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Erster Klimaturm geht in Bremen in Betrieb

Die Energiewende im Wärmesektor kommt nur schleppend voran. Zwar müssen die Kommunen die Wärmeplanungen vorlegen und wo sie Nah- und Fernwärme verlegen. Doch dies ist aufwendig und kostspielig. Das könnte sich mit dem Klimaturm ändern. Dabei handelt es sich um einen Turm, in dem eine Großwärmepumpe untergebracht ist, die Luft als Quelle nutzt. Diese Wärmepumpe macht im Jahresmittel aus einer Kilowattstunde Strom drei Kilowattstunden Wärme – im Sommer mehr, im Winter weniger. Die gewonnene Wärme wird in einem angeschlossenen Schichtspeicher zwischengelagert und bei Bedarf ins Nahwärmenetz eingespeist.

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Der erste dieser Klimatürme wurde in Bremen eingeweiht. Die Anlage auf der Überseeinsel liefert eine Wärmeleistung von 500 Kilowatt und ist flüsterleise. Bei der Eröffnung waren die Lüfter der großen, aufgebauten Monitore lauter als die Wärmepumpe im Turm. Das gelingt, indem die Anlage in dickem Beton eingehaust ist und die Wärmepumpe selbst auf Füßen lagert, die die Schwingungen und den sonst störenden tiefen Schall dämpfen.

Dezentral denken und handeln

Damit ist die Anlage bestens für die Wärmeversorgung von vielen Wohnungen geeignet, ohne lange und dicke Leitungen durch ganze Städte verlegen zu müssen. Auf diese Weise zeigt der Klimaturm einen weiteren Vorteil: Er kann im Schwarm genutzt werden, wie es Tobias Werner, Geschäftsführer von Towergy, ausdrückt. Denn vor allem kleine Stadtwerke stehen vor der großen Aufgabe, die Investition in ein Fernwärmesystem mit einem zentralen Wärmeversorger zu stemmen. „Doch was spricht dagegen, kleiner und dafür dezentraler zu denken?“, fragt Tobias Werner in die Runde.

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So können die Stadtwerke zunächst mit dem ersten Klimaturm starten. Wenn ausreichend Verbraucher angeschlossen sind, dass sich dieser rechnet, können sie den zweiten Klimaturm bauen. Der Vorteil ist, dass diese zunächst nicht über ein riesiges Rohrleitungssystem miteinander verbunden sein müssen. So können die Stadtwerke sukzessive kleinere Nahwärmenetze aufbauen, die sie am Ende bei Bedarf zu einem Fernwärmenetz zusammenschießen können.

Wärmekonzept vorgelegt

Für den Bremer Bürgermeister Andreas Bovenschulte ist dies genau der Ansatz, den die Stadt benötigt. Er sieht hier nicht nur eine wirtschaftliche Möglichkeit, die Wärmewende in Bremen zu realisieren, sondern betont auch noch den sozialen Aspekt. „Wir haben als Stadt Bremen eine Wärmeplanung vorgelegt und die Quartiere festgelegt, die durch Fernwärme erreicht werden sollen“, sagt er anlässlich der Inbetriebnahme.

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Dabei handelt es sich vor allem um Quartiere mit dichter Bebauung. „Wir haben weitere Quartiere, wo sich die Bewohner:innen dezentrale Wärmepumpen anschaffen, weil sie sich das leisten können und weil sie ausreichend Platz haben. Doch was ist mit all denen, die dort wohnen, wo man weder eine vernünftige Fernwärmeversorgung machen kann, wo aber auch kein Platz und kein Geld vorhanden ist, um dezentrale Wärmepumpen zu bauen?“, fragt der Bürgermeister.

Kleinere Quartiere mit Umweltwärme versorgen

Er weist darauf hin, dass das in Bremen sehr viele Quartiere betrifft, da die Stadt nicht so dicht bebaut ist wie etwa Berlin, Frankfurt oder andere Großstädte. „Genau dort können wir Lösungen wie den Klimaturm sehr gut gebrauchen – nämlich die Fähigkeit, über eine kompakt installierte Großwärmepumpe 50 bis 300 Haushalte oder perspektivisch mehr mit einem Nahwärmekonzept zu versorgen. Und das noch mit einer geringen Lärmbelastung“, erklärt Andreas Bovenschulte.

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Er sieht aber auch den sozialen Aspekt. „Denn die Energiewende ist auch eine immense soziale Herausforderung“, betont der Bremer Regierungschef. „Denn was passiert mit denjenigen, die als Letzte bei Öl und Gas hängenbleiben, mit den Netzentgelten und den steigenden Preisen, die keine Wärmepumpe installieren können und auch nicht am Fernwärmenetz angeschlossen sind? Mit dem Klimaturm haben wir nicht nur eine ökologische Innovation. Er trägt im Kern auch zum sozialen Zusammenhalt bei“, betont Bovenschulte.

In die Serienfertigiung gehen

Der Klimaturm soll jetzt in Bremerhaven in die Serienfertigung gehen. „Wir wollen im ersten Schritt dort bis zu 50 Türme im Jahr fertigen. Perspektivisch ist die Ausweitung der Produktion im Zweischichtbetrieb auf 100 Türme im Jahr geplant, wenn die Nachfrage vorhanden ist“, stellt Tobias Werner von Towergy in Aussicht. Towergy wird die Anlagen zudem in Zukunft nicht nur an die Stadtwerke verkaufen, sondern auch ein Contracting-Modell auflegen. Auch die Kooperation mit Energiegenossenschaften ist geplant.