Techniktrend

Windindustrie setzt auf Europa und auf Asien

Windenergieunternehmen weltweit schätzen die Perspektiven der ausländischen Märkte zunehmend positiver ein – für Deutschland sinken die Erwartungen.

Inhaltsverzeichnis

Tilman Weber

Die globale Windindustrie sieht ihre Chancen im Windenergiegeschäft vor allem in Asien und dann noch in Europa – außerhalb Deutschlands. Eine Umfrage des Marktforschungsanbieters Trendresearch in Kooperation mit der Messegesellschaft Hamburg Messe und Congress (HMC) unter 1.655 „Industrieexperten“ ergab hierbei laut gemeinsamer Mitteilung der Partner einen deutlichen Aufwärtstrend für Asien sowie ein noch stabiles relativ hohes Zutrauen in Europa.

Zum zweiten Mal hatte Trendresearch mit einer weltweiten Umfrage solche und weitere Stimmungsdaten erhoben und bilanziert sie nun gemeinsam mit der HMC als Wind Energy Trend Index („WindEnergy trend:index“ (WEtix)). Die Umfragedaten des ersten WEtix hatten Trendresearch und HMC im Frühjahr erhoben. Die nun zweite und erst kürzlich abgeschlossene Herbstumfrage ergab eine inzwischen fast 50-prozentige Zustimmung dafür, dass sich der asiatische Markt für Windenergie an Land positiv entwickelt. 35 Prozent der Antwortenden stimmten dafür, dass sich in Asien die Rahmenbedingungen gesetzlich, politisch und sozial gut entwickeln. 14 Prozent sahen sogar eine sehr gute Entwicklung für diesen Marktrahmen in Asien. 56 Prozent schätzen die Entwicklung der Rahmenbedingungen als weder gut noch schlecht sondern als „neutral“ ein. Auch in der Frühjahrsumfrage war Asien schon die Region, deren Rahmenbedingungen prozentual die meisten positiven Wertungen erhielten. Allerdings hat Asien jetzt seinen Vorsprung sogar weiter ausgebaut: Damals stimmten 34 Prozent dafür, dass sich die Rahmenbedingungen gut entwickeln – und 12 Prozent, dass sie sich sehr gut entwickeln.

41 Prozent sehen Europa als Markt mit guter oder sehr guter Entwicklung

Europa schneidet hierbei wie schon im Frühjahr am zweitbesten ab. Allerdings erhöhten sich die Stimmungswerte für die Entwicklung der Rahmenbedingungen des Onshore-Geschäfts hier nicht: Mit insgesamt 41 Prozent der Bewertungen gut und sehr gut schnitt der Kontinent gerade noch auf dem Niveau der Frühjahrsumfrage ab, als 42 Prozent dem Markt eine positive Entwicklung attestierten. Dass Europa bei Windenergie an Land allerdings im Verhältnis zum asiatischen Markt an Bedeutung verliert, zeigen auch die negativen Werte: Für Asien geht auch die ohnehin noch sehr geringe Menge der Akteure mit negativen oder sehr negativen Erwartungen noch weiter zurück: Wie schon in der Frühjahrsumfrage sieht nur ein Prozent der hierzu Antwortenden eine sehr schlechte Entwicklung der Rahmenbedingungen für Onshore-Wind. Und nur vier Prozent sehen die Entwicklung nun als schlecht an – nach nur fünf Prozent in der Frühjahrsumfrage. Für Europa bewerten 17 Prozent der Antwortenden die Entwicklung als schlecht und zwei Prozent als sehr schlecht: nahezu identisch mit den Werten der Frühjahrsumfrage.

Im Offshore-Geschäft – bei der Entwicklung der Rahmenbedingungen für die Windkraft im Meer – stagnieren die guten Erwartungen für den europäischen Markt auf hohem Niveau. Hier liegt Europa mit zusammen 60 Prozent für ein „gut“ oder „sehr gut“ noch deutlich vorn – doch war das schon fast das Niveau des Frühjahres mit 59 Prozent. Für Asien erhöhten sich die positiven Stimmen zu den Rahmenbedingungen bei Offshore-Windkraft hingegen rasant: Werteten im Frühjahr noch 46 Prozent die Entwicklung als positiv oder sehr positiv waren es jetzt schon 55 Prozent. Speziell bei der Bewertung „sehr positiv“ zog Asien nun schon mit Europa gleich.

