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Australien beginnt Offshore-Windkraft-Ausschreibung für erste zwei Gigawatt

Die Vorreiterprovinz Victoria hat die Ausschreibungsrunde für den Start des Offshore-Windkraft-Ausbau in dem südöstlichen Bundesland ein Jahr später als geplant eröffnet. Für die ersten zwei Gigawatt (GW) Erzeugungskapazität der geplanten Windkraft auf See können vorgeprüfte und durch Machbarkeitslizenzen zugelassene Projektierungsunternehmen ihre Angebote abgeben. Sie bieten Ihre Vorhaben für den Abschluss eines sogenannten Differenzvertrags (international üblich: CFD) an, der die gesicherte Vergütung der Windparks bestimmen soll. Dabei werden sich die Bietenden nicht nur über den günstigsten CFD-Zuschlagspreis für die einzuspeisenden Energieeinheiten qualifizieren, sondern auch über ihre technische Verfügbarkeit sowie ihren Wertschöpfungsnutzen für die lokale Beschäftigung, für die Wirtschaft und die Kommunen in der Region.

Die siegreichen CFD-Zuschlagswerte legen einen Mindestvergütungspreis für die eingespeiste Kilowattstunde fest. Erzielen die Unternehmen im späteren Betrieb Stromhandelspreise unterhalb dieses Tarifs, bezahlt der Staat die Differenz zu den rechnerischen Einnahmen auf Höhe des CFD-Preises. Bei Stromhandelspreisen über dem CFD-Zuschlagsniveau geben die Unternehmen den Überschuss ab. Das Verfahren soll vermeiden, dass die Investoren mit spekulativen Geboten sich unwirtschaftlich unterbieten. Stattdessen sollen sie dank des Auktionsmechanismus den tatsächlich notwendigen Mindestpreis verlangen und zugleich die Bau- und Betriebskosten zu senken versuchen und nach unten treiben.

Die nun begonnene Bieterphase nennt der Bundesstaat Request for Proposal (RFP). Sie soll in genau einem Jahr im August 2027 schließen. 2028 sollen die Zuschläge folgen. Die CFD sollen zu derzeit noch in Entwicklung befindlichen Vertrags- beziehungsweise Finanzierungsbedingungen führen, die der Gesamtstaat als Electricity Services Entry Mechanism (Esem) vorbereitet und die zum insgesamt vom Bundesland Victoria angepeilten ersten Ausbauziel für Offshore-Windkraft von neun Gigawatt führen sollen.

Der Ausschreibungen hätten zuvor bereits im August 2025 stattfinden sollen. Doch der Bundesstaat hatte sie verschoben, nachdem es Rückschläge im Vergabeprozess für die Machbarkeitslizenzen gegeben hatte, die den Entwicklungsfirmen siebenjährige Projektierungsphasen einräumen. Auch eine 2024 zunächst aufgrund von Umweltschutzkonflikten abgelehnte Finanzierung des für die Offshore-Windparkerrichtungen vorgesehenen Hafens von Hastings bremste die Ausschreibung im vergangenen Jahr noch aus, bis es im Mai eine Zusage für 124,5 Millionen australische Dollar gab. Außerdem bremsten offenbar weltweite politische Unsicherheiten die Ausschreibungsplaner in Victoria zunächst aus.

12 Vorhaben hatten ursprünglich ihre Feasibility Licences erhalten, um sich an den kommenden Ausschreibungen zu beteiligen, nachdem Investoren ihre Anträge für 37 Lizenzen gestellt hatten. Die Vorhaben zusammen deckten ein Potenzial von 25 GW ab. Im zweiten Halbjahr des vergangenen Jahres hatten dann allerdings drei Entwicklerkonsortien ihre Lizenzen zurückgegeben. Betroffen sind die Gippsland Skies, Gippsland Dawn und Kent. Deshalb lassen sich nun noch Kapazitäten mit mehr als 18 GW ins Rennen der ersten Auktionsrunde schicken.

Der Ausbaufahrplan des Bundeslandes sieht die Inbetriebnahme der ersten 2 GW bis 2032, weiterer 2 und damit insgesamt der ersten 4 GW bis 2035 und weiterer 5 GW und somit insgesamt von 9 GW bis 2040 vor. Inbetriebnahmen einzelner Turbinen  des ersten bezuschlagten Windparkprojektes könnten 2030 beginnen, hieß es bisher. Eine Aufsichtsbehörde des australischen Parlaments allerdings geht davon aus, dass es Victoria frühestens 2033 schafft, dass erster Offshore-Windstrom einspeist.  

Australien hat sechs Ausbauregionen bestimmt. Außer Gippsland existiert westlich davon vor Victoria noch das Ausbaufeld Southern Ocean, für das bisher nur – seit Anfang 2025 – die Projektierungszone Spinifex mit 1,2 GW eine Lizenz innehat. Ansonsten sind für ein drittes Gebiet des Kontinents, vor Westaustralien, noch drei Lizenzen vorhanden.

Australien wird damit als vierter Kontinent zu einem Teil des weltweiten Offshore-Windkraft-Marktes. Nach Europa und Nordamerika war im vergangenen Jahr auch im südamerikanischen Kolumbien ein Zuschlag erfolgt: Allerdings gab das Land bisher nur einem erweiterten Testprojekt mit etwas mehr als 400 Megawatt des dänischen Investmentfonds CIP die Entwicklungsrechte.