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Intelligenter Markt: Stabiler Preis für vereinbarten Verbrauch, Börsenstrom für flexibles Abweichen

„Stabile Energiepreise für jährlich definierte Menge und stündliches Verbrauchsprofil“ in Verbindung mit einem „Anreiz zur Lastverschiebung“ durch ergänzenden Börsenstromhandel – so benennt das Hamburger Grünstromunternehmen Lichtblick die Empfehlung der Neon-Studie. Das von Neon analysierte Instrument soll die benötigten Verbraucher-Flexibilitäten schaffen, die ein künftig vor allem von wetterabhängiger Windstrom- und Sonnenstromerzeugung geprägter Strommarkt braucht.

Neon und Studien-Auftraggeber Lichtblick empfehlen als Resultat der Studie ein Preismodell vergleichbar dem von Mobilfunktarifen, die ein bestimmtes Datenvolumen zu einem fairen Lieferpreis festlegen. Im Unterschied dazu würde das neue intelligente Preismodell allerdings nicht nur ein jährliches Verbrauchsvolumen in diesem Fall für Stromlieferungen mit einem garantierten festen und fairen Preis versehen. Zusätzlich würde der intelligente Stromtarif nämlich das vertraglich abgesicherte Stromverbrauchsvolumen auf einzelne Stunden aufteilen. Sobald dann Haushalte die für jede Stunde individuell garantierte Strommenge entweder nicht oder nur teilweise abnehmen oder umgekehrt mehr aus der Steckdose ziehen, handelt der Stromversorger den veränderten Bedarf frei an der Strombörse. Für den geringeren Bedarf in Zeiten sehr großen Stromverbrauchs entlohnen die Stromversorger dann Kundinnen und Kunden mit dem an der Börse in diesem Moment hochschnellenden Spitzenpreisen. Die Haushalte erhalten dann für ihre zur richtigen Zeit nicht verbrauchten Reststundenmengen hohe Rückzahlungen. Verbrauchen sie umgekehrt mehr als ihr stündliches Strombudget vorsah in Phasen von überschüssiger Grünstromerzeugung und daher negativer Strompreise, verdienen Sie auch daran noch. Benötigen Sie dagegen in Spitzenlastphasen plötzlich mehr als im Stundenbudget bestimmt, zahlen sie auch mehr oder weniger ordentlich drauf.

Die Studie analysiert das Potenzial solcher intelligenter Stromtarife und lässt auf eine regelrechte Explosion der benötigten Verbrauchsflexibilität schließen. Diese werde rasch die Kapazitäten flexibel steuerbarerer Kraftwerke um ein Vielfaches übertreffen, lautet die Kernaussage. Schon für 2020 taxiert die Studie rückwirkend das Potenzial flexibler Lasten auf 25 Prozent der Kapazitäten flexibler Kraftwerke. Um 2030 wird das Potenzial der flexiblen Lasten aber schon dreieinhalb Mal so groß sein, wie das der flexiblen Kraftwerke. Die Analyse verweist auf 350 Prozent relativer zusätzlicher und rund 350 Gigawatt (GW) absolute zusätzliche Regelungskapazität. 2045, wenn Deutschland gemäß gesetzlichen Vorgaben klimaneutral sein soll, sollen die flexiblen Lasten eine relative Größenordnung von 650 Prozent mit einem Potenzial von fast 600 GW erreichen.

Vor allem das flexible netzdienliche Laden der Elektroautos hat dann einen enormen Effekt. Der kluge angebotsabhängige Einsatz von dezentralen Wärmepumpen und Heimenergiespeichern könnte aber ebenfalls noch einen wichtigen Effekt erzielen und würde 2045 jeweils der Kapazitäten der flexiblen Kraftwerke gleichkommen.

Mit Verweis auf die bevorstehenden deutschen und bereits in Vorbereitung befindlichen Strommarktreformen der Europäischen Union erklärt Lichtblick, dass es für ein solches kluges Stromvermarktungsmodell auch einiger bestimmter Reformen am Strommarkt brauche. Dabei stünden einige der jetzt auch EU-weit geplanten Eingriffe in den Strommarkt wie staatliche Strompreisgarantien oder Gewinnabschöpfungen bezogen auf die Börsenstrom-Preisspitzen dem Neonmodell entgegen. Lichtblick plädiert daher für dynamische Tarife als Standard in der Grundversorgung, die Kopplung von staatlichen Fördermitteln an das Vorhandensein von Flexibilitätsstromtarifen, die Zulässigkeit längerer Stromvertragslaufzeiten.

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