Erneuerbare Energien bei Google bevorzugen
Wie kann denn das benötigte kostengünstigere Konzept für diejenigen deutschen Offshore-Windpark aussehen, deren bisherige Höher-Vergütung nun endet und für die Sie als turbinenherstellerunabhängiger Service nun Angebote machen?
Achim Berge Olsen: Kostengünstigeres Warten ist eine Anforderung in gleich zwei Fällen. Erstens: Ein Windpark läuft aus dem Servicevertrag mit dem Hersteller raus – und nun steht die Entscheidung an, entweder den Vertrag mit dem Hersteller zu verlängern oder mit einem unabhängigen Service-Dienstleister wie uns einen Vertrag abzuschließen. Hierbei müssen wir der Erwartung entsprechen, ungefähr dieselbe Serviceleistung wie der Windturbinenbauer anzubieten, jedoch günstiger. Und das ist auch unser Anspruch: genauso guten, wenn nicht besseren Service anbieten können – zu besseren Konditionen. Unser ganzes Unternehmen ist darauf ausgerichtet, weil Service für uns Geschäftskern ist und für den Hersteller der Windenergieanlagen ein Nebengeschäft.
Das Pakete-Prinzip
Der zweite Fall ist der Windpark, der aus der hohen Vergütung rausläuft. Hierfür ist unser Angebot modular. Wir haben alle Dienstleistungen in Pakete eingeteilt, die der Kunde einzeln anwählen kann. Hierbei gibt es immer benötigte Module wie das Troubleshooting oder die Jahreswartung. Aber braucht es eine Verfügbarkeitsgarantie? Oder brauchen unsere Kunden unseren Operational-Control-Raum, der die Windparks 24/7 zu jeder Uhrzeit tagtäglich überwacht, wenn Kunden keinen eigenen Control-Raum haben? Und wenn sie einen eigenen Control-Raum haben, können wir dennoch das Troubleshooting anbieten …
Ist dies nun der Moment, in dem Sie diese Servicepakete neu einpacken und anbieten?
Achim Berge Olsen: Diese Pakete an Service-Einzelleistungen haben wir nun schon geschnürt und bieten sie jetzt am Markt an. Die Betreibenden solcher Windparks haben sich natürlich auch selbst schon Gedanken über die benötigten neuen Instandhaltungs- und Wartungskonzepte gemacht. Hier nehmen wir nun die große Gruppe der Self-Performer in den Blick: der Betreiber, die mit eigenen Teams den Service bewerkstelligen. Für die kann es interessant sein, bestimmte Dinge selber zu machen, für die sie das Personal vorhalten und andere Dinge abzugeben. So kann ein Betreiber ein Troubleshooting-Team immer am Windpark haben, um sich den täglichen Zugriff auf die eigenen Anlagen zu sichern. Und die Jahreswartung überträgt er uns, weil er sonst für vier Wochen ganz viel Personal benötigen würde, und danach für einen Großteil von diesen Beschäftigten keinen Bedarf mehr hätte. Und dafür gibt er die Jahreswartung gerne ab. Andere Betreiber wollen möglicherweise nur die Jahreswartung übernehmen und dabei ab Anfang April von einem Windpark zum anderen vorrücken. Das Troubleshooting mit den Büros vor Ort, mit auch dem Servicehafen, das wollen sie hingegen abgeben. Wahr bleibt aber auch: Für uns als Wartungs- und Instandhaltungsdienstleister ist ein Gesamtwartungsvertrag schon allein dank der geringeren Anzahl an Schnittstellen technisch das Beste.
