Unsere Teams werden in vielen Fällen auch ohne Detailkenntnis der WEA eine BNK-Nachrüstung innerhalb eines Tages vornehmen können.

Web-Wegweiser: www.dark-sky.com

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