Springe auf Hauptinhalt Springe auf Hauptmenü Springe auf SiteSearch

Gemeinschaftsanlage im Mehrfamilienhaus bisher meist Fehlanzeige

Seit vielen Jahren organisieren die Verteilnetzbetreiber ihre Assets so, dass sie für die Energiewende tauglich werden. Sollte man meinen, nachdem wir schon seit 26 Jahren über den Umbau der Energieversorgung weg von zentralen Großkraftwerken am Übertragungsnetz hin zur dezentralen Produktion von Sonnen- und Windstrom sprechen. Für die Netzbetreiber sollte es nicht überraschend kommen, dass auch in Mehrfamilienhäusern dieser Republik die Idee auftaucht, dass man dort eine eigene Solaranlage zum Eigenverbrauch betreiben will.

Wollen Sie über die Energiewende auf dem Laufenden bleiben? Dann abonnieren Sie einfach den kostenlosen Newsletter von ERNEUERBARE ENERGIEN – dem größten verbandsunabhängigen Magazin für erneuerbare Energien in Deutschland!

Doch weit gefehlt. Eine Umfrage durch das 1000-GW-Institut mit Unterstützung des Bündnisses Bürgerenergie (BBEn) hat ergeben, dass nur die wenigsten Verteilnetzbetreiber auf diese Möglichkeit vorbereitet sind. Die meisten hat es kalt erwischt, als die damalige Ampelregierung plötzlich das österreichische Modell der gemeinsamen Gebäudeversorgung (GGV) ins Energiewirtschaftsgesetz geschrieben hat.

Modell grundsätzlich nicht neu

Dabei wäre es gar nicht so kompliziert. Das Modell existiert in der Alpenrepublik schon lange und erfreut sich großer Beliebtheit. In Deutschland haben es auch gut ein Jahr nach der Verabschiedung der Regelung nur die wenigsten Netzbetreiber geschafft, die GGV zu ermöglichen. „Zwei Jahre nach Inkrafttreten der Gemeinschaftlichen Gebäudeversorgung setzen erst fünf von 866 Netzbetreibern die nötigen internen Prozesse um“, fasst Valérie Lange, Leiterin Energiepolitik und Regulierung beim BBEn, die Ergebnisse zusammen. „Wir fordern die Netzbetreiber auf, ihre Kräfte zu bündeln und die erforderlichen Prozesse gemeinsam zu etablieren. Unsere Umfrage zeigt: Es haben sich Netzbetreiber bereits auf den Weg gemacht.“

Kein Champion unter den Netzbetreibern

Tatsächlich hat die Umfrage ergeben, dass von den 50 Verteilnetzbetreibern, die durch die Praktiker bewertet wurden, kein einziger Champion ist. Champion bedeutet, dass der Verteilnetzbetreiber eine massentaugliche Umsetzung der GGV ermöglicht und dabei die Kosten für den Zählpunkt im Gebäude für unter drei Euro pro Jahr anbietet. Das hat keiner geschafft.

Expertinnen vom Solarzentrum Berlin: „Definierte Schnittstellen sind notwendig“

Immerhin gibt es fünf Netzbetreiber in der Untersuchung, die zumindest das Nötigste tun oder ihr Bestes geben, um solche Anlagen zu ermöglichen. Man mag meinen, dass zu diesen Unterstützern vorwiegend die Netzbetreiber der großen Städte gehören, und mit Berlin und Hannover sind tatsächlich schon einige der relevanten Akteure auf einem erklecklich guten Weg.

Viele verzögern die Umsetzung der Regeln

Doch viele werden als Verzögerer bewertet. Diese bremsen den Bau von GGV, lassen aber die Umsetzung immerhin durch Dritte zu. Sie agieren also nicht selbst als Messstellenbetreiber, sondern überlassen dies wettbewerblichen Akteuren. Das ist oft vielleicht sogar die bessere Lösung, da die wettbewerblichen Messstellenbetreiber nicht selten agiler aufgestellt sind, was die Digitalisierung angeht, als die Verteilnetzbetreiber. Die Westfalen-Weser-Netz wurde sogar als Verhinderer eingestuft. Dieser Netzbetreiber ermöglicht bisher nicht einmal die Umsetzung der GGV durch Dritte.

Anreize und mehr Druck

Das Ergebnis ist ernüchternd. „Das Bündnis Bürgerenergie hat mit dieser Umfrage sicht- und greifbar gemacht, was gemeint ist, wenn vom ‚Flickenteppich der Verteilnetzbetreiber‘ in Deutschland gesprochen wird. Rund 100 Rückmeldungen zeigen ein breites Spektrum – von IT-Problemen, Intransparenz und fehlender Erreichbarkeit bis zu einigen engagierten Netzbetreibern, die Mieterstrom aktiv ermöglichen“, bringt es Robert Busch, Geschäftsführer des Bundesverbands Neue Energiewirtschaft, auf den Punkt. „Wir wünschen uns mehr von Letzteren – durch die richtigen Anreize, aber auch durch Druck und notfalls Kompetenzübertragung. Dann kann Mieterstrom sein volles Potenzial als Baustein einer bürgernahen Energiewende entfalten“, sagt Robert Busch.

Solaranlagen auf Mehrfamilienhäusern: Beratungsangebot für Bürgerenergiegemeinschaften

BBEn gibt Handlungsempfehlungen

Um das Modell der GGV und des Mieterstroms weiter zu beschleunigen, raten die Experten vom BBEn unter anderem, dass die Verteilnetzbetreiber stärker in die Pflicht genommen werden. Einerseits muss die Bundesnetzagentur die Situation bei den Netzbetreibern transparent machen und diese proaktiv ansprechen, um die Umsetzung der geltenden Gesetze zu ermöglichen. Auch die Kommunen sollten mehr Druck auf die Verteilnetzbetreiber ihrer Region machen.
Zudem fordert das BBEn die Anpassung des Messstellenbetriebsgesetzes. So sollten die Lieferanten von Solarstrom die Daten vom Messstellenbetreiber kostenlos erhalten und die Kosten für die Ausstattung mit Smart Metern sollten bei Mehrfamilienhäusern nur einmal anfallen und nicht für jede Wohneinheit einzeln.

Die gesamten Ergebnisse der Umfrage und die Handlungsempfehlungen des BBEn finden Sie auf der Webseite des Bündnisses.