Foto: Schleswig-Holstein Netz

Grüner Wasserstoff

Power-to-Gas-Anlage speist Wasserstoff ins Erdgasnetz

Schleswig-Holstein Netz hat in Brunsbüttel die erste Anlage in Schleswig-Holstein zur Einspeisung von grünem Wasserstoff ins Erdgasnetz errichtet.

Inhaltsverzeichnis

Nicole Weinhold

Die Firma SH Netz hat für 4,5 Mio. Euro die erste Anlage zur Aufnahme von grünem Wasserstoff ins Erdgasnetz in Schleswig-Holstein installiert. Betreiber der Power-to-Gas-Anlage ist die Wind2Gas Energy GmbH & Co. KG. Sie beliefert auch die Wasserstofftankstelle der H2 Mobility mit grünem Wasserstoff. Sowohl die Einspeiseanlage von SH Netz als auch die Power-to-Gas-Anlage von Wind2Gas Energy wurden auf dem Gelände der Covestro Deutschland AG in Brunsbüttel errichtet. Ebenfalls auf dem Gelände befindet sich die Wasserstofftankstelle, diese ist öffentlich zugänglich.

Produktion, Umwandlung, Speicherung

„Die Anlage zur Aufnahme von Wasserstoff aus Windenergie ins Gasnetz ist ein weiterer wichtiger Schritt für eine erfolgreiche Energiewende nach dem Motto: aus der Region - für die Region“, erläutert Joachim Kabs, Technikvorstand von SH Netz.

Tim Brandt, Geschäftsführer Wind2Gas Energy, sagt: „Der ganzheitliche Ansatz – Produktion von Windstrom, Umwandlung von überschüssigem Strom in Wasserstoff, die Speicherung in Tanks für die geplante Wasserstoff-Tankstelle sowie die Einspeisung der verbleibenden Menge ins Erdgasnetz wird nun am Energie- und Industriestandort Brunsbüttel erprobt und demonstriert.“

Entwicklungspfad zum Energiesystem der Zukunft

Die Mittel zur Errichtung der Elektrolyse-Anlage werden zum Teil durch das vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie im Rahmen des Sinteg-Programms geförderte Verbundprojekt New 4.0 – Norddeutsche EnergieWende bereitgestellt, an dem 60 Partner aus Schleswig-Holstein und Hamburg gemeinsam den Entwicklungspfad zum Energiesystem der Zukunft erproben.

Die Wasserstofftankstelle Brunsbüttel entspricht dem neuesten Stand der Technik und stammt vom Technologieunternehmen Linde. Das Betanken ist in drei bis fünf Minuten abgeschlossen. Der Betrieb eines Brennstoffzellen-Pkw verursacht keine lokalen Schadstoffe oder Emissionen. Die Reichweite liegt bei 500 bis 700 Kilometern pro Tankfüllung. In Brunsbüttel können täglich bis 80 Wasserstoff-Pkw versorgt werden.

Reinheit und Feuchtigkeit wird geprüft

Bevor der in der Power-to-Gas-Anlage produzierte Wasserstoff ins Erdgasnetz gelangt, wird in der Messstrecke geprüft, ob der Wasserstoff die Anforderungen hinsichtlich Reinheit und Feuchtigkeit erfüllt. Außerdem wird die Gasmenge des Wasserstoffs gemessen. Anschließend wird der Wasserstoff in zwei Verdichtern auf den Netzdruck der Hochdruckerdgasleitung verdichtet und eingespeist. Diese redundante Ausführung gewährleistet die notwendige Verfügbarkeit der Anlage von 96 Prozent.

Betriebsdaten fernüberwacht

Die Einspeiseanlage ist vollständig fernüberwacht. Sämtliche Betriebsdaten laufen in der zentralen Netzleitstelle von SH Netz in Rendsburg zusammen. Ein Zugriff auf die Anlage durch autorisiertes Personal ist unter Anwendung modernster IT-Sicherheit auch über einen Laptop möglich. „Sowohl die Motoren der Verdichter als auch die Wärmepumpe für die Heizung des Betriebsgebäudes werden mit regenerativ erzeugtem Strom betrieben. Wir haben besonderen Wert auf einen möglichst umweltschonenden Betrieb gelegt“, erläutert Gregor Paul, Projektleiter bei SH Netz.

Windpark Westerbüttel liefert Strom für Wasserstoff

Den Windstrom für die Power-to-Gas-Anlage liefert der Windpark Westerbüttel, errichtet auf der Nordseite des Stadtgebiets Brunsbüttel. Die Power-to-Gas-Anlage kann in Spitzenzeiten bis zu 450 Kubikmeter Wasserstoff die Stunde produzieren. Das entspricht rund 40 Kilogramm pro Stunde. Zum Vergleich: Ein mit Wasserstoff angetriebener Brennstoffzellen-PKW kann mit einem Kilogramm ca. 100 Kilometer weit fahren.

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