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„Nicht alle regulatorischen Unsicherheiten abwarten“

Katharina Wolf

Batteriespeicher liefern Strom, wenn weder Sonne noch Wind zur Verfügung stehen. Was der Stromversorgung und der Netzstabilität dient, kann sich für Windparkbetreiber finanziell auszahlen. Vivien Klein-Campailla, Teamleiterin Flexibility Solutions bei MVV Trading, spricht im Interview über Chancen und Risiken bei der Speicherplanung und warum Betreiber nicht zu lange warten sollten.

Es gibt bereits viele Speicher in PV-Projekten, aber relativ wenige in Windparks. Woran liegt das?

Vivien Klein-Campailla: Da gibt es eine einfache Antwort: Der Schmerz der Windparkbetreiber ist bisher nicht so groß wie der der PV-Betreiber. In Deutschland haben wir mittags einen Überschuss an PV-Strom, sodass die Strompreise teilweise negativ sind. Reine PV-Projekte sind daher kaum noch wirtschaftlich.

Windparks ohne Speicher rechnen sich noch, weil der Windstrom mehr wert ist. Speicher sind für Windparks aktuell eher ein Add-on – eine Zusatzoption, um den Standort attraktiver und vor allem zukunftsfähiger zu machen.

Wie können Betreiber profitieren?

Vivien Klein-Campailla: Was wir heute schon sehen, sowohl bei PV als auch zunehmend bei Wind: Betreiber erkennen, dass sie auf einem großen Wert sitzen – an ihren Umspannwerken oder Trafostationen ist noch Kapazität frei. Sie bieten das dem Markt an: Wer möchte, kann sich dort aufgleisen. Gleichzeitig gehen Batteriespeicherentwickler gezielt auf Windparkbetreiber zu und fragen, ob sie den Netzverknüpfungspunkt mitnutzen können – einfach, weil es für alleinstehende Speicher immer schwieriger wird, eigene Netzkapazität zu bekommen. Dann wird ein Pachtvertrag und/oder eine Vereinbarung zur Erlösbeteiligung geschlossen: Der Windparkbetreiber verpachtet seine Fläche und die Nutzung der Infrastruktur.

Ist es für Windparkbetreiber attraktiv, selbst in einen Batteriespeicher zu investieren?

Vivien Klein-Campailla: Absolut, und vor allem an bestehenden Standorten. Das ist genau der Vorteil: das effiziente Nutzen von bestehenden Flächen und Infrastrukturen. Wenn ein Windparkbetreiber heute in einen Speicher investiert, sind die Systemkosten mittlerweile so niedrig – mit sinkender Tendenz –, dass es einfach attraktiv ist, unabhängig davon, ob der Speicher nur grüne Energie einspeisen oder auch Graustrom aus dem Netz beziehen darf.

Was ist der Unterschied zwischen einem Grünstromspeicher und einem Graustromspeicher?

Vivien Klein-Campailla: Bei einem Grünstromspeicher entsteht der Erlös hauptsächlich durch Arbitrage-Handel: Wenn Überschuss im Stromnetz vorhanden ist und der direkt produzierte Strom wenig wert wäre, speichert man ihn stattdessen. Eingespeist wird erst, wenn der Strom mehr wert ist. Ein solcher Speicher amortisiert sich je nach Überbauungsgrad und individueller Auslegung bereits zwischen fünf und sieben Jahren. Das funktioniert auch innerhalb der EEG-Förderung.

Wenn ein Windparkbetreiber beim Speicherhersteller zwei Prozentpunkte mehr technische Verfügbarkeit aushandelt, wirkt sich das direkt auf die Erlöse aus.

Ein Graustromspeicher hingegen kann unabhängig von der Erneuerbaren-Energie-Anlage laden und entladen: Er kann auch Strom aus dem Netz beziehen und kauft Strom demnach am Großhandelsmarkt ein, wenn er günstig ist – zum Beispiel mittags – und verkauft ihn, wenn der Preis hoch ist. Ein Graustromspeicher kann zudem an den Regelreservemärkten teilnehmen – also am Primärregelleistungsmarkt, Sekundärregelleistungsmarkt und der Minutenreserve. Dort wird er für die Vorhaltung von Leistung vergütet, über den Leistungspreis, und für den tatsächlichen Abruf über den Arbeitspreis. Über alle relevanten Kurzfristmärkte hinweg sind somit mehrere hundert Deals am Tag möglich und Preisspannen können maximal ausgenutzt werden. Die Erlöse können aktuell daher etwa dreimal so hoch sein wie bei einem Grünstromspeicher und können sich schon innerhalb von drei Jahren amortisieren. Die Förderung von EEG-Anlagen am selben Netzverknüpfungspunkt bleibt davon unberührt.

