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Großspeicher

Verbund baut Großspeicher zur Netzstützung neben Wasserkraftwerk

Der österreichische Versorger Verbund hat neben einem Wasserkraftwerk an der Donau einen großen Batteriespeicher gebaut. Er soll das Netz stabilisieren und die Turbinen des Kraftwerks entlasten.

Der österreichische Stromproduzent Verbund hat einen Großspeicher in Betrieb genommen. Nach eigenen Angaben ist es der erste dieser Größe in der Alpenrepublik. Das Batteriekraftwerk steht direkt an der Donau zwischen Wallsee und Mitterkirchen, direkt an der Grenze zwischen Ober- und Niederösterreich. Dort wird es die Aufgabe übernehmen, das Stromnetz stabil zu halten und unter anderem die Schwankungen des bereits installierten Wasserkraftwerks auszugleichen. Durch die gewonnen Flexibilität kann die Leistung des Donaukraftwerks besser ausgenutzt werden.

14,2 Megawattstunden fasst der Speicher

Außerdem soll das Speicherkraftwerk mit dem Namen Bluebattery dem Netzbetreiber Primärregelleistung anbieten können. Immerhin kann es den eingespeicherten Strom mit einer Leistung von zehn Megawatt ins Netz einspeisen. Acht Megawatt davon werden für die Primärregelleistung bereitgestellt. Die restlichen zwei Megawatt dienen dem Lademanagement. Mit einer Speicherkapazität von 14,2 Megawattstunden ist es bestens für die vorgesehenen Aufgaben gerüstet. „Wasserkraft wird zumeist als verlässlicher Dauerläufer gesehen“, erklärt Michael Amerer, Geschäftsführer der Wasserkraftsparte des Energieversorgers Verbund Hydro Power. „In Wallsee-Mitterkirchen beweisen wir, dass wir auch im Netz einspringen können. Die Einsätze werden häufiger und beanspruchen die Maschinen. Mit der Großbatterie schonen wir die Anlage und sind trotzdem jederzeit einsatzbereit“, beschreibt er das Konzept.

61.000 Akkus installiert

Die Arbeiten an dem neuen Speicherkraftwerk begannen schon im Oktober 2019. Jetzt sind die fast 61.000 Lithiumionen-Akkus, die in den fünf Containern untergebracht sind, ans Netz angeschlossen. Das Lademanagement misst stetig die Frequenz im Netz. Läuft diese aus dem Ruder, springt der Speicher ein. Sinkt sie unter 49,8 Hertz, ziehen die Akkus Strom aus dem Netz, steigt sie über 50,2 Hertz, speisen sie den eingespeicherten Strom zurück. Im Anschluss daran kann das Wasserkraftwerk den Speicher wieder bis zum vorgesehenen Ladepunkt füllen.

16 Megawatt Regelleistung

Jeder Container ist mit jeweils einem Wechselrichter und einem Transformator ausgestattet, die einerseits den Gleichstrom aus der Batterie in netzkonformen Wechselstrom umgewandelt und auf die erforderliche Netzspannung gebracht. Die Transformatoren und Wechselrichter sorgen zudem dafür, dass beim Einspeichern der Strom aus dem Netz auf die Ladespannung der Batterie gebracht wird und dort als Gleichstrom ankommt. Dadurch stehen dem Stromsystem positive und negative Regelenergie mit einer Leistung von 16 Megawatt zur Verfügung. Da der Speicher innerhalb von Sekundenbruchteilen reagiert, kann er den größten Teil der im Netzabschnitt benötigten Primärregelleistung abdecken.

Auf die Zukunft der Stromversorgung reagiert

Angesichts der Pläne, die die österreichische Regierung mit Blick auf die Energiewende hegt, werden solche Systeme immer wichtiger. Denn Wien will bis zum Ende dieses Jahrzehnts die gesamte Stromversorgung der Alpenrepublik mit erneuerbaren Energien stemmen. Dafür sind erhebliche zusätzliche Kapazitäten an Photovoltaik und Windkraft notwendig. Da diese volatil einspeisen, können solche Batteriekraftwerke wie eines in Wallsee-Mitterkirchen entstanden ist, dafür sorgen, dass der gesamte Ökostrom genutzt und das Netz dennoch stabil gehalten werden kann. „Die Zukunft der Stromversorgung erfordert Reaktionen in Sekundenbruchteilen – genau das kann die Bluebattery“, betont Michael Strugl, stellvertretender Vorstandsvorsitzende von Verbund, mit Blick auf die Ziele Österreichs

.“ Mit dieser innovativen Anlage setzen wir Maßstäbe für mehr Effizienz und Versorgungssicherheit.“

Flexibilitäten aufbauen

Auch der oberösterreichische Landeshauptmann Thomas Stelzer verweist auf die Stabilität des Netzes angesichts der Vorhaben, die St. Pölten bis 2050 plant. „Wir freuen uns über diese zukunftsweisende Technologie am Standort Wallsee-Mitterkirchen, welche in dieser Größenordnung erstmals in Österreich zum Einsatz kommt“, erklärt er bei der Eröffnung der Anlage. „Eine derartige Flexibilitätsanlage steht mit den energiepolitischen Zielen des Landes Oberösterreich im Einklang, die im Energiekonzept Energie-Leitregion OÖ 2050 stehen.“ Sie sehen unter anderem üppige Investitionen in die Versorgungssicherheit bei steigendem Anteil volatil erzeugender Ökostromanlagen vor. Dazu sollen unter anderem flexible Backupkapazitäten aufgebaut werden, zu denen die neu installierte Bluebattery gehört.

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