Ein Forschungsprojekt des Ingenieurbüros SPV Sonneburg, der Hochschule Geisenheim und des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme (ISE) testet derzeit ein mobiles Photovoltaiksystem speziell für den Weinbau. Ziel ist es, junge Reben in den ersten Jahren besser vor Hitze und Trockenstress zu schützen – und gleichzeitig erneuerbare Energie zu erzeugen. „Wir wollten ein flexibles System entwickeln, das sich schnell auf- und abbauen lässt und nach ein paar Jahren einfach in eine andere Parzelle umziehen kann“, erklärt Projektleiter Paul Weinbauer.
Leichtbaumodule überspannen Weinreben
Die Lösung ist eine Konstruktion, die bestehende Rebpfähle nutzt. Diese werden mit Stahlseilen abgestützt, um die gesamte Konstruktion zu halten. In Geisenheim übernehmen dies spezielle Anker, die rund 3,5 Meter tief in den Boden getrieben werden. Danach werden zwischen den Rebpfählen flexible Photovoltaikmodule von Mirai Solar auf Stahlseilen gespannt. Der Modulhersteller hat sich auf solche solaren Verschattungslösungen spezialisiert, bei denen es auf ein geringes Gewicht ankommt. Dazu laminiert das Unternehmen die Solarzellen zwischen spezielle Polymerplatten. Dadurch bringen es die Module auf nur 2,5 Kilogramm pro Quadratmeter.
Die Transparenz wird über den Abstand der einzelnen Solarzellen zueinander eingestellt. In Geisenheim reduzieren rund 30 Prozent Schatten die Belastung der Pflanzen, während 70 Prozent des Lichts weiterhin für das Wachstum zur Verfügung stehen. Je nach Transparenzgrad liefern die Module eine Leistung von 100 bis 175 Watt pro Quadratmeter. Die Anlage auf dem Versuchsfeld in Geisenheim liefert rund 40 Kilowatt Leistung.
Velka Botička
Module bei schlechtem Wetter ins Depot fahren
Ergänzt wird die Anlage durch einen Batteriespeicher, der Steuerung, Wetterstation und weitere Verbraucher versorgt. „So können wir die Energie nicht nur zur Steuerung der Anlage nutzen, sondern auch etwa für das Laden eines E-Autos“, erklärt Paul Weinbauer. Denn die Solarmodule können bei starkem Wind – wenn in der Regel ohnehin keine Sonne scheint – in ein Depot eingefahren werden, das an einer Verlängerung an den Rebpfählen angebracht wird. Dies bietet weitere Stabilisierung für die schlanke Konstruktion.
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Erste Testergebnisse stimmen optimistisch
Als Vorteil für Winzer nennt er neben Klimaschutz und Stromproduktion auch die gezielte Unterstützung der Jungpflanzen: „Gerade in den ersten Jahren entscheidet sich, ob eine Rebanlage langfristig erfolgreich ist. Unser System kann diesen Start erheblich erleichtern“, betont Weinbauer.
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Noch befindet sich das Projekt in der Testphase, kleinere technische Herausforderungen werden bearbeitet. Doch die bisherigen Ergebnisse stimmen die Entwickler optimistisch. „Wir sehen eine klare Verbesserung der Bodenfeuchtigkeit und eine Absenkung der Temperaturen. Genau das brauchen junge Reben in Zeiten des Klimawandels.“
Durch die einfache Konstruktion kann das gesamte System zudem zügig ab- und an anderer Stelle wieder aufgebaut werden. Wenn die Weinreben alt genug sind, dass sie den Schutz durch die Module nicht mehr benötigen, wird die Anlage einfach an einen anderen Ort versetzt, wo dann wieder neue Weinreben gepflanzt werden und unter den Solarmodulen Schutz finden.