Was sollten Betreiber aus Sicht eines Direktvermarkters beachten, wenn sie in einen Speicher investieren?

Vivien Klein-Campailla: Es ist sinnvoll, den Direktvermarkter zu einem frühen Zeitpunkt einzubinden, um die Dimensionierung und Auslegung von Anfang an erlösoptimiert zu gestalten. Es kann sich um scheinbare Kleinigkeiten handeln: Wenn ein Windparkbetreiber beim Speicherhersteller zwei Prozentpunkte mehr technische Verfügbarkeit aushandelt, wirkt sich das direkt auf die Erlöse aus. Ähnliches gilt für die Zyklenzahl – wir empfehlen, bei Graustromspeichern mindestens zwei Be- und Entladungszyklen pro Tag zu sichern. Beim Grünstromspeicher reichen hingegen 1,5 Zyklen pro Tag aus.

Wie sollte ein Speicher im Verhältnis zum Windpark ausgelegt sein?

Vivien Klein-Campailla: Bei Grünstromspeichern gibt es keine Universalantwort – das ist im Vergleich zu Graustromspeichern, die mit EE-Anlagen co-located sind, sehr standortspezifisch. Faktoren wie Volllaststunden, Effizienz des Windparks und Redispatch-Betroffenheit spielen eine Rolle. Bei Windpark-Grünstromspeichern kann im Unterschied zu PV zum Beispiel sogar ein Speicher mit vier Stunden Kapazität sinnvoll sein, um lange Sturmzeiten komplett abzudecken.

Bei Graustromspeichern gibt es schon eher ein Muster: Alle neuen Projekte werden oftmals direkt auf ein 2,5-Stunden-Verhältnis ausgelegt, wenn nicht sogar drei Stunden. Der Grund: Die Systemkosten für eine weitere Speicherstunde sind deutlich gesunken.

Welche Risiken gibt es für den Anlagenbetreiber?

Vivien Klein-Campailla: Die Risiken liegen eigentlich nur in der Performance der Anlage. Ärgerlich ist es, wenn die Anlage ausfällt und man auf den Kapitalkosten sitzen bleibt. Das ist das größte technische Risiko.

Daneben gibt es die regulatorische Welt, die beim Thema Speicher sehr dynamisch ist. So ist zum Beispiel die Nutzung eines Grünstromspeichers während des Redispatch aktuell noch eine individuelle Absprache zwischen Anlagenbetreiber und Netzbetreiber. Es gibt keine übergreifende Regel und keine klare Regulatorik dazu. Wenn ein Messkonzept sicherstellt, dass Netzbetreiber die Stromflüsse bilanziell trennscharf herauslesen können, ist das für den Netzbetreiber in der Regel in Ordnung, aber eine Standardisierung gibt es nicht. Jedes Co-Location-Projekt ist im Grunde Manufakturarbeit und es kommt auch immer auf einen guten Kommunikationsweg zum Netzbetreiber an.

Die Bundesnetzagentur hat allerdings bereits angekündigt, eine Art standardisiertes Messkonzept und Anforderungen an solche Projekte zu entwickeln. Sobald es das gibt, wird es vieles erleichtern.

Was ich aber deutlich sagen würde: Nicht alle regulatorischen Unsicherheiten abwarten, sonst ist der Zug abgefahren. Es ist vergleichbar mit der Zeit, als es mit der Direktvermarktung losging – da war das EEG auch neu und unklar. Die, die sich trotzdem getraut haben, haben profitiert. Wir befinden uns in einem ähnlichen Spannungsfeld. Für Graustromspeicher heißt es: Wer jetzt zwei, drei Jahre abwartet, wird von den aktuell noch attraktiven Erlösmärkten nicht mehr profitieren können – dennoch aber einen Beitrag zu unserer Energiewende leisten.

Die Privilegierung für Co-Location-Speicher wird möglicherweise zurückgenommen. Würde das den Boom bei Grünstromspeichern stoppen?

Vivien Klein-Campailla: Nein. Der Speicher wird einfach ein unverzichtbarer Komplementär für Erneuerbare Energien und uns in Zukunft begleiten – mit oder ohne Privilegierung.

Vivien Klein-Campailla,
Teamleiterin Flexibility Solutions bei MVV Trading

Foto: privat

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