05.05.2014
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Riesenpotenzial für Städte

Solarstrom für Mieter

Die Heidelberger Energiegenossenschaft hat die maximale Leistung auf die Dächer gebracht. Nur so bleibt das Risiko begrenzt, wenn die Mieter den Strom nicht abnehmen.
Die Heidelberger Energiegenossenschaft hat die maximale Leistung auf die Dächer gebracht. Nur so bleibt das Risiko begrenzt, wenn die Mieter den Strom nicht abnehmen. - 
Foto: Heidelberger Energiegenossenschaft

Hier wird aber auch das eigentliche Problem klar. Denn ohne einen Energieversorger wie Lichtblick im Rücken würde das nicht funktionieren. „Schließlich kann der Vermieter den Mieter nicht zwingen, den Solarstrom vom Dach abzunehmen“, betont Reiner Wild vom Berliner Mieterverein. Er fordert schon lange, die Eigenverbrauchsregelung auf den Verbrauch durch die Mieter im Gebäude auszuweiten. Eine Forderung, die der Deutsche Mieterbund zusammen mit dem Verbraucherzentrale Bundesverband und dem Bundesverband der Deutschen Wohnungs- und Immobilienunternehmen jetzt als Anspruch an die Politik formuliert hat. „Denn letztlich kann der Vermieter nur seinen Solarstrom vom Dach verkaufen, wenn er konkurrenzfähig gegenüber dem Strom aus dem Netz ist“, sagt Ulrich Ropertz. „Der Vermieter muss wie ein normaler Stromanbieter auftreten.“ Das funktioniert aber nur, wenn der Solarstrom für den Mieter die gleichen Vergünstigungen bekommt, wie der Solarstrom, den ein Hauseigentümer selbst verbraucht. Das Argument dafür ist, dass der Strom zwar rein rechnerisch das Haus verlässt, wenn er nicht vom Mieter abgenommen wird, rein physikalisch das Netz aber nicht belastet, weil der Mieter ihn tatsächlich auch verbraucht. Immerhin nutzt Lichtblick das Solarstromprivileg und kann damit den Solarstrom mit einer um zwei Cent pro Kilowattstunde verringerten EEG-Umlage anbieten. Außerdem fallen dann keine weiteren Abgaben wie Netzentgelte, Konzessionsabgabe, KWK-Umlage und Stromsteuer an.

Mehr geht nicht

Mit der Wirtschaftlichkeit der Anlagen zur Erzeugung von Solarstrom für Mieter schlägt sich auch die Heidelberger Energiegenossenschaft herum. Sie hat in Nußloch bei Heidelberg Solaranlagen auf sieben Mehrfamilienhäusern errichtet. „Angefangen haben wir damit im April 2013“, erinnert sich Andreas Gißler, Vorstand der Energiegenossenschaft. Seit Juli 2013 versorgt die Genossenschaft mit insgesamt 445 Kilowatt Solarleistung alle 116 Mieteinheiten. Sie rechnet damit, dass die 3.000 Quadratmeter Modulfläche etwa 370 Megawattstunden pro Jahr liefern. Um den Ertrag dem Lastprofil der Mieter zumindest ansatzweise anzugleichen, stehen die Module in einer Ost-West-Ausrichtung auf den Dächern. Mehr ging nicht. Die Heidelberger haben davon abgesehen, auch noch die Leistung der Anlage dem Lastprofil anzupassen. Denn die Unsicherheiten sind groß. Zwar geht Gißler davon aus, dass die Bewohner den Solarstrom abnehmen, aber zwingen kann er sie nicht. Deshalb muss das EEG als Backup dienen. „Wir haben die Dächer mit so viel Leistung wie möglich belegt“, erklärt Gißler. Die Heidelberger müssen mindestens zehn Prozent des Stroms verkauft bekommen und den Rest mit Anspruch auf EEG-Vergütung einspeisen. „Die Anlage muss so ausgelegt sein, dass sie in den nächsten 20 Jahren keine Miesen produziert“, erklärt Gißler. „Alles, was darüber hinausgeht, was wir zum Beispiel an die Mieter verkaufen, ist natürlich gut für die Wirtschaftlichkeit der Anlage.“

