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Doppelnutzung von Flächen – finanziert über Crowd-Investment und Kommanditbeteiligung

Grüne Sachwerte übernimmt seit 2012 als grüner Finanzanlagenvermittler den Vertrieb für ökologische Finanzprodukte. Im sächsischen Adorf baut Next2Sun derzeit den Agri-Solarpark Camino. Für die Finanzierung des Projekts hat Grüne Sachwerte im Auftrag von Next2Sun eine Beteiligungsmöglichkeit gestartet. 

Grüne Sachwerte bietet als ökologischer Finanzdienstleister Beteiligungsmöglichkeiten mit Next2Sun an. Was sind das für Projekte?

Michael Horling: Im Juli hat Grüne Sachwerte die Kommanditbeteiligung für ein Next2Sun Agri-Solarprojekt im Erzgebirge gestartet: Der Solarpark „Camino Adorf“, entlang des sächsischen Jakobswegs, wird 5,8 MW Leistung haben, der Bau startet im August. Es werden bifaciale Module vertikal in Ost-West-Ausrichtung montiert. Der Landwirt kann zwischen den Modulen auch weiterhin Futter für seine Pferde produzieren. Durch die Pachteinnahmen kann er seinen Hof wirtschaftlich unterstützen, während die Anleger langfristig von den Stromerlösen profitieren – eine ideale Doppelnutzung der Flächen.

Bereits im 1. Quartal 2026 hatte Grüne Sachwerte mit und für Next2Sun die Finanzierung des 15 MW Agri-Solarparks Gersheim im Saarland betreut und erfolgreich abgeschlossen, sowohl über ein Crowd-Investment als auch eine Kommanditbeteiligung. In Summe haben Anleger 4,5 Mio. Euro Eigenkapital und Darlehen in das Leuchtturm-Projekt im Saarland investiert. Auch hier produziert der Biohof zwischen den Modulen das Futter für seine Tiere.

Michael Horling, Gründer und Geschäftsführer Grüne Sachwerte

Grüne Sachwerte

Michael Horling, Gründer und Geschäftsführer Grüne Sachwerte

Was ist das Besondere an der Agri-PV, die dort installiert wurde?

Michael Horling: Das Unternehmen Next2Sun hat schon vor einem Jahrzehnt angefangen, sich auf die heutige Situation vorzubereiten – sowohl hinsichtlich der Bedürfnisse von Landwirten, die ihre Flächen nicht aufgeben wollen, als auch insbesondere der negativen Strompreise in der Mittagszeit. Die Gestelle und die bifazialen Module sind optimal darauf ausgerichtet, in Ost-West-Ausrichtung sowohl am Vormittag als auch am Nachmittag den Großteil des Stroms zu produzieren – also dann, wenn der Strom an der Börse am wertvollsten ist. Aus der Erfahrung der laufenden Megawatt-Solarparks von Next2Sun, diverser Kooperationen und wissenschaftlichen Ausarbeitungen wird zudem inzwischen auch deutlich, dass die vertikalen Module durch Reduktion der windbedingten Verdunstungsverluste sowie durch ihre Beschattung Vorteile für den Anbau mancher Pflanzen- und Getreidearten bieten können, gerade in heißen und trockenen Jahren.

Inwiefern ist die Ost-West-Ausrichtung sowohl gut fürs Netz als auch für Investoren?

Michael Horling: In vielen Regionen Deutschlands sind, durch einen ja erfreulich starken Ausbau der Photovoltaik sowie den zu langsamen Netzausbau, die Stromnetze im Sommerhalbjahr mittags oft voll. Das führt zu Abschaltungen, die im neuen EEG 2027 über verringerten Redispatch-Ausgleich auch den Investoren wehtun, oder vielleicht auch ganze Projekte verhindern, weil die Risiken zu groß sind. Bei der Ost-West-Ausrichtung hingegen produzieren genau die Solarparks, die wir unseren Investoren anbieten, den Strom zu Tageszeiten, an denen Strom auch benötigt wird und die Netze noch Kapazität haben. Morgens, am Vormittag und am Nachmittag können vertikal montierte Solarparks zu attraktiven Preisen direkt einspeisen, und nur ein kleiner Teil der Stromproduktion fällt in die Mittagszeit. Mehr Ost-West-Solarparks reduzieren also den Bedarf an lokalem Netzausbau und bieten die wertvolle Chance auf Überbauung von Netzanschlüssen, was der Volkswirtschaft insgesamt Geld und Zeit erspart. Unsere Investoren, aber auch zahlreiche finanzierende Banken haben dies inzwischen erkannt.