Vertrauen in Deutschland sinkt

Stark rückläufig ist hingegen das Vertrauen in den deutschen Markt. Hier scheint sich nun die enttäuschte Erwartung niederzuschlagen, dass in Deutschland wie von der Politik versprochen noch in diesem Jahr entscheidende neue Rahmendaten und Gesetze klar werden. Doch sowohl der angekündigte Ausstiegs-Fahrplan für die Nutzung der Kohlekraft als auch konkrete Gesetze für einen schnelleren Ausbau der Windenergie sind entweder komplett aufs nächste Jahr verschoben worden oder sie sind nun nur in Teilen sowie nicht im erwarteten Ausmaß vorgesehen: zum Beispiel die Sonderausschreibungen für Windenergie-Installationen über die im Gesetz schon bisher festgeschriebenen Auktionen für jährlich 2.800 oder 2.900 MW hinaus.

So sehen zwar immer noch stabil acht Prozent der Antwortenden eine sehr positive Entwicklung bei den Rahmenbedingungen Deutschlands im Onshore-Geschäft. Aber darüber hinaus halten diese nur noch 19 Prozent für gut – nach 24 Prozent im Frühjahr. 37 Prozent hingegen sehen die Entwicklung als negativ an und schon 13 Prozent als sehr schlecht. Im Offshore-Geschäft sind die Zustimmungswerte hingegen noch stabil und relativ hoch: bei 12 Prozent für „sehr positiv“, 31 Prozent für „positiv“, 34 Prozent für „neutral“, 18 Prozent für „negativ“ und 5 Prozent für „sehr negativ“. Doch ist der deutsche Markt damit bei den „Positiv“- und „Sehr positiv“-Anteilen nach einem Fast-Gleichstand im Frühjahr nun deutlich hinter Asien zurückgefallen. Und auch der nordamerikanische Markt hat beim Offshore-Geschäft mit nun 39 Prozent Positiv- und Sehr-Positiv-Stimmen fast schon aufgeholt. Und bei Windenergie an Land überholte dieser Markt nun Deutschland: Zusammen gaben 29 Prozent der Antwortenden an, sie sähen die Entwicklung in Nordamerika positiv oder sehr positiv. Zum Vergleich: Die Entwicklung der Onshore-Windenergie-Rahmenbedingungen in Deutschland sehen zusammengerechnet noch 27 Prozent positiv oder sehr positiv.

Hohe Erwartungen an Technologie und Innovation

Trendresearch und HMC messen allerdings unterm Strich mit dem neuen WEtix einen leichten Aufwärtstrend der globalen Branchenstimmung. Es sei „ein leichter Aufwärtstrend bei der Einschätzung der aktuellen Voraussetzungen der globalen Märkte für Onshore zu erkennen“. Auch im Offshore-Geschäft sei dieser globale positive Trend da, teilen die Partner als Resultat des Vergleichs der Daten beider Umfragen mit.

Den gewachsenen Wettbewerb mitsamt Kostendruck sehen hingegen die allerwenigsten als unüberwindbare Herausforderung an. Dies gilt für Windenergie an Land wie im Meer. Auf die Frage, ob sich die Kosten dank technologischer Innovationen weiter senken lassen, antworten nur elf Prozent, dieses Potenzial sei für Windenergie an Land nur gering oder sehr gering. Im Offshore-Geschäft sind es sogar nur vier Prozent. Dagegen sehen noch elf Prozent ein sogar sehr hohes und 37 Prozent ein hohes Potenzial für mehr Kosteneffizienz durch zu erwartende Innovationen in den Windparks an Land. Für Offshore-Windparks sind diese Erwartungen sogar weiterhin noch höher (27 Prozent: sehr hoch; 42 Prozent: hoch).

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