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Women of Energy zu Gast bei Sunfarming: Agri-PV, Frauenpower und die Zukunft der Erneuerbaren

Bei strahlendem Sonnenschein empfing Sunfarming Mitte April Mitglieder des Vereins Women of Energy an seinem Forschungs- und Entwicklungszentrum in Rathenow bei Berlin. Einen Tag lang öffnete das Unternehmen seine Türen für Fachvorträge, einen ausgiebigen Anlagenrundgang und intensives Netzwerken – ein Event, das zeigte, wie eng Technik, Landwirtschaft und weibliche Führungskraft in der Energiewende zusammengehören.

Sunfarming, Teil der Cube Green Energy Gruppe, zählt seit über 20 Jahren zu den führenden Entwicklern erneuerbarer Energien in Deutschland. Das Unternehmen ist spezialisiert auf Agri-Photovoltaik, Entwicklung von Onshore-Windparks und Photovoltaik mit Batteriespeichern. Geschäftsführerin Edith Seemann begrüßte die Teilnehmerinnen persönlich und gab tiefe Einblicke in die Unternehmensphilosophie. „Sunfarming gehört inzwischen zur international tätigen CGE-Gruppe, hat sich aber den Charakter des Familienunternehmens auch durch die weiterhin bestehende Beteiligung der Gründer am Unternehmen bewahrt, erklärte Seemann. „Wir haben etwas mehr als ein Gigawatt Anlagenvolumen in der Late-Stage-Pipeline und betreiben meist alle Anlagen selbst."

Der Kernmarkt liegt in Deutschland, ergänzt durch internationale Aktivitäten in  Frankreich, Polen, Südafrika und Brasilien. Besonders stolz ist das Unternehmen auf sein aktuelles Leuchtturmprojekt: „Wir sind gerade dabei, das größte Agri-Photovoltaik-Projekt Europas zu realisieren – in der ersten Ausbaustufe 550 Megawatt Peak installierte Leistung, kombiniert mit 300 Megawatt Batteriespeicher", so Seemann. Das Projekt entsteht in Brandenburg und soll als Energie-Hub auch Ansiedlungen wie Hyperscaler-Datencenter nach sich ziehen.

Unter Solarpanels wachsen Spargel, Beeren und Obstbäume

Das Herzstück des Besuchs war der Rundgang über das Gelände. Zwischen den halbdurchlässigen, hoch aufgeständerten Glas-Glas-Modulen konnten die Teilnehmerinnen mit eigenen Augen sehen, was Agri-PV in der Praxis bedeutet: Kühe und Hühner beäugten im Schatten der Anlagen neugierig die Besucherinnen, Obstbäume und Beerensträucher gedeihen unter dem gefilterten Licht, und sogar Spargel wird unter den Modulen angebaut. Die Anlagen bieten Schutz vor Starkregen, Hagel und übermäßiger Sonneneinstrahlung – ein Vorteil, der angesichts des Klimawandels immer relevanter wird.

Besonderes Kennzeichen der Sunfarming-Agri-PV-Anlagen – nicht nur Licht, sondern auch durch ein patentiertes Regenwassersystem breit unter den Modulen verteiltes Wasser sorgen für Pflanzenaufwuchs ohne Verschlämmung oder Bodenerosion.

„Unter und zwischen den Anlagen bleiben auf Ackerflächen nur weniger als 10 Prozent Fläche ungenutzt, die gesamte übrige Fläche bleibt weiterhin landwirtschaftliche Nutzfläche", betonte Seemann. Die sogenannten Kategorie-1-Anlagen nach DIN SPEC 91434 haben eine lichte Höhe von mindestens 2,10 Meter unter dem Träger, sodass Menschen und Maschinen problemlos darunter arbeiten können. Die Mehrkosten gegenüber klassischen Freiflächenanlagen bezifferte Seemann auf lediglich fünf bis acht Prozent – am unteren Ende der branchenweiten Bandbreite. Dagegen steht die höhere Energieleistung in gleicher Höhe durch bifazialen und aufgeständerte Module.

Neben Agri-PV zeigte Sunfarming auch seine Kompetenz bei Spezialanlagen: Deponie-Anlagen mit komplexen Gründungssystemen, die nicht durch die Abdichtungsfolie dringen, sowie selbst entwickelte Floating-Solaranlagen auf Gewässern gehören zum Portfolio.

Netzanschluss, Speicher und Kundenanlagen: Juristische Herausforderungen

Am Nachmittag beleuchtete eine Juristin die regulatorischen Hürden, die Erneuerbare-Energien-Projekte derzeit bremsen. Besonders intensiv diskutiert wurde die Frage der Netzentgeltbefreiung für Batteriespeicher. „Die Bundesnetzagentur sieht kein Rückwirkungsverbot, hat aber versprochen, dass bis Juni 2026 Klarheit besteht, wie weit der Vertrauensschutz geht", erklärte die Referentin. Die mögliche vorzeitige Beendigung der Netzentgeltbefreiung sorge in der Branche für erhebliche Unruhe.

Obstbäumchen unter Agri-PV-Anlage

Nicole Weinhold

Obstbäumchen unter Agri-PV-Anlage

Auch das Thema Kundenanlagen wurde eingehend beleuchtet. Nach einem EuGH-Urteil, das die deutsche Kundenanlage als europarechtswidrig einstufte, waren zahlreiche Projekte – darunter Industrienetze und Direct-Wire-PPAs – in Gefahr geraten. Hoffnung macht nun ein lettisches Vorlageverfahren: Generalanwältin Juliane Popoff legt den Begriff der Direktleitung sehr weit aus. „Jede Versorgung außerhalb des öffentlichen Netzes, auch mit mehreren Abnehmern oder Erzeugern, ist schon eine Direktleitung", fasste die Juristin zusammen. Sollte der EuGH dieser Einschätzung folgen, wäre die Kundenanlage – und damit ein zentrales Instrument für die dezentrale Energieversorgung – gerettet.

Frauen in Führung: Mut, Durchsetzungskraft und keine Angst vor Verantwortung

Edith Seemann nutzte das Treffen auch, um den anwesenden Frauen Mut zu machen. Als langjährige Geschäftsführerin und ehemalige Unternehmensberaterin sprach sie offen über die Herausforderungen weiblicher Führungskräfte: „Nehmt es nie persönlich, was im Job passiert. Es geht immer um die Sache."

Die Vorstellungsrunde der Teilnehmerinnen zeigte die beeindruckende Bandbreite weiblicher Expertise in der Erneuerbaren-Branche: Von der Projektentwicklerin über Informatikerinnen bis hin zur Inhaberin eines Windenergie-Dienstleisters. Vertreten waren Unternehmen wie Saxovent, Maxsolar, Securenergy und viele weitere. „Wir suchen weitere gute, kompetente Frauen", rief Seemann in die Runde. „Wer darüber nachdenkt, den Job zu wechseln – ich brauche kompetente Frauen."

Ein Netzwerk mit Wirkung

Das Treffen in Rathenow machte deutlich: Women of Energy ist weit mehr als ein Branchennetzwerk. Es ist eine Plattform, auf der Fachkompetenz, strategischer Austausch und gegenseitige Stärkung zusammenkommen. Von der Agri-PV-Pionierin bis zur Krisenmanagerin, von der Softwareentwicklerin bis zur Vertriebsexpertin – die Frauen der Energiewende gestalten die Zukunft aktiv mit. Das nächste Wiedersehen ist bereits in Sicht: auf der Intersolar in München.