Wie sieht die Beteiligungsmöglichkeit aus, die Sie offerieren?

Michael Horling: Für den Agri-Solarpark Camino Adorf haben wir ein Crowd-Investment mit 500 Euro Mindestanlage bereits erfolgreich abgeschlossen. Aktuell gibt es noch ein paar Plätze für langfristig unternehmerische Anleger. Diese können ab 30.000 Euro als Kommanditisten beitreten und bleiben dann über die komplette Laufzeit als Mit-Eigentümer wirtschaftlich beteiligt.

Planen Sie für weitere Agri-PV-Projekte Beteiligungsmöglichkeiten?

Michael Horling: Die aktuell von uns angebotenen „vertikalen Ost-West-Agri-Solarparks“ passen hervorragend in die Situation am Energiemarkt – nicht nur in Deutschland, sondern auch einigen Nachbarländern, zum Beispiel Italien. Diese Projekte haben für Investoren den Vorteil, dass sie sich auch ohne Speicher rechnen, es bleiben eben reine Solar-Investments. Bei Süd-Solarparks, die eine Verschiebung der Stromeinspeisung in andere Tageszeiten erreichen wollen, ist dafür eine zusätzliche Investition in einen Speicher nötig, was dann völlig andere Chance-Risiko-Profile für Investoren ergibt: Spannend, aber eben ein anderes Investment. Daher sehen wir die Next2Sun-Projekte auch weiterhin als große Chance für Investoren und auch für „das Stromnetz“ und eine gelungene Energiewende zu niedrigen gesamtvolkswirtschaftlichen Kosten. Wir haben weitere Beteiligungen an Projekten im Angebot in den kommenden Monaten – für Privatanleger oder auch institutionelle Investoren.  

Wie bewerten Sie im Hinblick auf Agri-PV den Referentenentwurf für das EEG 2027?

Michael Horling: Wir müssen noch abwarten, was im Bundestag dann final entschieden wird. Der aktuelle Entwurf – ganz allgemein - verschiebt die Belastungen des verzögerten Netzausbaus sehr einseitig auf die Erneuerbaren Energien und nimmt Netzbetreiber nicht genug in die Pflicht! In Zeiten von klimawandelverstärkten Hitzewellen, Bränden, Dürreperioden etc. sowie politischer Abhängigkeit von Trump, Putin und den weiteren öl- und gasproduzierenden Ländern versteht doch keiner, warum hier nicht die Chance zur energetischen Unabhängigkeit und zum aktiven Klimaschutz stärker verfolgt wird. Konkret für die Agri-PV, die doch politisch und gesellschaftlich gewünscht ist: Gerade bei etwas teureren Formen von Agri-PV wäre eine gesonderte, höhere Förderung durchaus nötig.

Durch die Abschöpfung höherer Erlöse per Contracts for Difference sowie die verringerten Redispatch-Entschädigungen und stromnetzbedingten Einschränkungen sinken Chancen und steigen Unsicherheiten für Investoren vieler Solar-Projekte sowieso schon sehr stark. Positiv für Agri-PV ist lediglich die um 0,5 Ct/kWh höhere Vergütung. Und mit einem Ost-West-Profil können Sie natürlich auch in Regionen wirtschaftlich arbeiten, in denen zur Mittagszeit öfters die Solarparks abgeschaltet werden. Die Investoren, die Banken, die Projektentwickler und wir müssen eben jedes Projekt sehr individuell betrachten und bewerten. Das Tempo der Energiewende verringern darf doch keine Option sein – auch wenn dies angesichts der Umstände insgesamt zu befürchten ist. Bleiben wir optimistisch!

Einweihung einer Agri-PV-Anlage, im Traktor Cem Özdemir. 

Grüne Sachwerte

Einweihung einer Agri-PV-Anlage, im Traktor Cem Özdemir.