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Sven Albersmeier-Braun von Sigenergy: „Besonders interessant sind Geschäftsmodelle in der Co-Location“

Wie entwickelt sich die Nachfrage nach großen Speichern?

Sven Albersmeier-Braun: Standalone Netzspeicher sind in vielen europäischen Märkten derzeit die nachgefragtesten Speicher, weil sie häufig sehr rentabel sind und die regulatorischen Bedingungen hierfür seit Längerem fixiert wurden. In den meisten Märkten bremst ein schlechter Zugang zu Netzverknüpfungspunkten allerdings die Euphorie erheblich. Daher findet gerade ein starker Schwenk in Richtung Co-Location statt. Allerdings lösen AC-Speicher das Problem auch bei Co-Location überhaupt nicht, da hierfür bei den Netzbetreibern zusätzliche Engpassleistung anzufragen ist. Daher ergibt sich aus der Co-Location nur dann ein Vorteil, wenn man mit dem Netzbetreiber ein Betriebsmodell vereinbart, das mit der vorhandenen Anschlussleistung auskommt. Allerdings tun sich Netzbetreiber hiermit schwer und solche Verträge sind erst vereinzelt abgeschlossen worden und dauern lange – meist Jahre.

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Was wäre die Alternative?

Das Problem lösen hier nur DC‑gekoppelte Großspeicher. Denn hier ist technisch sichergestellt, dass nur die bereits genehmigte Anschlussleistung des Parks auch in Anspruch genommen werden kann. Insbesondere in der Schweiz sehen wir bereits einige Co-Location-Projekte im Gewerbe. Bei Freiflächen gibt es hier erhebliches Potenzial und auch Bedarf durch die neuen Regelungen rund um negative Strompreise.

Welche Geschäftsmodelle sind mit Speichern inzwischen möglich?

Besonders interessant sind Geschäftsmodelle in der Co-Location, da man dort nicht nur Grünstrom zwischenspeichern kann, sondern auch Graustrom mit allen Modellen wie Netzdienstleistungen. So erreicht der Speicher die beste Wirtschaftlichkeit.

Neuregelungen 2026: Bau von Speichern vereinfacht

Sie sprachen schon die Möglichkeit an, Graustrom zwischenzulagern und ihn später wieder ins Netz einzuspeisen. Wie hat diese Regelung die Nachfrage nach Speichern verbessert?

Wie bereits erläutert, lösen in der Praxis ausschließlich DC-gekoppelte Großspeicher das Problem der fehlenden Netzkapazitäten. Allerdings ist hier aktuell bei der Bundesnetzagentur der Mischbetrieb in der Co-Location des Speichers nur für AC-Speicher vorgesehen. Sollte das so bleiben, wird es nur für kleinere Systeme eine Belebung geben. Bei Freiflächen wird dann der große Effekt ausbleiben.

Bei der Nutzung von Speichern gelten drei verschiedene Optionen: Ausschließlichkeitsoption, Abgrenzungsoption und Pauschaloption. Welche dieser Optionen ist für welchen Speicher passend?

Die Pauschaloption ist ausschließlich für Speicher in der Co-Location bis maximal 30 Kilowatt zugelassen. Daher bewegen wir uns dort im Privat- und Kleingewerbebereich und im Mischbetrieb. Dort sind die DC-Speicher einsetzbar, die heute den Markt in diesem Segment zu über 90 Prozent dominieren. Die Abgrenzungsoption ist dann für alle Anlagen oberhalb 30 Kilowatt, und dort sind wir wieder bei dem derzeitigen Regulierungsstand, der DC-Speicher unmöglich macht.

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Welche Voraussetzungen müssen die Speicher und die dazugehörige Infrastruktur mitbringen, damit diese Optionen auch in der Praxis möglich werden?

Ein intelligentes Energiemanagementsystem (EMS) ist Grundvoraussetzung. Außerdem ist es entscheidend, dass die Speicher Flexibilität hinsichtlich der Lade- und Entladeleistung haben. Die Systeme benötigen zwischen 0,5 und 1C, um auch netzdienlich arbeiten zu können (0,5C bedeutet, dass der Speicher seine volle Leistung zwei Stunden lang liefern kann, bei 1C kann er seine volle Leistung eine Stunde lang bereitstellen, Anm.d.Red.). In diesem Zusammenhang ist es für die Wirtschaftlichkeit von größter Bedeutung, dass die Performance des Systems stimmt. Das heißt, dass die Lade- und Entladeleistung auch konstant über den gesamten Zeitraum gehalten werden kann. Dies ist in der Praxis häufig ein Problem und führt dann zu Verlusten im Betrieb.

Welche Möglichkeiten für gewerbliche Speicherbetreiber ergeben sich aus den Regelungen in Paragraph 14a EnWG bezüglich Netzentgeltreduzierung?

Abhängig von dem Angebot des lokalen Netzbetreibers kann das zu erheblichen Vorteilen führen. Das hängt aber entscheidend vom Verhältnis des Energieverbrauchs zur vorhandenen Speicherkapazität ab. Für Betriebe mit einem großen Fuhrpark können selbstverständlich die Betriebskosten für die Fahrzeuge stark profitieren.

Die Fragen stellte Sven Ullrich

Einen ausführlichen Bericht zur Marktentwicklung im Speicherbereich lesen Sie in der aktuellen Ausgabe von ERNEUERBARE ENERGIEN. Abonnenten finden den Beitrag auch online. Sie haben noch kein Abo? Dann können Sie hier reinschuppern.