Wie in Berlin ist auch das System in Heidelberg in 14 Einzelanlagen aufgeteilt. „Jedes Haus hat zwei Aufgänge und jeder Aufgang hat seinen eigenen Netzanschluss und damit auch seine eigene Anlage“, beschreibt Andreas Gißler. „An jedem Netzanschluss sitzt ein Zwei-Wege-Zähler, der misst, wie viel Strom aus dem Gebäude heraus- und ins Gebäude hineinfließt. Hinter diesem Zähler sind noch der Ertragszähler der Photovoltaikanlage und die Kundenzähler installiert.“ Über dieses System können die Heidelberger ihre Bilanz ziehen und jedem Kunden den verbrauchten Solarstrom in Rechnung stellen. „Wir gehen davon aus, dass 60 Prozent des Stroms physikalisch im Gebäude bleibt“, sagt Gißler. Das bedeutet: Auch Mieter, die keine Kunden der Energiegenossenschaft sind, verbrauchen eigentlich Solarstrom vom Dach.

Bisher haben die Heidelberger 15 Verträge abgeschlossen. Wie viele Mieter noch dazukommen, bleibt noch abzuwarten. „Aus Erfahrungen mit BHKW-Projekten anderer Anbieter wissen wir, dass man normalerweise mit zehn bis 30 Prozent der Mieter anfängt“, erklärt Andreas Gißler. „Nach ein paar Jahren steigt der Anteil dann auf 70 bis 80 Prozent der Mieter.“ Immerhin haben die Heidelberger mit Naturstrom einen starken Partner mit im Boot sitzen. Ohne den würde es nicht gehen. „Wir zahlen für unseren Strom die volle EEG-Umlage“, erklärt Gißler. „Wir erzeugen unseren Solarstrom für 14,6 Cent pro Kilowattstunde. Wenn wir jetzt noch die EEG-Umlage von 6,24 Cent pro Kilowattstunde draufrechnen, sind wir schon bei über 20 Cent. Hinzu kommen die Mehrwertsteuer, die auf die EEG-Umlage anfällt, und die anderen Abgaben. Dann kommen wir auf über 25 Cent pro Kilowattstunde.“ Damit liegt der Preis für den Solarstrom eigentlich schon über dem Preis, den Naturstrom aus dem Netz liefern kann.

Da die Heidelberger Energiegenossenschaft aber eine Mischkalkulation vornimmt, funktioniert das System. Sie rechnet dabei 30 Prozent Solarstrom und 70 Prozent Strom aus dem Netz ein. Insgesamt zahlt der Stromkunde dann 25,4 Cent für jede verbrauchte Kilowattstunde. Dieser Preis wäre niedriger, wenn der Solarstrom für die Mieter tatsächlich auch die gleichen Vergünstigungen bekäme wie der im Einfamilienhaus verbrauchte Photovoltaikstrom. Schließlich sind die Bedingungen, unter denen der Strom verbraucht wird, in einem Mehrfamilienhaus nicht anders als im Einfamilienhaus. So könnten die Anlagenbetreiber ihre Planung auch besser auf das Verbrauchsverhalten im Gebäude ausrichten und müssten nicht mehr das EEG als Netz und doppelten Boden in der Hinterhand haben. Zum Autor auf unserer Website: Sven Ullrich

Dieser Artikel ist in der Printausgabe von ERNEUERBARE ENERGIEN von April 2014 erschienen. Hat er ihnen gefallen? Dann holen Sie sich jetzt ein   kostenloses Probeabo    unseres Magazins. 

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1 Kommentar zu "Solarstrom für Mieter "

  1. heinbloed - 09.05.2014, 13:27 Uhr (Kommentar melden)

    Die Freiburger hoeren auch nicht auf zu bauen:

    http://www.fwtm.freiburg.de/servlet/PB/menu/1272820_l1/index.html

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