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Sektorenkopplung

Wie eine Biomasseanlage im Schweineland bald Megatonnen Gülle verwerten soll

Eine der größten Biogasanlagen Europas soll das Gülleproblem der Weser-Ems-Region lindern. Die Landesregierung in Hannover bekennt sich nun dazu.

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Tilman Weber

Genau genommen sollen zwei große Gülle- und Mistverwertungsanlagen am Küstenkanal mitten in dem deutschen Schweinezuchtschwerpunktgebiet entstehen. An dem geplanten Standort zwischen der Stadt Friesoythe und der Gemeinde Saterland planen die aus der Region stammenden Unternehmen Revis Bioenegy und Kaskum den Bau sowohl einer Biogasproduktionsanlage, als auch einer Gülleverwertungsanlage zur Produktion von Phosphat, Kalium und Stickstoff, die beide jeweils eine Million Tonnen Gülle und Gülle mit Mist verwerten sollen. Das niedersächsische Wirtschaftsministerium bestätigte nun seine Unterstützung für das Projekt, das die beiden Unternehmen erst im März bekannt gegeben hatten und bereits Widerstand von örtlichen Bürgergruppen erfährt.

„Co2-negative" Biogasanlage soll Methan und Flüssiggas produzieren“

Das Konzept der Biomethananlage sieht zwei Varianten der Verwertung vor. So werde es ein Gemisch aus 80 Prozent Mist und 20 Prozent Gülle einerseits als Biogas verwerten, erklärte das mit diesem Teilprojekt befasste Unternehmen Revis Bioenergy aus Münster. Nach einer Veredelung auf Erdgasqualität werde die Anlage den energiereichen Brennstoff dann als Methan ins Gasnetz des regionalen Oldenburger Versorgers EWE einzuspeisen. Andererseits werde die Anlage aus diesem Gemisch aber auch Bio-Flüssiggas beziehungsweise Bio-LNG produzieren, das sich als CO2-neutraler Treibstoff im Verkehr nutzen lässt. Möglicherweise werde das Unternehmen auch den Betrieb einer LNG-Tankstelle ins Konzept mit einbeziehen, deutete der Geschäftsführer von Revis Energy, Simon Detscher, schon im März an.

Weil die Anlage auch das hierbei als Emission anfallende CO2 aber nicht in die Athmosphäre entlasse, sondern verflüssigen und als grünes CO2 der Industrie zur Verfügung stellen werde, werde sie sogar CO2-negativ sein, betonte Detscher.

Zweite Anlage: Aufspaltung von Gülle in chemische Grundstoffe

Die zweite Anlage, deren Bau Kaskum aus Friesoythe plant, soll Schweine- oder Rindergülle in Phosphat, Kalium und Stickstoff und sogenanntes vorflutfähiges Wasser aufspalten: also so sauberes Wasser, das es von landwirtschaftlichen Flächen ohne weitere Schutzvorkehrungen abfließen darf.

Auf eine dreistellige Millionenhöhe beziffern die beiden Unternehmen die geplante Investition. Sie stellen in Aussicht, mit ihr rund 100 Arbeitsplätze zu schaffen. Das 20 Hektar große Gelände gehört der Hafengesellschaft C-Port.

Wirtschaftsminister lobt „Lösung für landwirtschaftliche Herausforderungen“

„Das, was dort geplant ist, sind zukunftweisende Technologien, die optimal in die gesamte LNG-Strategie des Landes Niedersachsens passen. Sie bieten neue Lösungen für Herausforderungen in der Landwirtschaft und wirtschaftlich sinnvolle Möglichkeiten für neue klimaschonende Kraftstoffe, die unsere Maßnahmen mit Blick auf den Klimawandel unterstützen“, zitierte C-Port in einer Pressemitteilung nun den Wirtschaftsminister Bernd Althusmann. Der örtliche Landrat und Vorsitzende der C-Port-Verbandsversammlung, Johann Wimberg, sagte zu den möglichen Vorteilen der Gülleverwertung für die Fleischzuchtregion mit Verweis auf die Güllebelastung der Böden der Region: „Mit den geplanten neuen Technologien ist das möglich, was Politik und Bürger wollen: weniger Belastungen des Grundwassers in der Region und grüne, ökologische Kraftstoffe, die fast keinen Feinstaub verursachen und Co2-neutral sind“.

Zudem betonte Althusmann, er hoffe, dass „in den kommenden Monaten die intensiven Prüfungen aller Details und Projektbestandteile der Investoren durch behördliche Fachleute und Gutachter die Voraussetzungen schaffen, damit die Anlagen dann gebaut und Produkte erzeugt werden, die bundesweit eine Vorreiterrolle in der Energiewende einnehmen und Niedersachsen bestens zu Gesicht stehen".

Hafenzweckverband leitet Grundstücksverkauf an Investoren ein

Lokaler Widerstand formiert sich beispielsweise in der Bürgerinitiative Sauberer C-Port. Die Kritiker des Projekts befürchten Geruchsbelästigung durch die Tierfäkalien und den Verarbeitungsprozess sowie Lärm durch das Anfahren der Gülle- und Mistlieferungen. Die Investoren hingegen machen für sich geltend, durch hohe Standards in Lüftung, Luftreinigung und Anlagentechnologie sowie aufgrund der Lage der Anlage mit guten Anfahrtsstraßen abseits der Ortschaften beides vermeiden zu können. Am Dienstag öffnete die C-Port-Gesellschaft nun auch offiziell die Projektentwicklung am Küstenkanal: Der Verbandsausschuss des C-Port-Zweckverbands stimmte dem Verkauf des Grundstücks an die beiden Investoren zu.