Warum sich Anbieter in der Photovoltaik mit klarer technologischer Positionierung und europäische Wertschöpfung behaupten können.
Nicole Weinhold
Harald Scherleitner, Chief Sales Officer (CSO) der Fronius International GmbH, spricht im Interview über die aktuelle Situation der europäischen Solarbranche.
Fronius hat sich 2024 verschlankt und neue Produkte entwickelt. Wie hat sich der Markt 2025 entwickelt?
Harald Scherleitner: 2025 war für uns kein klassisches Wachstumsjahr, sondern ein Jahr der Stabilisierung und Neuausrichtung. Nichtsdestotrotz stieg der Umsatz um 17 Prozent auf 1,1 Milliarden Euro, getragen vor allem von der stabilen Entwicklung im Schweißtechnikgeschäft und einer spürbaren Erholung des Photovoltaikmarkts nach dem Einbruch 2024. In diesem Umfeld zahlten sich unsere neuen, effizienteren Strukturen, klare Portfolio-Prioritäten und der Fokus auf profitable Segmente aus. Das PV-Geschäft ist nach wie vor volatil und stark von politischen Rahmenbedingungen geprägt. Der Bedarf an ganzheitlichen Energielösungen gewann deutlich an Dynamik. Dadurch entstand ein Umfeld, in dem sich Anbieter mit klarer technologischer Positionierung, hoher Qualität und europäischer Wertschöpfung wieder behaupten konnten.
Wie voll sind Ihre Bücher in diesem Jahr?
Harald Scherleitner: Für 2026 sind wir vorsichtig optimistisch. Die ersten vier Monate des Jahres sprechen für ein profitables Wachstum. Die Lager der Großhändler und Installateure haben sich Anfang des Vorjahres geleert, was zu einer Ankurbelung des PV-Geschäfts beigetragen hat. Wir haben, vor allem im deutschsprachigen Raum, Marktanteile gewonnen. Die Situation hat sich stabilisiert und ein profitables Wachstum ist möglich.
Wie beurteilen Sie Bemühungen, die europäische Solarindustrie vor Konkurrenz aus Asien zu schützen?
Harald Scherleitner: Wir bewerten die europäischen Bemühungen grundsätzlich positiv. Wenn rund 80 Prozent der PV-Anlagen in der EU mit chinesischen Wechselrichtern gebaut werden, ist dies weder der Sicherheit der Infrastruktur noch der europäischen Wirtschaft dienlich. Deshalb erachten wir die Entscheidung der EU-Kommission äußerst positiv, dass von der Europäischen Investitionsbank geförderte, große PV-Projekte künftig europäische Technologie einsetzen müssen. Das ist ein wichtiger Schritt zur Stärkung der europäischen Industrie. Der nächste sinnvolle Schritt ist natürlich, dies auch für Aufdachanlagen umzusetzen.
Was würden Sie sich hier wünschen?
Harald Scherleitner: Wir wünschen uns eine konsequentere Umsetzung europäischer Vorgaben auf Ebene der Mitgliedstaaten. Wichtig ist zudem ein stärkerer Fokus auf kleinere und mittelgroße PV-Anlagen, da dort europäische Anbieter besonders stark sind. Insgesamt bedarf es einer Industriestrategie, die europäische Wertschöpfung gezielt absichert, anstatt nur punktuell einzugreifen.
Des Weiteren appellieren wir an die Netzbetreiber, die Digitalisierung der unteren Netzebenen konsequent voranzutreiben, um den steigenden Eigenverbrauch und intelligente Gesamtsysteme besser integrieren zu können.
Insgesamt bedarf es einer Industriestrategie, die europäische Wertschöpfung gezielt absichert, anstatt nur punktuell einzugreifen.
Wo liegen bei den Produkten derzeit Ihre Schwerpunkte?
Harald Scherleitner: Unser klarer Schwerpunkt liegt auf integrierten, ganzheitlichen Energielösungen, die Erzeugung, Speicherung, Steuerung und Nutzung von Energie nahtlos miteinander verbinden. Dabei adressieren wir gezielt Haushalte, Landwirtschaft, KMU sowie Gewerbebetriebe, die einen hohen Eigenverbrauch und mehr Resilienz anstreben.
Ein zentrales Thema ist aktuell die Fronius-Reserva-Familie, ergänzt durch leistungsfähige Hybrid-Wechselrichter, Notstromlösungen, intelligentes Energiemanagement und E-Mobilitätslösungen. Damit positionieren wir uns bewusst als Komplettanbieter für resiliente Energieversorgung - und mit dem stärksten Service- und Supportangebot für Installateure am Markt. Gleichzeitig unterstreichen wir unser Bekenntnis zur europäischen Wertschöpfung, das für Qualität, Sicherheit und Verlässlichkeit steht.
Können Sie uns etwas über die neue Speicherlösung Fronius Reserva Pro verraten?
Harald Scherleitner: Ja, wir stellen die Fronius Reserva Pro auf der Intersolar Europe 2026 vor. Dort zeigen wir, wie sie im Zusammenspiel mit Wechselrichtern, Notstrom, Energiemanagement und E-Mobilität ein vollständig vernetztes Energiesystem ermöglicht - als starkes Statement für Innovation aus Europa. Mit der Fronius Reserva Pro erweitern wir unser Speicherportfolio um eine Hochvoltbatterie made in Europe, die speziell für Kunden mit höherem Energiebedarf entwickelt wurde, wie etwa Landwirtschaft, KMU und große Einfamilienhäuser.
Die Lösung ist modular aufgebaut und skaliert von 12 bis 32 kWh pro Turm, im Parallelbetrieb sogar bis 128 kWh. Sie ist optimal auf die Fronius Hybrid-Wechselrichter Gen 24 Plus und Verto Plus abgestimmt und dank DC-Kopplung besonders effizient. Notstromfähigkeit, Schwarzstartfunktion und hohe Lade- und Entladeleistungen ermöglichen auch bei Netzausfall den zuverlässigen Betrieb großer Verbraucher.
Ein weiteres zentrales Feature ist der Fronius Energiekosten-Assistent, der mithilfe KI-basierter Prognosen Lade- und Entladezeiten optimiert und so hilft, Energiekosten zu senken. Zusätzlich legen wir großen Wert auf Sicherheit und Datenschutz: Die verwendete Lithium-Eisenphosphat-Technologie steht für Langlebigkeit, und sämtliche Daten werden ausschließlich auf europäischen Servern gespeichert.