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Die Planer von Wärmenetzen in ländlichen Regionen sollten mit spitzem Bleistift rechnen. Denn lange Transportwege der Wärme können solche Projekte für die angeschlossenen Abnehmer unter bestimmten Bedingungen unwirtschaftlich machen – selbst wenn eine gute Wärmequelle vorhanden ist. Das ist das Ergebnis einer Studie zum Wärmenetz in Windeck-Dattenfeld im Südwesten von Nordrhein-Westfalen im Auftrag des Stadtwerkenetzwerks Rhenag.
Voraussetzungen waren gut
Dort wollte eine engagierte Bürgerinitiative ein Wärmenetz aufgebaut werden. Eine Kläranlage ist als potenzielle Wärmequelle vorhanden. Die Idee war es, die Abwärme aus der Kläranlage zu nutzen. „Weiterhin gab es Überlegungen für ein kaltes Nahwärmenetz mit einem Eisspeicher als Wärmequelle“, erläutert Ferdinand Patt von der Bürgerinitiative Nahwärme-Windeck.
Auch einzelne Großverbraucher hätten als Ankerkunden an das Netz angeschlossen werden können. Eigentlich sind das geeignete Rahmenbedingungen für ein solches zentrales Wärmenetz. Doch die Machbarkeitsstudie hat gezeigt, dass eine zentrale Versorgung der Region mit einem flächendeckenden Wärmenetz für den Endkunden im Vergleich zu einer dezentralen Einzelversorgung über Wärmepumpen oder Biomassekessel kostenintensiver ist.
Grundlage für die Entwicklung von Wärmelösungen
Dies bedeutet das Aus für das Vorhaben. „Dennoch sind wir sehr froh um die Ergebnisse der Studie, denn wir wissen jetzt mehr darüber, unter welchen Voraussetzungen Wärmenetze im ländlichen Raum sinnvoll sind“, erklärt Norman Petersson, Leiter Energiegeschäft bei Rhenag Energie. Windecks Beigeordneter und Geschäftsführer der Windeck Energie, Thomas Becher, ergänzt: „Auch wenn ein flächendeckendes Wärmenetz in Dattenfeld derzeit nicht wirtschaftlich realisierbar ist, gewinnen wir damit eine wertvolle Grundlage für die Entwicklung nachhaltiger und bezahlbarer Wärmelösungen in Windeck.“
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Räumliche Verteilung ist wichtig
Die Studie zeigt deutlich, dass die Anzahl und die Nutzungsart der angeschlossenen Gebäude sowie die räumliche Verteilung eine entscheidende Rolle spielen. Neben einer geeigneten Wärmequelle ist es demnach auch wichtig, möglichst viele potenzielle Einzelabnehmer auf möglichst dichtem Raum an ein solches Wärmenetz anzuschließen. Lange Transportwege sind zu teuer. Deshalb ist es von Vorteil, wenn Mehrfamilienhäuser und kommunale Liegenschaften auf möglichst kleinem Raum gebaut sind, die die Wärme abnehmen.
Kleine lokale Netze sind sinnvoll
Das ist in Dattenfeld nicht vorhanden. Vielmehr führt die weitläufige Bebauungsstruktur aus vielen Einfamilien- und wenigen Mehrfamilienhäusern bei wenigen Ankerkunden zu hohen Netzinfrastrukturkosten pro erzeugter Wärmemenge. Allerdings muss nicht jedes Gebäude eine eigene Wärmepumpe bekommen. Vielmehr sind kleinere Netze, die benachbarte Gebäude zusammenschließen, weiterhin denkbar.
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Außerdem zeigt die Studie, dass Wärmenetze in ländlichen Regionen nicht grundsätzlich ausgeschlossen sind. Sie sind dann sinnvoll, wenn in dicht bebauten Ortskernen bauliche Einschränkungen dezentrale Lösungen erschweren. In solchen Fällen können Wärmenetze sogar die einzig sinnvolle Option sein. „Jedoch braucht es verlässliche Wärmequellen – am besten kombiniert aus mehreren Energieträgern – sowie einen ausgewogenen Mix aus kommunalen und gewerblichen Abnehmern, die einen hohen und konstanten Wärmebedarf bei langfristiger Bindung an den Standort aufweisen“, sagt Norman Petersson.