Erneuerbare Energien bei Google bevorzugen
Die Vorreiterprovinz Victoria hat die Ausschreibungsrunde für den Start des Offshore-Windkraft-Ausbau in dem südöstlichen Bundesland ein Jahr später als geplant eröffnet. Für die ersten zwei Gigawatt (GW) Erzeugungskapazität der geplanten Windkraft auf See können vorgeprüfte und durch Machbarkeitslizenzen zugelassene Projektierungsunternehmen ihre Angebote abgeben. Sie bieten Ihre Vorhaben für den Abschluss eines sogenannten Differenzvertrags (international üblich: CFD) an, der die gesicherte Vergütung der Windparks bestimmen soll. Dabei werden sich die Bietenden nicht nur über den günstigsten CFD-Zuschlagspreis für die einzuspeisenden Energieeinheiten qualifizieren, sondern auch über ihre technische Verfügbarkeit sowie ihren Wertschöpfungsnutzen für die lokale Beschäftigung, für die Wirtschaft und die Kommunen in der Region.
Vertragsabschlüsse für erste zwei Gigawatt Meereswindkraft in Australien schon 2026
Down Under kündigt erste neun Gigawatt Windkraft auf See an
Neues Windkraftquartett zur See
Die siegreichen CFD-Zuschlagswerte legen einen Mindestvergütungspreis für die eingespeiste Kilowattstunde fest. Erzielen die Unternehmen im späteren Betrieb Stromhandelspreise unterhalb dieses Tarifs, bezahlt der Staat die Differenz zu den rechnerischen Einnahmen auf Höhe des CFD-Preises. Bei Stromhandelspreisen über dem CFD-Zuschlagsniveau geben die Unternehmen den Überschuss ab. Das Verfahren soll vermeiden, dass die Investoren mit spekulativen Geboten sich unwirtschaftlich unterbieten und den tatsächlich notwendigen Mindestpreis verlangen und zugleich die Bau- und Betriebskosten zu senken versuchen und nach unten treiben.
Die nun begonnene Bieterphase nennt der Bundesstaat Request for Proposal (RFP). Sie soll in genau einem Jahr im August 2027 schließen. 2028 sollen die Zuschläge folgen. Die CFD sollen zu derzeit noch in Entwicklung befindlichen Vertrags- beziehungsweise Finanzierungsbedingungen führen, die der Gesamtstaat als Electricity Services Entry Mechanism (Esem) vorbereitet und die zum insgesamt vom Bundesland Victoria angepeilten ersten Ausbauziel für Offshore-Windkraft von neun Gigawatt führen sollen.
Der Ausschreibungen hätten zuvor bereits im August 2025 stattfinden sollen. Doch der Bundesstaat hatte sie verschoben, nachdem es Rückschläge im Vergabeprozess für die Machbarkeitslizenzen gegeben hatte, die den Entwicklungsfirmen siebenjährige Projektierungsphasen einräumen. Auch eine 2024 zunächst aufgrund von Umweltschutzkonflikten abgelehnte Finanzierung des für die Offshore-Windparkerrichtungen vorgesehenen Hafens von Hastings bremste die Ausschreibung im vergangenen Jahr noch aus, bis es im Mai eine Zusage für 124,5 Millionen australische Dollar gab. Außerdem bremsten offenbar weltweite politische Unsicherheiten die Ausschreibungsplaner in Victoria zunächst aus.
12 Vorhaben haben nun Lizenzen, um sich an den kommenden Ausschreibungen zu beteiligen, nachdem Investoren ihre Anträge für 37 Lizenzen gestellt hatten. Die Vorhaben zusammen decken ein Potenzial von 23 GW ab. Der Ausbaufahrplan des Bundeslandes sieht die Inbetriebnahme der ersten 2 GW bis 2032, weiterer 2 und damit insgesamt der ersten 4 GW bis 2035 und weitere 5 GW und somit insgesamt von 9 GW bis 2040 vor. Inbetriebnahmen einzelner Turbinen des ersten bezuschlagten Windparkprojektes könnten 2030 beginnen, hieß es bisher.
Australien hat bislang fünf bis sechs Ausbauregionen bestimmt. Außer den je nach Zählweise ein bis zwei Offshore-Windpark-Entwicklungszonen vor Victoria sind aber nur für ein drittes Gebiet vor Westaustralien noch Lizenzen erfolgt. Drei Vorhaben sollen demnach dort an der ersten Ausschreibung teilnehmen können, bislang steht diese Ausschreibung allerdings noch aus.
Australien wird damit als vierter Kontinent zu einem Teil des weltweiten Offshore-Windkraft-Marktes. Nach Europa und Nordamerika war im vergangenen Jahr auch im südamerikanischen Kolumbien ein Zuschlag erfolgt: Allerdings gab das Land bisher nur einem erweiterten Testprojekt mit etwas mehr als 400 Megawatt des dänischen Investmentfonds CIP die Entwicklungsrechte.