Das Onhore-Geschäft von Senvion in Deutschland könnte einen Käufer gefunden haben.
Foto: Senvion

Nach der Insolvenz

Siemens Gamesa will Teile von Senvion übernehmen

Ausgewählte Service- und Onshore Assets stehen vor dem Verkauf. Damit könnten 500 Jobs gerettet werden. Doch in der Branche stehen die Zeichen auf Jobabau.

Inhaltsverzeichnis

Katharina Wolf

Der insolvente Windenergieanlagenhersteller Senvion wird wohl einen Teil seines Unternehmens am seinen Konkurrenten Siemens Gamesa verkaufen. Wie das Unternehmen gestern mitteilte, haben die beiden Firmen eine nicht-bindende Exklusivitätsvereinbarung abgeschlossen. Sie bildet den Rahmen für weitere Verhandlungen, die Senvion über den Verkauf ausgewählter europäischer Service- und Onshore-Assets Geschäfte mit Siemens Gamesa führt. Die Vereinbarung wurde vom Gläubigerausschuss einstimmig genehmigt. Ende September sollen die Verhandlungen nach Aussagen von Senvion abgeschlossen sein.

Was wird aus dem Offshore-Geschäft?

Zunächst kann also der Betrieb zumindest teilweise weiterlaufen. Die finanziellen Mittel zur Sicherstellung der Betriebsfortführung bis zum Abschluss bindender Vereinbarungen lägen vor, betont Senvion. Die Fortführungsprojekte für Windkraftanlagen würden fortgesetzt und sicherten die Arbeitsplätze in der Produktion in den nächsten Monaten, teilweise bis in den Sommer 2020. Für die übrigen Geschäftsfelder gilt das nicht: Hier prüfe das Unternehmen Optionen und setze die Verhandlungen mit Investoren fort.

Derzeit sind maximal 500 Jobs gerettet

Unzufrieden hat sich deshalb die IG Metall geäußert: Das Ergebnis sei ernüchternd. „Die Ankündigung von Siemens Gamesa, einen Teil des Unternehmens zu übernehmen, gibt den Beschäftigten nach Monaten des Wartens endlich etwas mehr Klarheit. Allerdings zeichnet sich mit dem geplanten Verkauf nur für 500 der ehemals 1.800 Beschäftigten in Deutschland eine Übernahme durch den neuen Investor ab“, sagte Meinhard Geiken, Bezirksleiter der IG Metall Küste. Derzeit sind nach Angaben der Gewerkschaft noch etwa 1.400 Mitarbeiter bei Senvion in Deutschland beschäftigt. Für rund 900 von ihnen gebe es noch keine Perspektive, so Geiken.

Windbranche hat seit 2016 fast 40.000 Stellen abgebaut

Damit steigt die aller Voraussicht nach eine Zahl, die ohnehin schon hoch erscheint: Mehr als 36.000 Jobs hat die Windbranche in den letzten Jahren verloren. Einen Rückgang von 161.000 Arbeitsplätzen 2016 auf 135.000 nur ein Jahr später gab die Bundesregierung in einer aktuellen Antwort auf eine Anfrage von Lorenz Gösta Beutin, Klima- und energiepolitischer Sprecher der Linken, an. Die IG Metall rechnete zudemauf der Husum Wind vor, dass seitdem gut 10.000 weitere Arbeitsplätze verlorenen gegangen sind, davon 1.200 bei Enercon, 500 bei Nordex und mehr als 400 bei Carbon Rotec in Lemwerder.

Betriebsräte der IG Metall sind pessimistisch

„Die Auswirkungen der Senvion-Insolvenz kommen da noch hinzu“, sagte Martin Bitter, Geschäftsführer der IG Metall Rendsburg auf der Husum Wind. Fast 25 Prozent der Betriebsräte rechnen mit mehr Stellenabbau. Senvion ist dabei nur ein besonders krasser Fall unter etlichen. Laut der aktuellen Betriebsratsumfrage, deren Ergebnisse die Gewerkschaft auf der Messe präsentierte, rechnet fast ein Viertel der Betriebsräte mit weiterem Stellenabbau, mehr als 70 Prozent erwarten eine negative Geschäftsentwicklung in den kommenden Jahren.

Insgesamt hat die IG Metall Betriebsräte aus 30 Betrieben mit mehr als 20.000 Beschäftigten befragt. „Paradoxerweise hatten wir noch nie so viele Betriebsräte in unserer Befragung und noch so negative Aussichten“, so Bitter.

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