Neue Offshore-Windkraft-Auslandsmärkte: Mit Herstellungsüberwachung
Ist diese Modularität Ihres Instandhaltungs- und Service-Angebots auch ein Instrument, um in neue Märkte vorzudringen? Begonnen hatte Deutsche Windtechnik im Offshore-Service mit der Wartung von Baustrukturen wie Umspannplattformen und den oberen Fundamentregionen …
Achim Berge Olsen: Unsere Ausgangsfrage für neue Märkte ist, in welchem Land viele Projekte aus den Verträgen auslaufen, wo überhaupt ein Bedarf an unserer Dienstleistung herrscht, und wie offen ein Markt für internationale Player ist. Wir versuchen in Polen Fuß zu fassen, weil das ein neuer Markt ist, der im Offshore-Wind-Bereich wenig Erfahrung hat und wir deshalb unsere Dienstleistung zum Teil schon in der Herstellung anbieten können: als Herstellungsüberwachung für den die Anlagen bestellenden Kunden. Und wir machen auch weiterhin den von Ihnen genannten BOP-Service, den Balance-of-Plant-Service, der von Jahr eins an gewöhnlicherweise an unabhängige Wartungsservice-Dienstleister vergeben wird.
Balance-of-Plant-Service als die regelmäßige Inspektion und Instandhaltung von Umspannwerken, Verkabelung, Fundamenten, Kühlsystemen … Als Auslandsmarkt haben Sie nur Polen genannt, ein neuer Hauptmarkt außerhalb Deutschlands?
Achim Berge Olsen: Polen ist ein wichtiger Markt, Frankreich ist sicherlich auch noch ein interessanter Markt, den wir uns gerade angucken und dessen Offenheit für internationale Player sich nun noch erweisen muss.
Neue Marktregeln für Cybersecurity und Wertschöpfung erfordern Innovation
Neue Marktregeln wie das sogenannte NZIA der Europäischen Union zum Schutz der EU-Märkte gegen chinesische Konkurrenz schließen den Einsatz von importierten Komponenten aus. Wird das Ihre Arbeit beeinflussen, vielleicht sogar rückwirkend?
Achim Berge Olsen: Ja, das hat bei uns ein bisschen extra Arbeit verursacht. Wir mussten ein System neu einführen, das uns immer die Herkunft von Bauteilen genau wissen lässt. Das war eine logistische Herausforderung, auch für unser ERP-System zur digitalen Organisation und Planung der Ressourcenströme. Diese Hausaufgabe haben wir gemacht. Wir können das jetzt und befolgen die Regeln. Unsere Chance bei diesem Thema ist es außerdem, deshalb möglicherweise ausfallende Bauteile nachbauen zu können. Wir haben ja eine Abteilung in Ostenfeld bei Husum, die elektrische und Steuerungs-Komponenten nachbaut. Früher brauchten für sie für ältere Turbinen, deren Komponenten nicht mehr produziert werden. Nun nutzen wir es auch für Komponenten, die nicht mehr eingeführt werden dürfen. Das ist auch ein interessanter Markt für uns.
Stichwort Steuerung und Elektronik: Wie reagieren Sie auf zunehmende Möglichkeiten, durch sensorgestützte Digitalisierung und KI, die Windparkeffizienz zu erhöhen?
Achim Berge Olsen: Digitalisierung und KI sehen wir nicht als isolierten Trend, sondern als zentralen Hebel zur Weiterentwicklung unseres Geschäftsmodells. Unser Unternehmensansatz basiert daher auf drei klaren Stoßrichtungen: Datenbasierte Effizienzsteigerung im Betrieb, Digitalisierung der operativen Prozesse und Aufbau einer skalierbaren Offshore-IT und einer Innovationsplattform. Damit schaffen wir die Grundlage, neue Technologien nicht nur zu testen, sondern schnell und global in den Betrieb zu überführen.
Dieses Interview ist Teil 2 eines Gespräches, das ERNEUERBARE ENERGIEN im Rahmen einer Reportage führte. Sie stellt den Wartungsdienst auf der Insel Borkum am Trianel-Windpark Borkum dar, der im Rahmen eines ungewöhnlich langen, zehnjährigen Instandhaltungsvertrages stattfindet. Die Reportage ist in unserer soeben erschienenen neuen Ausgabe unseres Magazins zu lesen. Teil 1 des Interviews können Sie hier lesen.