Foto: Stephan Rudolf-Kramer/Wemag

Photovoltaik- und Windmarkt in Europa

Solar- und Onshore-Windkraft ohne Förderung wirtschaftlich

Photovoltaik- und Windkraftanlagen an Land sind in vielen Teilen Europas bereits wirtschaftlich, wenn der Strom an der Börse vertrieben wird. Weitere Länder folgen in Kürze.

Solar- und Windkraftanlagen an Land sind in vielen europäischen Ländern schon längst auch ohne staatlich garantierte Einspeisevergütung oder Marktprämie wirtschaftlich. In weiteren Ländern werden die beiden Technologien demnächst die Marktparität erreichen. Das heißt, dass sie allein mit dem Verkauf des Stroms an der Börse wirtschaftlich betrieben werden können. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung des Berliner Beratungsunternehmens Enervis.

Die Analysten haben sich dazu die Erträge aus den Solar- und Windkraftanlagen in den vergangenen Jahren seit 2015 angesehen. Sie haben sich dabei auf die 20 größten Stromhandelsmärkte der EU konzentriert. Diese Erträge haben sie dann mit dem Stromhandelspreis abgeglichen. Die dadurch möglichen Erlöse aus dem Stromverkauf haben die Berliner mit den Gesamtkosten für die Anlagen abgeglichen. Dazu gehören nicht nur die Investitions- sondern auch die Finanzierungs- und die laufenden Betriebskosten. Dadurch konnten sie herausfinden, zu welchem Zeitpunkt die Gesamtkosten für die Solar- und Onshore-Windkraftanlagen ausschließlich durch den Stromverkauf gedeckt werden können, die sogenannte Marktparität also erreicht ist.

In Südeuropa Marktparität erreicht

Das Ergebnis: In insgesamt neun europäischen Märkten können die Betreiber von Solar- und Windkraftanlagen an Land ihre Generatoren wirtschaftlich auch ohne staatliche Förderung betreiben. So ist die Marktparität in den südlichen Ländern wir Spanien, Portugal, Italien und Griechenland längst gegeben. Dort können schon seit Jahren Anlagen gebaut werden, die sich nur über den direkten Stromverkauf an der Börse oder an einen Energieversorger rechnen. Die erste dieser Anlagen hat der Projektierer Baywa re in Spanien im vergangenen Jahr in Betrieb genommen.

Immerhin 175 Megawatt leistet der Solarpark Don Rodrigo, der auf einem Areal von 265 Hektar im Süden des Landes errichtet wurde. Für das Tübinger Unternehmen ist das nur der Anfang einer ganzen Reihe von Solarprojekten dieser Größenordnung in Europa, bei dem man ohne jegliche staatliche Förderung auskommen wird.

Unabhängig von politischen Unwägbarkeiten

Andere Länder wie beispielsweise Deutschland, Skandinavien oder Polen, die weniger üppig mit Sonnenschein gesegnet sind wie die Südeuropäer, stehen schon an der Schwelle dieser Marktparität. So werden hier auch schon die ersten Anlagen geplant, die ohne Förderung auskommen. In den Niederlanden hat der Projektierer Wirsol schon im vergangenen Jahr einen Solarpark errichtet, der ausschließlich mit dem Stromverkauf wirtschaftlich ist. Das allerdings nicht mit dem Stromverkauf an der Börse, sondern mit der direkten Stromlieferung an einen Endkunden. Denn die gesamte Solarenergie wird der Internetgigant Google vollständig abnehmen.

Die Tatsache, dass sich die Solar- und Onshore-Windkraft auch ohne staatliche Unterstützung rechnet, ist ein riesiger Vorteil. Denn damit werden beide Technologien unabhängig von den politischen Unwägbarkeiten. Schließlich hatten gerade die europäischen Regierungen immer wieder an den Förderstellschrauben gedreht, wenn es darum ging, den Ausbau zu bremsen. Das ist dann nicht mehr möglich. Die Solar- und Windkraft muss dann aktiv behindert werden, was komplizierter sein dürfte als einfach den Förderhahn zuzudrehen. In Zukunft werden die zukünftigen Ausbaupfade erneuerbarer Energien in Europa weniger von nationalen Zielen, sondern durch den wirtschaftlichen Ausbau getrieben werden.

Gleichzeitigkeit vermeiden

Es ist aber auch nicht ganz unproblematisch, allein auf den Stromverkauf an der Börse zu bauen. Denn beide Technologien sind wetterabhängig. So produzieren, wenn die Sonne scheint, viele Solaranlagen eine große Menge an Strom, der gleichzeitig auf den Markt drängt. Vor einem solchen Gleichzeitigkeitseffekt warnen die Analysten auch im Falle der Windkraft an Land. Sie haben es konkret anhand der historischen Ertragsdaten ausgerechnet: Die Strommarkterlöse sinken dann gegenüber dem durchschnittlichen Strompreisniveau in den untersuchten Strommärkten relativ gesehen ab. „So zeigten beispielsweise Deutschland, Dänemark und Teile Italiens bereits 2018 Kannibalisierungsverluste von zehn bis 20 Prozent für Onshore-Wind gegenüber dem durchschnittlichen Strompreis“, betonen die Berliner Analysten. „Dies lässt sich mit den jeweiligen Anteilen von erneuerbaren Erzeugungskapazitäten erklären.“

Eine Lösung aus diesem Dilemma wäre die parallele Entwicklung von Solar- und Windkraftanlagen auf den gleichen Areal. Wenn diese beiden Anlagen parallel betrieben und als ein Projekt gerechnet werden, kommt man aus dem Kannibalisierungsdilemma heraus. Denn die beiden Technologien ergänzen sich in ihrer Erzeugungsstruktur.

Unabhängigkeit in Kanada

Nicht nur Europa macht sich unabhängig von der Förderung. So plant Innogy den Bau von zwei Solarparks in Kanada – auch nicht gerade ein Land, das für üppige Sonneneinstrahlung bekannt ist. Die beiden Anlagen mit einer Gesamtleistung von 57 Megawatt werden komplett ohne staatlich garantierte Einspeisevergütung auskommen. Die beiden Anlagen sollen noch in diesem Jahr in Betrieb gehen. Die Planung und Umsetzung des Projekts wird der Projektierer Belectric übernehmen – ein Tochterunternehmen mit viel Erfahrung beim Bau von Freiflächensolarkraftwerken.

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