Foto: Siemens Gamesa

Offshore-Windenergie

Siemens Gamesa und GE stellen neue Superturbinen auf

Windturbine Nummer zwei und drei der „Klasse 10+X MW“: Die Hersteller Siemens Gamesa und GE errichten Prototypen mit Rekordrotoren noch in diesem Jahr.

Inhaltsverzeichnis

Tilman Weber

Schon 2017 angekündigt, nun stehen ihre Maße und ihre Errichtung noch im Jahr 2019 fest: Offshore-Windturbinen-Weltmarktführer Siemens Gamesa kündigte am Mittwoch die Produktion der nächsten Anlagenklasse für Windparks im Meer mit getriebelosem Direktantrieb an. Der neue Windturbinentyp SG 10.0-193 DD wird nicht nur einen neuen Rekord bei der Rotorgröße erzielen, sondern auch jährlich bis zu 30 Prozent mehr Stromernte ermöglichen. Das erreicht der dänisch-deutsch-spanische Windkraftkonzern nicht zuletzt dank der 94 Meter langen Rotorblätter. Sie überragen die bisherigen längsten Windturbinenflügel des weltweiten Windturbinenserien-Angebots um gleich mehr als zehn Meter. Den bisherigen Längenrekord hat Siemens Gamesa aktuell schon mit der Acht-MW-Windenergieanlage SG 8.0-167 DD inne, deren Serienproduktion 2020 starten soll und deren Prototyp im August 2018 ans Netz ging.

Bewährte Technologie, Anlagenplattform erlaubt Leistungswachstum

Mit der neuen Anlage wird Siemens Gamesa offenbar auch eine neue Turbinenplattform mit einigen, wenngleich wenigen veränderten Grundmaßen auf den Markt bringen. Das Unternehmen kündigte die Anlage als „die erste 10+-MW-Offshore-Turbine des Unternehmens“ an. Dabei deutet das Plus hinter der 10 gemäß branchenüblicher Klassifizierung an, dass zehn MW nur die Ausgangsgröße für eine wohl mehrjährige Folge von Weiterentwicklungen dieses Anlagentyps mit immer neuen Nennleistungen ist. Möglicherweise – wenngleich nicht notwendigerweise – lässt eine solche Plattform auch wachsende Rotorgrößen zu. Die bisherige Anlagenplattform der Offshore-Direktantriebsanlage im Siemens Gamesa-Portfolio war vor mehreren Jahren bei sechs MW mit einem Anlagentyp mit 154 Meter Rotordurchmesser gestartet.

Siemens Gamesa kündigte an, die Serienproduktion der neuen Zehn-MW-Klasse ab 2022 aufzunehmen. Die Produktion der Maschinenhäuser soll dann im neuen Produktionswerk des Unternehmens in Cuxhaven stattfinden.

Forschung und Entwicklung: Transport mit existierenden Fahrzeugen

„Die neue SG 10.0-193 DD vereint die Erfahrungen und das Wissen aus fünf Generationen erprobter Antriebstechnologie in einer Zehn-MW-Turbine“, sagte Siemens Gamesa-Chef Markus Tacke. Die Neuentwicklung sei zudem ein „Vorzeigeprojekt starken Betriebsverhaltens, zügiger Markteinführung und geringen Risikos im Offshore-Windenergie-Markt“. Genaue Angaben dazu , ob und wo die neue Anlagenplattform die Leistungserhöhung mit größeren Komponenten und neuen Dimensionen des Antriebsstrangs bewältigt, machte Siemens Gamesa nicht. Doch erklärt die Unternehmenssprecherin Verónica Diaz Lopez auf Nachfrage von ERNEUERBARE ENERGIEN: Zwar seien sämtliche Angaben zur Masse von Komponenten vorerst vertraulich. Doch im Vergleich zum nächsten in Serie produzierten Acht-MW-Anlagentyp SG 8.0-167 DD sei „alles einfach hochskaliert, um die Verwendung bewährter und getesteter Technologie zu garantieren“. Die Entwickler im Konzern hätten während des Designprozesses „einen speziellen Fokus darauf gelegt, dass sie die Turbine für schon existierende Transportfahrzeuge, Fabriken und Installationsmethoden designen“.

Die so angekündigte Anlage kommt als erst zweites Zehn-MW-Turbinenmodell der Windkraft auf den Markt. Im September vergangenen Jahres hatte Siemens Gamesas Hauptkonkurrent Vestas eine Anlage mit zehn MW und 164 Meter Rotordurchmesser angekündigt, die ab 2021 für kommerzielle Kundenprojekte ausgeliefert werden kann. Der Zehn-MW-Typ von Vestas soll noch im Rahmen der bisherigen Plattform der V164 entstehen. Sie war anfangs mit sechs MW Nennleistung angekündigt worden, und dann zunächst mit sieben und acht MW in erste Meereswindparks gekommen und nach einer sukzessiven Leistungserhöhung zuletzt mit 9,5 MW in den Verkauf gegangen.

GE errichtet Offshore-Superanlage mit Direktantrieb in Rotterdam

Eine Turbine mit sogar mehr als zehn MW hatte auch Windturbinenbauer GE schon angekündigt. Ebenfalls am Mittwoch meldete GE, der Prototyp der Zwölf-MW-Anlage mit 220-Meter-Rotor werde noch in diesem Jahr im niederländischen Rotterdam entstehen. Die von GE-Tochter LM Wind Power produzierten Rotorblätter haben eine Länge von 107 Metern und werden den von Siemens Gamesa anvisierten Rekord beim Rotordurchmesser toppen. Die Windenergieanlage So oder so steht fest: Wer von beiden Wettbewerbern den Prototyp zuerst errichtet, wird zumindest für kurze Zeit hier der neue Rekordhalter sein. Auch GE will den kommerziellen Verkauf der neuen Anlage nun 2021 beginnen.

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