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Wärmewende: Hannover schaltet Kohlekraftwerk ab

Hannover hat einen wichtigen Meilenstein der Wärmewende erreicht: Nachdem jetzt der Block I des Kohlekraftwerks Stöcken abgeschaltet wurde, stammt künftig jede zweite Kilowattstunde Fernwärme aus klimaneutralen Quellen. In gut zwei Jahren sollen es bis zu 75 Prozent sein, wie der Energieversorger Enercity mitteilt. Durch die Abschaltung spare die niedersächsische Landeshauptstadt jährlich eine halbe Million Tonnen CO₂ ein, hieß es weiter.

246 Megawatt thermische Leistung erstetzt, weitere 300 folgen

Die bisher von Block I des Kohlekraftwerks erzeugte Wärme wird durch fünf dezentrale Anlagen ersetzt, die nicht mehr recyclefähiges Altholz, Klärschlamm, Abwärme und Biomethan nutzen. Insgesamt hat das Energieunternehmen seit 2020 so rund 246 Megawatt thermische Leistung aus erneuerbaren Energien neu realisiert. Weitere Projekte mit mehr als 300 Megawatt sind bereits im Bau oder in Planung.

Greifswald ist Energie-Kommune des Jahres 2025

Hannover verfolgt dabei einen ehrgeizigen Ausstiegsplan aus der Kohle: Nach Ende der Heizperiode 2027/28 soll, ohne einen Umweg über zusätzliche Erdgasverbrennung zu nehmen, der Ausstieg aus der Kohle geschafft sein. Erdgas soll möglichst bald folgen: Ab Mitte der 2030er Jahre wird das verbliebene Gaskraftwerk wasserstoff-ready sein, kündigte Enercity an. Klimaneutral will Hannover bis 2035 werden. Wichtige Schlüssel dazu sind ein massiver Ausbau der Fernwärme – zwei Drittel aller Gebäude in der Stadt sollen über Wärmenetze beheizt werden – und die Erschließung neuer Wärmequellen.

Stadtwerke-Chefin fordert Transparenz für CO₂-Kosten

„Enercity zeigt, dass ein vorzeitiger Kohleausstieg und die Wärmewende keine Vision sind“, sagt Aurélie Alemany, CEO des Energieversorgers. „Genau deshalb sind klare politische Leitlinien notwendig – wie ein ETS2, der transparent macht, was CO₂ wirklich kostet und die Investitionen honoriert, die wir heute für die klimaneutrale Wärme von morgen tätigen.“ Nur mit dieser Klarheit könnten Unternehmen das Tempo halten, das Deutschland für seine Klimaziele braucht.

„Die Möglichkeiten der Flexibilisierung werden oft noch unterschätzt “

Für den Ersatz von Block I wurden laut Enercity bislang knapp 400 Millionen Euro investiert. Insgesamt sollen bis 2040 Investitionen in Höhe von rund 1,5 Milliarden Euro in das Gesamtportfolio neuer Wärmeerzeugungsanlagen und den Fernwärme-Netzausbau fließen. Neben Biomasse- und Klärschlammverwertung spielen weitere Abwärmenutzungen und modernste Großwärmepumpen eine zentrale Rolle.

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Erfolgreiche Bürgerbewegung setzt frühere Kohleausstieg durch

Politisch durchgesetzt wurde der frühe Kohleausstieg durch das Bündnis „Hannover Erneuerbar“. Ursprünglich nämlich hatte der Ausstieg aus der Kohle erst 2030 kommen sollen. Zu spät, befand ein breites Bündnis unter anderem aus der For-Future-Bewegung, Umweltgruppen wie Greenpeace und BUND sowie der IG Metall. „Hannover Erneuerbar“ startete im Januar 2021 ein Bürgerbegehren mit dem Ziel, schon 2026 aus der Kohle auszusteigen. Als sich eine große Zustimmung abzeichnete, begannen Verhandlungen mit Stadt und Energieversorger, an deren Ende die Einigung auf einen vorgezogenen Kohleausstieg stand.